Premiere: „Kehraus um St. Stephan“
„Zu Anfang des Frühjahrs [1930] ging ich ein neues Opernprojekt an, das ich sehr schnell fertig stellte. Es markiert einen deutlichen Wendepunkt in meiner künstlerischen Entwicklung“, schreibt Ernst Krenek im 1953 abgeschlossenen fünften Kapitel seiner autobiographischen Erinnerungen Im Atem der Zeit. Es bedurfte freilich eines langen Lebensatems, um noch die Uraufführung dieses Werkes zu erleben: Erst 1990 erblickte „Kehraus um St. Stephan“ das Licht der Bühnenwelt - immerhin im Wiener Ronacher, wo es besonders authentisch zur Geltung kommen konnte. Die Aufnahme der „Novität“ mochte späte Genugtuung sein: Das Publikum bereitete dem 90-jährigen Meister Ovationen und die Presse fand zu einem, für dieses bis dahin für ein „Nebenprodukt“ gehaltene Opus, durchwegs positiven Tenor. Krenek starb 1991 und erlebte nicht mehr mit, dass sein Werk abermals in der Versenkung verschwand. Denn weitere 18 Jahre sollten vergehen, ehe die Volksoper gemeinsam mit den Bregenzer Festspielen zu einer neuerlichen Auseinandersetzung einlud, und erneut wurde „Kehraus um St. Stephan“ von Publikum und Kritik als Neuentdeckung gefeiert.
Premiere am 24. Jänner 2009
Zwar fand die Premiere im Sommer 2008 in Bregenz statt, geprobt wurde die durchwegs mit Sängern der Volksoper besetzte Produktion aber in der Volksoper. Regie führte Michael Scheidl, der „Kehraus um St. Stephan“ „als ein Werk von schlechthin visionärer Größe“ bezeichnet: „Es zeichnet eine skrupellose, machtgeile, ausbeuterische Gesellschaft des Herbstes 1918, erfüllt von politischem Zynismus, sozialer Gleichgültigkeit, grenzenloser Oberflächlichkeit und einer Geldsucht, wie sie in dieser Ausschließlichkeit und Intensität eigentlich erst jetzt Realität geworden ist. Was Krenek damals als Satire bezeichnet hat, liest und hört sich heute als dramatisierte Dokumentation eines real existierenden Materialismus.“
Die wilden 20er Jahre, menschliche Sehnsüchte nach Glück, Ruhm und Reichtum, private, geschäftliche und publizistische Gemeinheiten, Monarchie-Reminiszenzen oder die Anschluss-Sehnsüchte vieler Österreicher hat Krenek wie eine Prophetie für Hitlers Fahrplan getextet und komponiert. Michael Scheidl zeigt, dass Kreneks Konzept einer modernen, zeitkritischen Volksoper, die auf intelligente, anspruchsvolle Art unterhalten möchte, brandaktuell geblieben ist. „Seine Inszenierung lebt von minutiös ausgearbeiteter Personenführung und setzt Kreneks ätzende Zeitkritik szenisch brillant um.“ (Stuttgarter Zeitung)
Dirigent: Gerrit Prießnitz
Regie: Michael Scheidl
Ausstattung: Nora Scheidl
Mit:
Andrea Bogner (Maria), Elisabeth Flechl (Elisabeth Torregiani), Elisabeth Wolfbauer (Elisabeth Rittinghaus), Roman Sadnik (Othmar Brandstetter), Albert Pesendorfer (Sebastian Kundrather), Christian Drescher (Ferdinand), Gerhard Ernst (Oberwachmann Sachsl), Sebastian Holecek (Alfred Koppreiter), Michael Kraus (Moritz Fekete), Wolfgang Gratschmaier (Emmerich von Kereszthely), Lars Woldt (Herr Kabulke)
PREMIERE AM SAMSTAG, 24. JÄNNER 2009, BEGINN 19:00 UHR
Weitere Vorstellungen am 26., 29. Jänner 2009, 12., 15. Februar 2009
Im Vorfeld:
Zeitgenosse des 20. Jahrhunderts: EIN ABEND FÜR ERNST KRENEK
AM 21. JÄNNER 2009, BEGINN 20:00

