Repertoire

Tuesday
15.01.2013

Der Barbier von Sevilla

Opera from Gioachino Rossini

Volksoper Wien

Tuesday 15. January 2013
Begin at: 19.00 Uhr

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Duration: 3 hours , Intermissions: 1

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Rossini's comic opera, which had its world premiere in 1816, was a work for which he ought to have won several prizes. A prize for speed: "... I wrote the first act in eight days, and the second in another twelve". One for courage: He was daring enough to compete with the great maestro Païsiello, whose "Barbiere di Siviglia" was a favourite with the public. This was probably the reason Rossini gave his work the new title "L'inutile precauzione". "The precaution" was, indeed, "futile" over thelong term, because this fireworks of a piece full of spirited and witty musical numbers was soon to become the very definition of Italian opera buffa. In german language.

In deutscher Sprache

Pressestimmen

(…) Daniela Fallys Rosina kann nicht hoch genug gerühmt werden. Da sitzen nicht nur alle Spitzentöne perfekt, sie lagert diese mit ihrem in allen Lagen gleich wohlklingenden Timbre geradezu unauffällig in ihren Part und macht diesen so über die bewundernswerte musikalische Leistung hinaus zum Motor der Gesamtdramatik. Dies gelingt ihr durch die an die Netrebko erinnernde Virtuosität, mit der sie ihre Stimme und ihre Gesten zu beider Vorteil zu koordinieren versteht. (…)
(Peter Vujica, Der Standard)

(…) Eine, bei der man keinen Moment lang hatte weghören können, war Daniela Fally: Ihre Rosina, vorbildlich auch in der Diktion, brillierte mit glitzernden Koloraturen und leuchtend klaren Höhen, dazu mit dem recht quirligen Temperament. Zweifellos ein kommender Fixstern am Himmel der Koloratursoprane, nicht nur ein "Shootingstar" (was bekanntlich "Sternschnuppe" bedeutet)!
Als rollendeckend erwies sich auch der Dr. Bartolo von Lars Woldt mit der vorbildlichen Flexibilität seines voluminösen Basses und seiner bühnenbeherrschenden Komik. Den krankheitsbedingten Ausfall eines Kollegen nutzte Zweitbesetzung Daniel Schmutzhard mit seinem frischen Bariton zur sympathischen Gestaltung der Titelpartie. Für den Basilio war der dröhnende Bass von Sorin Coliban am rechten Platz. (…) Und perfekt einstudiert zeigte sich der Männerchor (Thomas Böttcher). Gesungen wurde, getreu der Philosophie des Hauses, deutsch; in einer neuen, recht gut singbaren Fassung. (…)
(Gerhard Kramer, Wiener Zeitung)

"Barbier von Sevilla": Ein Spaß bis ins kleinste Detail
Volksoper. Mit einem neuen „Barbier von Sevilla“ ergänzt man das Wiener Repertoire um die dringend nötige Möglichkeit, ein Meisterwerk auf Deutsch kennenzulernen.
Rossini, deutsch? Unbedingt! Die Premiere des „Barbier von Sevilla“ an der Volksoper bewies wieder einmal schlagend, dass die weltweite Tendenz, prinzipiell nur noch in Originalsprache singen zu wollen, künstlich hochgespielt ist. Wie bei den Da−Ponte−Opern Mozarts, die für Einsteiger unbedingt in der Landessprache verfügbar sein müssen, ist auch bei Rossinis Meisterstück nicht nur die Erstbegegnung in dieser Form empfehlenswert – und amüsant.
Man hat Günther Rennerts Übersetzung, die seinerzeit unter Karl Böhms Leistung auch in der Staatsoper Verwendung fand, behutsam modernisiert. Auch Regisseur Josef Ernst Köpplinger versucht eine Zeitreise: Der „Barbier“ spielt in der Ära der faschistischen Diktatur. Man erkennt es an manchen Versatzstücken und an den Kostümen. Auch spielt das Bild des Generalissimus Franco eine Rolle im hektischen Treiben. Doch die Charaktere, die sich aus dem ungebremsten Bewegungsspiel der Inszenierung abheben, sind die altvertrauten, ewig liebenswerten. Köpplinger verzichtet – anders als die zeitliche Transposition vermuten ließe – auf jegliche Holzhammer−Politisierung, setzt lediglich auf Holzhammer−Posse, erfindet Personen und Running Gags in Fülle, so dass es nicht immer leicht ist, in dem Ballett der Regieeinfälle die Handlungsfäden der Rossini−Oper auszumachen.
Charmanter Figaro – durch Zufall!
Doch sind nicht nur die Komparsen, sondern auch die Hauptdarsteller kräftig bewegt, bringen Menschen aus Fleisch und Blut auf die Bühne und machen die Archetypen unserer Leidenschaften, Sehnsüchte und Schwächen lebendig. In Wahrheit gelang da ein mit hunderten Zutaten garniertes Remake der handwerklich perfekten alten Rennert−Inszenierung – selbst die Wendeltreppe des Bühnenbilds hat man übernommen, wenn auch für die von optischer Reizüberflutung betäubte Generation des Videozeitalters zitathaft vervielfacht.
Wie einst die junge Edita Gruberova wirbelt nun unsere Zukunftshoffnung Daniela Fally tirilierend durch Türen, Gänge und Stiegenhäuser, glänzend in Stimme und Spiel, frech, kokett und in manchen Passagen sogar schon selbstironisch, was die Kollegenschaft fordert und anspornt. Daniel Schmutzhard vor allem, der als Figaro einsprang und mit Charme und unbändigem Bühnentemperament das Publikum im Sturm für sich einnahm. Ein paar nervositätsbedingt schwächelnde Höhen abgezogen, punktet er mit Verve und schönem Baritonklang. Arbeitet er noch an geschmeidiger Linienführung, wird er demnächst ein unfehlbarer Interpret sein. Mit 24 gelang ihm jedenfalls ein herzhafter Einstand.
Ferdinand von Bothmers Graf setzt dem Barbier die nötige Noblesse – und imposante Spitzentöne entgegen, Lars Woldts Bartolo bewältigt mit kraftvoller Stimme sogar die auf Deutsch wirklich zungenbrecherischen Parlando−Passagen mit Witz.
Fanatische Detailarbeit
Sorin Coliban als Basilio und Sulie Girardi als Berta (inklusive Arie!) fügen sich willig in die komödiantischen Bewegungsabläufe, in denen der Ambrosio Robert Hollmanns von Gnaden der pointenversessenen Regie fast umkommt: Keine Tür, die er nicht auf die Nase bekäme, keine Treppe, über die er nicht fiele, kein Sprengsatz, der nicht über seinem Kopf explodierte.
Und das, während Karel Mark Chichon am Pult des engagiert aufspielenden Orchesters aus Pianissimotupfern heraus das Crescendo von Rossinis Gewittermusik wachsen lässt. Musikalisch ist diese Produktion liebevoll und bis ins Detail modelliert. Man hört das bereits an den Rubati, die sich Chichon in der Ouvertüre leistet. Sie würden bei weniger genauer Vorbereitung ins Chaos führen, demonstrieren hier aber, dass die Volksopern−Musiker endlich wieder einmal zu jenem Grenzgängertum geführt wurden, das der Oper, der Komödie gar, überhaupt erst ihren Erlebniswert sichert.
(Wilhelm Sinkovicz, Die Presse)

Schwung im Intrigantenstadl
(…) Der „Barbier" wurde von Josef Ernst Köpplinger inszeniert, und der verstand es, jeden Winkel mit Bewegung zu füllen, von Slapstick bis Pantomime alles einzusetzen, was die Lachmuskel anregt. Das wurde mitunter ein wenig hektisch, aber durchwegs kurzweilig. Die Promi−Sängerinnen (Anm. Anna Netrebko und Elina Garanca) im Publikum fanden auf der Bühne ein passendes Gegenüber: Daniela Fally brillierte als Koloratur−Komödiantin erster Güte. Ihre Rosina war nicht nur vergnüglich und beweglich in jeder Hinsicht, sondern auch stimmlich schwer zu übertreffen, perlend und präzise in allen Spitzenlagen.
Köpplinger ließ kaum ein Mittel aus, jede der Figuren in Rossinis Intrigantenstadl war quasi überzeichnet, es gab viel Bewegung und bunte Komparserie am kleinen Platz im erotisch rührigen Sevilla. Im Bordell „Prostibulo" verkehrten neben drallen Schönheiten sogar
Kapläne.
Die Bühnenbildnerin Heidrun Schmelzer baute für den zentralen Haushalt des Doktor Bartolo ein drehbares, verschachteltes, vielfarbiges Gebäude mit Stiegenhaus, Wendeltreppen und häufig aufgerissenen Türen, was Bartolos Diener nicht gut bekam. Der Arme wurde zunehmend von den Türen krankenhausreif geklopft und sorgte neben einem Skelett für eine Reihe von Slapstickeinlagen.
Das heitere Chaos im Haus spiegelte das Chaos der Beziehungen. Die – bis auf wenige Canzones – deutsche Fassung ist eine Herausforderung, Italienisch kann man schneller schnattern. Da gelang dem energisch dirigierenden Chichon das Kunststück, die Tempi anzupassen ohne zu verschleppen und Rossinis mitreißende Rhythmik zu bewahren.
Das Ensemble rund um die hinreißende Daniela Fally war bei aller Spiellust auch sängerisch vorzüglich präpariert. Lars Woldt sang den übertölpelten Doktor Bartolo, dessen Plan, sein reiches Mündel Rosina zu heiraten, nicht aufgeht. Denn da ist der kupplerische Figaro (Daniel Schmutzhard), der den verliebten Grafen Almaviva (Ferdinand von Bothmer mit beweglichem Tenor) erfolgreich durch die Intrigen schubst, ihn als Gesangslehrer oder besoffenen Offizier auftreten lässt und auch noch den aufdringlichen Basilio (Sorin Coliban) zum Schweigen bringt. Das geschieht mit allerlei Aufwand, im Tohuwabohu, das die Regie zusätzlich anrichtet, verliert man leicht den Überblick, Unterhaltsam ist dieser „Barbier" auf alle Fälle. Das belohnte das Premierenpublikum denn auch mit anhaltendem Applaus.
(Ernst P. Strobl, Salzburger Nachrichten)

Die wichtigste Nachricht zuerst. Die Wiener Volksoper kann – das war noch vor ein paar Monaten keineswegs selbstverständlich – auch eine Oper wie Gioacchino Rossinis „Barbier von Sevilla" einwandfrei besetzen und musikalisch sehr überzeugend präsentieren. Und das natürlich in deutscher Sprache. Ganz so, wie es Direktor Robert Meyer auch in Zukunft bei allen Werken halten will.
Eine vor allem beim „Barbier" nicht ganz unproblematische Entscheidung, die Sänger, Dirigent und Orchester vor viele Herausforderungen stellt. Da müssen Tempi an die Sprache (man hat die sehr gute, etwas modernisierte Übersetzung von Günther Rennert gewählt) angepasst werden, da muss am Timing genau gearbeitet werden. ...
Dirigent Karel Mark Chichon hat das geschafft. Er führt die Sänger sehr sicher über alle Klippen der Partitur, hält das (diesmal nicht immer ganz sattelfeste) Orchester gut zusammen, setzt auf melodischen Witz, Temperament und die richtige, weil notwendige Portion an Italianita. Dafür gab es vom Premieren−Publikum, etwa den Opernstars Elina Garanca und Anna Netrebko, zu Recht viel Applaus.
Koloraturexpress Chichon hat aber auch Interpreten zur Verfügung, die in Rossinis komischer Oper voll aufgehen. An der Spitze Daniela Fally als stimmlich wie darstellerisch hinreißende Rosina. Mühelos meistert Fally alle von Rossini vorgeschriebenen Koloraturen; in den großen Arien begeistert sie mit technischer Bravour und vokalem Witz. Fallys schöne, aber nicht unbedingt große Stimme ist für ein Haus wie die Volksoper schlicht ideal.
Nicht minder eindrucksvoll agiert Daniel Schmutzhard – er sprang für den erkrankten Miljenko Turk ein – als quicklebendiger, äußerst agiler und wortdeutlicher Figaro, dehn Ferdinand von Bothmer einen sehr verlässlichen und meist, höhensicheren Graf Almaviva findet. Ein komödiantisches und stimmliches Kabinettstück liefert Lars Woldt als tapsiger Doktor Bartolo ab; als Musiklehrer Basilio hat Sorin Coliban nebst dem übrigen, guten Ensemble (u.a. Sulie Girardi) feine Momente. (…)
(Peter Jarolin, Kurier)

Diese Rosina ist ein Ereignis
Ein Riesenspaß in der Wiener Volksoper: Großer Premierenerfolg von Rossinis „Barbier von Sevilla" mit Daniela Fally als Rosine.
Selten in der Oper so viel gelacht wie bei dieser Premiere des Barbier von Sevilla: Josef Ernst Köpplinger hat so etwas wie eine Feydeau−Burleske inszeniert.
Während die Handlung mit Witz und Tempo vorangetrieben wird, ist die Bühne von Nebenfiguren belebt, die als Handwerker oder Priester, Herumtreiber oder Puffdamen, Raufbolde oder Polizisten agieren. Routine ist nicht zugelassen. Akteure, die singen, und andere, die nur spielen, summieren sich zu einem brillanten Stück−Ensemble, das mit größter Genauigkeit die witzigen Einfälle des Regisseurs realisiert.
Köstlich das Bühnenbild von Heidrun Schmelzer. Man blickt in ein zweistöckiges Haus mit vielen Zimmern, Treppen, Türen, davor eine Straße, daneben ein Nachtklub. Wir befinden uns in! 20. Jahrhundert. Gesungen wird in zuweilen alltagsnaher deutscher Sprache. Der Dirigent
Karel Mark Chichon lässt den raffinierten Mechanismus von Rossinis Musik trotzdem mit unüberhörbarer Italianita wirken und erreicht mit dem Orchester eine delikate Virtuosität. Margarita Vaiculenas sorgt bei den Rezitativen am Hammerklavier für zusätzliche akustische Pointen.
Daniela Fally ist als Rosine ein Elementarereignis. Ihr Singen, ihr Spiel wirken wie selbstverständlich, ihre Komik und Körpersprache natürlich, ihre extremen Koloraturen keinen Moment als vokale Artistik, sondern als Ausdruck von Lebensfreude.
Lars Woldt (Bartolo), Sorin Coliban (Basilio), Ferdinand von Bothmer (Almaviva) sind stimmlich und als Akteure ausgezeichnete Rollenbesetzungen in dieser Volksopern−Produktion.
Als Figaro bewies Daniel Schmutzhard großes Talent und die Fähigkeit, ein Motor der Handlung zu sein. Ich würde mich nicht wundern, wenn dieser erst 26 Jahre alte Bariton irgendwann ins Tenorfach wechselte.
Robert Hollmann hatte als Diener Ambrosio in dieser Inszenierung eine komische Hauptrolle, ebenso Sulie Girardi (Berta). Großes Kompliment dem ganzen Ensemble.
(Karl Löbl, Österreich)

Beim Doktor und im Puff nebenan
Turbulenzen im Haus Dr. Bartolos! Seit der verschrobene, geizige Alte sein Mündel Rosina heiraten will, geht's rund. Jeder gegen jeden! Das ist die Devise. Und auch außer Haus lauern bereits die Feinde, die Rosina entführen wollen: Josef Ernst Köpplinger hat in der Volksoper Rossinis Meisterbuffa „Der Barbier von Sevilla" mit Schwung und Witz inszeniert.
Rossini zwar auf Deutsch, aber mit Tempo, knalligen Pointen und deftigen Gags in den Szenen und imponierendem Drive und schmeichelndem Klang. Karel Mark Chichon treibt die Volksopernmusiker ordentlich an, dass Rossini moussiert und sich alles auf die atemberaubenden Ensembles hin steigert. Und er hat einige Sänger, die tatsächlich Maßstäbe setzen:
Im Mittelpunkt: Daniela Fally! Sie hat bei ihrem sängerischen Höhenflug seit der Fiakermilli einen ersten Höhepunkt erreicht. Diese Rosina zu erleben, kamen sogar Anna Netrebko und Elina Garanca ...
Fally gibt den Arien Mühelosigkeit, Eleganz, Witz. Auch auf Deutsch gelingt ihr "Una voce poco fa" mit schmeichelnden Legatobögen, kostbarem Funkeln der Koloraturen und fein differenziertem Ausdruck. Ihr listiges Spiel, mit Augenzwinkern, bezaubert.
An ihrer Seite brilliert Lars Woldt als Grantscherben Bartoto mit großer Stimme, tadelloser Diktion, bitterer Komödiantik. Daniel Schmutzhard gefällt als ausgezeichneter Figaro, ein frecher Tausendsassa mit vielversprechendem, kraftvoll−schönem Bariton und viel Komödienlaune. Ferdinand von Bothmer ist ein sympathischer Graf Almaviva mit hübschem, schlankem Tenor, Sorin Coliban ein verlässlicher Basilio, Sulie Girardi eine flotte Berta, die im Nebengeschäft ein Puff betreibt.
Köpplinger hat mit Günther Rennerts Fassung einen guten Griff getan: Mit der Ausstatterin Heidrun Schmelzer verlegt er die Geschichte aus dem 18. Jahrhundert ins Sevilla des Franco−Regimes. Ein bunt bemaltes dreistöckiges Doktor−Haus wird da zur Komödienmaschine wie bei Feydeau. Eine detailreiche Inszenierung, in der alles hurtig treppauf und treppab eilt, ständig zappelt, turtelt, flirtet, wenn nicht gerade Arien gesungen werden müssen oder man in den großen Ensembles „roll over Rossini" spielen muss. Viel Statisterie sorgt für Pointen – sogar Gunstgewerblerinnen aus dem Bordell nebenan ...
Köpplinger ist eine detailverliebte, aber sehr unterhaltende Produktion gelungen, die ein Renner werden könnte. Viel Jubel!
(Karlheinz Roschitz, Krone)

Ein Treffer in fast jeder Hinsicht
DER BARBIER VON SEVILLA von Rossini an der Volksoper
Dass Premieren den Status quo einer Aufführung nur selten wiedergeben, ist eine oft unterschätzte Tatsache. Deshalb bin ich froh, dass ich meine Tochter Dorothea, 6, in die Generalprobe des Volksopern−„Barbiers” ausführen durfte: Ich habe da eine vor allem musikalisch brillante Interpretation erlebt, wild und scharfkantig, mit markanten, aber nie eitlen Tempi und präzise beschleunigendem Rossini−Swing.
An der Qualität des Dirigenten Karel Mark Chichon hat sich in der Premiere nichts geändert. Doch das Orchester begann nervös und steigerte sich nur langsam. Das Nämliche gilt für Daniel Schmutzhard, den Einspringer in der Titelrolle: ein schöner, gut geführter Bariton, dessen Besitzer in der Premiere zunächst mit hörbarer Angst zukämpfen hatte. Auf diese Weise blieb eine Zeit lang auch Josef Ernst Köpplingers Inszenierung auf dem Boden. Die wird durch den mit Virtuosität und Geschmeidigkeit geführten Holzhammer charakterisiert und entspricht vom Charakter der deutschsprachigen Fassung. Dass die Ereignisse ins Franco−Spanien verlegt sind, erzeugt sarkastische Pointen, wenn es um Polizei und Militär geht.
Besetzt ist dieser „Barbier" ausgezeichnet: Daniela Fallys Rosina erfüllt glorios alle Anforderungen des Spiels und der Sopranfassung. Lars Woldt ist ein Luxus−Bartolo, Ferdinand von Bothmer ein nobler, fein phrasierender, stimmschöner und höhensicherer Almaviva, Sorin Coliban ein ordentlicher Basilio. Ein Treffer in fast jeder Hinsicht.
(Heinz Sichrovsky, News)

Die Welt, ein lustiges Dorf
Mit einer gelungenen und behutsamen Modernisierung, einer brauchbaren, dem Original verpflichteten deutschen Übersetzung und einem ideal disponierten Ensemble feierte "Der Barbier von Sevilla" am Dienstag an der Wiener Volksoper Premiere.
Und das ist für Wien etwas Besonderes, denn die letzte Inszenierung von Rossinis Erfolgsoper im Haus am Gürtel liegt fast 30 Jahre, jene noch immer gespielte an der Staatsoper mehr als 40 Jahre zurück. Josef Ernst Köpplinger schien dort anzuknüpfen, wo in Wien die Zeit stehen geblieben ist. Sevilla als leicht heruntergekommenes Dorf, das mit seinen schrulligen Typen ein bisschen an Don Camillos verträumtes Brescello erinnerte, nur im behutsam dezenten Hintergrund der spanischen Diktatur nach dem Zweiten Weltkrieg.
Aber es blieb alles beim Alten, und der Spaß mit und um den in sein Mündel verknallten "Dorf"−Arzt Doktor Bartolo konnte ungehindert seinen Lauf nehmen. Köpplinger versuchte auch gar nicht viel zu interpretieren oder gar tiefsinnige psychologische Wesenszüge freizulegen, sondern erzählte eine komödiantische Geschichte mit viel Tempo, geschliffenem Humor und genügend Liebe zum slapstickartigen Blödeln. Heidrun Schmelzers Bühnenbild mit zwei markanten Wendeltreppen in Bartolos Haus schuf treppauf, treppab ideale Bedingungen für Situationskomik. (…)
(Michael Wruss, OÖNachrichten)

(…) Die Volksopernproduktion braucht, wenigstens musikalisch, den internationalen Vergleich nicht zu scheuen. Es wird auf höchstem Niveau gesungen, das Orchester schnurrt unter Dirigent Karel Mark Chichon präzise wie ein Schweizer Uhrwerk, sogar die Übertragung ins deutsche ist im Großen und Ganzen geglückt. (…)
(P.S., Profil)

Dates

Cast