Spielplan

Sonntag
11.12.2011

Die lustige Witwe

Operette

Volksoper Wien

Sonntag 11. Dezember 2011
Beginn: 19:00 Uhr

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Dauer: 2 Stunden 45 Minuten, Pausen: 1

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Zum Ausklang des Jahres 1905 feierte die Operette ihre Uraufführung und trat sofort ihren Siegeszug um die ganze Welt an. Und bis heute ist die Liebesgeschichte von Hanna Glawari und Danilo Danilowitsch nicht aus der Mode gekommen. Marco Arturo Marelli, dessen internationale Karriere 1987 an der Volksoper begann, kehrte 2010/2011 in bewährter Personalunion als Regisseur und Bühnenbildner an unser Haus zurück und inszenierte mit der Neuproduktion der "Lustigen Witwe" mit großem Erfolg erstmals eine Operette.

Mit englischen Übertiteln

Werkbeschreibung

"Alles, was wir lesen, schreiben, denken, plaudern und was für moderne Kleider unsere Empfindungen tragen, das tönt in dieser Operette", beschrieb Felix Salten das Phänomen "Lustige Witwe". Im Mittelpunkt stehen die beiden stolzen Dickschädel Hanna Glawari und Danilo Danilowitsch, deren Spiel von Anlocken und Von-sich-Stoßen sie beinahe um die große Liebe bringt, bis sie einander im "Lippen schweigen" wortreich gestehen, dass Liebe in Worten nicht ausgedrückt werden kann. Ihnen gegenüber steht das zweite Paar: Valencienne, verheiratete Baronin Zeta, und ihr geliebter Camille de Rossillon, der mit dem Verweis "Ich bin eine anständ'ge Frau" verzweifelt in die Schranken gewiesen wird - auch dies ein Spiel zwischen dem Traum von stiller Häuslichkeit und dem Ausbrechen aus eben dieser. Zumindest Hanna und Danilo ist ein Happy End beschieden, das ganz nebenbei auch noch der Staatsräson dient, verhindert es doch den drohenden Bankrott des Fantasie-Kleinstaats Pontevedro.

Pressestimmen

VOLKSOPER: AUF INS LOCKENDE MAXIM!

Regisseur Marco Arturo Marelli führt geschickt ein ausgezeichnetes Ensemble bei Lehárs „Lustiger Witwe“. Nur im letzten Akt kippt das Ganze in die Traditionsgänge des Währinger Gürtels.

Männer, Männer, Männer“ singen die lustigen „Weiber“ ab sofort in der Volksoper und kippen fröhlich Sekt dazu – aber erst nach der Pause der neuen „Lustigen Witwe“. Davor dürfen sich die Herren angesichts des Mysteriums Frau – „Ja, das Studium der Weiber ist schwer“ – hemmungslos mit Wodka vernichten, um am Ende doch dem schwachen Geschlecht nur zu willig auf den Leim zu gehen.

Finden Sie hier Ihre Freunde aus vergangenen Tagen wieder. Sie erinnern sich an einen Freund aus alten Zeiten oder die Freundin von der Nachbarschule, aber der Kontakt ist über die Jahre abgerissen. Wie sieht er/sie heute denn aus? Jetzt können Sie diese wiederfinden.


Regisseur Marco Arturo Marelli hat sich mit dieser Spiegelung für die Damen zeitgemäß ein wenig stark gemacht. Auch sonst kommen alle zu ihrem Recht: Lehárs Welterfolg in all seinen Facetten, das zwischen Gesang und Dialog pendelnde Genre ebenso wie das Volksopern−Publikum. Marelli ist in seiner versöhnlichen Regieart ein großer Spagat gelungen. Seine neue Volksopern−„Witwe“, die, nach einer verunglückten Produktion der Ära Berger, nun wieder sehr genießbar in den Spielplan zurückgekehrt ist, nimmt ihre Protagonisten sehr ernst. Aus dem von Hanna Glawari und Graf Danilo ist alle Operettenschmiere ausgeputzt. Hier treffen sich zwei ernst zu nehmende Menschen, die sich tief verletzt haben, einander aber immer noch lieben und an diesem Operettenabend über ihre Dickschädel hinweg zusammenkommen müssen.

Mit Alexandra Reinprecht als Hanna und Daniel Schmutzhard als Danilo stehen dafür zwei ausgezeichnete junge Sänger bereit, die auch in den fein gearbeiteten Dialogen überzeugen.

Brillant: Reinprecht, Schmutzhard

Mit drallem Sopran wirft sich Reinprecht in diesen Geschlechterkampf, ist eine selbstbewusste und liebenswerte junge Frau, die um ihr Glück kämpft, im Vilja−Lied berückend zarte Töne anzustimmen weiß und herzhaft triumphieren kann, wenn sie ihre widerspenstige Liebe endlich in der Falle glaubt. Daniel Schmutzhard kraxelt für sein „O Vaterland“−Auftrittslied noch ganz im Maxim−Rausch artistisch auf einen Sessel. Mit seinem höhensicheren Bariton versteht er einen famosen Danilo zu singen, fernab jeden Klischees. Dieser Graf ist einsam, vernebelt seine Glückssuche mit Frauen und Alkohol. Doch Marelli lässt auch das Revuehafte, den Humor nicht zu kurz kommen. Die Pointen, vor allem dank des ideal dosierten Njegus von Robert Meyer, fliegen in geschmackvoll zielgenauen Höhen. Mit Kurt Schreibmayer als Baron Zeta, Sophie Marilley als Valencienne, Mehrzad Montazeri als Rosillon und all den anderen kann sich der Abend auf ein ausgezeichnetes Ensemble stützen.

Nur im letzten Akt kippt das Ganze in die Traditionsgänge des Währinger Gürtels. Einem Riesenzylinder, der vor dem Paris−Panorama schwebt, das mit geschickt verschiebbaren, flamboyanten Art−déco−Elementen von Marelli ausgestattet wurde, entspringen die Grisetten. Danach folgt eine hupfdohlige Mitklatsch−Revueeinlage, die auch dank Renato Zanellas Choreografie dem Gesamtbild nicht zur Ehre gereicht. Im Graben beweist das Volksopern−Orchester, dass es unter dem tüchtigen Henrik Nánási seinen Lehár draufhat. Wobei man der feinen Szenerie mehr Subtilität gewünscht hätte. Dennoch: In Wien kann man wieder ungeniert ins Maxim gehen.

("Die Presse", Print−Ausgabe, 23.05.2011)



"WITWE": NICHT NUR FÜR DEN EXPORT IDEAL

Mit Franz Lehárs "Die lustige Witwe" landet die Wiener Volksoper einen auch für das Gastspiel in Japan wichtigen Erfolg. Zwei "Königskinder", die doch zueinanderfinden: Alexandra Reinprecht als Hanna Glawari und Daniel Schmutzhard als sehr junger Danilo. Endlich hat die Wiener Volksoper wieder eine "Lustige Witwe" im Repertoire, die sich auch szenisch sehen lassen kann. Einer der Gründe dafür: 2012 geht das Haus am Gürtel unter anderem mit dieser Operette auf Japan−Tournee; die noch bis vor Kurzem gespielte Lehá r−Verunglimpfung durch Regisseur Daniel Dollé war weder dem japanischen, noch dem Wiener Publikum länger zumutbar.


Also ging die Volksoper auf Nummer sicher und engagierte mit Marco Arturo Marelli einen Regisseur, der für seine geschmackvollen, intelligenten und psychologisch motivierten Arbeiten bekannt ist. Und tatsächlich: Marellis Deutung von Lehárs Meisterwerk − warum es gegen den Regisseur bei der Premiere auch Proteste gab, ist völlig rätselhaft − überzeugt. Denn Marelli konzentriert sich ganz auf das Verhältnis zwischen der "Witwe" Hanna Glawari und ihrem Danilo. Er seziert gekonnt die Emotionen dieser zwei einander liebenden "Königskinder", treibt in einem schönen Pariser Fin−de−Siècle−Salon (Ausstattung: Marelli) der Operette jede Plüschhaftigkeit aus.


Und Marelli kommt gar nicht erst auf die Idee, seinen Danilo als Abziehbild solcher Legenden wie Johannes Heesters oder Harald Serafin zu zeichnen. Im Gegenteil: Hier wird der Danilo gegen den Strich gebürstet. Hier ist er kein nobler Bonvivant, sondern ein mit dem Leben und seinen Gefühlen überforderter Provinzler, der sich die Zeit in Paris mit Sex und Alkohol vertreibt. Und auch sonst vermeidet Marelli die billigen Pointen, sondern zeigt Operette pur. Das ist lustig und schön anzusehen (auch dank der Kostüme von Dagmar Niefind) und hat Tempo (flott die Choreografie von Renato Zanella) und Witz.


Auch, weil man sich im Haus am Gürtel für eine sehr junge Besetzung entschieden hat. So ist Daniel Schmutzhard ein vokal wie darstellerisch glaubwürdiger

Danilo, dessen fast tenoraler Bariton allen Anforderungen gewachsen ist. Alexandra Reinprecht − die Sopranistin wirkte bei der Premiere leicht indisponiert − ist eine darstellerisch ausgezeichnete, intensive Hanna Glawari, die sich nach der Pause auch stimmlich besser behaupten konnte.


Kurt Schreibmayer gibt einen herrlich düpierten Baron Zeta, der in Sophie Marilleys Valencienne eine "anständige Frau" findet. Gut: Mehrzad Montazeri als Camille und das übrige Ensemble. Eine Klasse für sich: Robert Meyer als Njegus, der am Ende sogar als Dirigent reüssierte und damit dem farblosen Henrik Nánási am Pult des guten Volksopernorchesters noch eine Lektion in Sachen Esprit erteilte. (Peter Jarolin, Kurier; Printausgabe 23.5.2011)



HEITERER OPERETTENDIENST NACH VORSCHRIFT

Premiere der "Lustigen Witwe": Regisseur Marco Arturo Marelli setzte auf lustige Konventionen, Dirigent Henrik Nanasi auf Energie und Scheinpräsenz durch hohe Lautstärke

Wien − Am Ende explodierte noch − in die ausgelassene Applausstimmung hinein − das eine oder andere herzhafte Buh für den Regisseur. Ein Rätsel allerdings, wofür Marco Arturo Marelli abgestraft wurde. Der versierte Geschichtenerzähler, der an der Wiener Staatsoper schon Elegantestes abgeliefert hat (Fallstaff, Medea−Uraufführung), das von seinem Gefühl für filigrane Details zeugte, hat zwar bei dieser Lustigen Witwe der Routine und dem Leerlauf Kurzauftritte gewährt, im Großen und Ganzen jedoch ist ihm (auch fürs Bühnenbild verantwortlich) das gelungen, was man sich von ihm wohl erhofft hat: eine solide Konsensinszenierung, eine Fingerübung, die den Rechenkünstlern der Wiener Volksoper im In− und Ausland dauerhaft Freude bereiten könnte, indem sie jenen im Werk zahlreich schlummernden Heiterkeitskräften behilflich war.

Da wäre zunächst die zweckdienliche Bühnenausgestaltung: Die wellenartig sich windenden Art−déco−Wände mit ihren Drehtüren und verschiebbaren Elementen taugen als Blickfang wie als Schauplatz schneller Situationswechsel. Zudem suggerieren sie einen Salon, von dem aus man einen schönen Blick auf Paris samt Eiffelturm hat. Das generiert Atmosphäre. Natürlich wäre es schön gewesen, hätte Marelli alle Figuren mit jener kurzweiligen Prägnanz ausgestattet, wie sie dem Kanzlisten Njegus zuteilwurde.

Volksoperndirektor Robert Meyer ist der gerne auf dem Rad daherkommende Running Gag dieser Inszenierung, der seine Lebemannfantasien virtuos andeutet, beim Servieren von Getränken dann aber auch als talentierter Verwandter jenes beschwipsten Butlers namens James wirkt, der in Dinner for One eine alte Dame umsorgt.

Um ihn herum entspannte Heiterkeit, Herzschmerz und etwas Revueglanz: Einem riesigen Zylinder entschlüpfen die Grisetten und verbreiten (auch auf einem Bein) ein bisschen Ausgelassenheit (Choreografie: Renato Zanella). Und ja, es lässt Marelli vor allem die Herren punktuell im Kollektiv aus der Rolle fallen. Ihre Lächerlichkeit bringt Lebendigkeit.

Im Zentrum allerdings nichts Exzentrisches: Alexandra Reinprecht (als Hanna Glawari) singt und spielt passabel eine selbstbewusste Dame ohne Dünkel. Und Daniel Schmutzhard (als Graf Danilo) singt hervorragend, bleibt aber in seiner Rollenauffassung etwas brav. Hätte Dirigent Henrik Nanasi ihn darin unterstützt, einige lyrische Feinheiten anzubringen, wäre es möglich gewesen, diese auch zu hören.

Es war dieses Lautstärkeproblem jedoch ein hartnäckiges: Aus dem Orchestergraben klang es zwar engagiert, beherzt im Reschen, aber zu oft auch vordergründig und im Verhältnis zu den Sängern aufdringlich, wodurch es selten zu jener Leichtigkeit des Operettenausdrucks kam, die aus einer guten Kommunikation zwischen Orchester und Gesang entsteht. Nicht zu vergessen natürlich das recht gute Ensemble, etwa Kurt Schreibmayer (als Zeta), Sophie Marilley (als Valencienne) und Mehrzad Montazeri (als Rossillon). Ja, recht oft hörte man sie auch gut ... (Ljubisa Tosic/DER STANDARD, Printausgabe, 23. 5. 2011)



DIE LUSTIGE WITWE

Die letzte Premiere der Saison an der Wiener Volksoper galt am Samstag Lehárs Meisterwerk „Die lustige Witwe“, die in Marco Arturo Marellis Inszenierung eine ganz andere, aber um nichts weniger packende Wirkung erzielte.

Bei seiner ersten Operettenregie hat Marelli ganz auf große Oper gesetzt, ein Bühnenbild entworfen, das nicht nur vom Jugendstil bis Art Déco beeinflusst war, sondern auch mit ganz wenigen Versatzstücken schnell Räume und so auch bei aller Größe Intimität schaffen konnte.

Es gelang so eine ungemein elegante „Witwe“, die aber – und das war vielleicht das Wichtigste – die tradierten Klischees weitgehend aussparte. Nicht dass am Text gerüttelt wurde, oder gar das ganze Werk auf den Kopf gestellt worden wäre – nein, ganz im Gegenteil, man erlebte das Stück pur in seiner ganzen Meisterschaft, gespickt mit viel, aber sehr raffiniert eingesetztem Witz. Keine platte Comedy, sondern ebenso eleganter und damit dann doch sehr wienerischer Humor. Die Idee, den Graf Danilo mit einem sehr jungen Sänger – Daniel Schmutzhard – zu besetzen, ging voll auf.

Kein Heesters− oder Serafin−Image eines in die sehr späten Jahre gekommenen Lebemanns, der in vollen Zügen genossen hat und doch unfähig zur Liebe ist, sondern das Porträt eines jungen, fast schüchternen Mannes, der unmittelbar nach dem Militärdienst als Diplomat heillos überfordert ist und zwar lieben möchte, dies aber nie gelernt hat.

So bekommt auch das „Lippen schweigen“−Duett eine ganz andere Dimension, fast als würde die spätpubertäre Verklemmtheit mit einem Schlag gewichen sein. Dazu kam, dass Schmutzhard sehr natürlich und subtil agierte und seine Partie so gut wie schon lange kein Danilo musikalisch interpretierte. Da war auf einmal zu merken, dass diese Rolle nicht die des alternden, vielleicht gerade noch singfähigen Charmeurs ist, sondern die eines jungen, agilen, lebenshungrigen und doch verklemmten Dandys, der seine Hormone erst einmal richtig sortieren muss.

Aber auch Alexandra Reinprecht wusste als Hanna Glawari mit viel Elan und kultiviertem Gesang aufzuwarten, wenngleich auch diese Rolle eine substanzielle Veränderung erfahren hat. Marellis Witwe war nicht die große Dame der Gesellschaft, war nicht eine pompöse, selbstsichere Erscheinung, sondern hatte etwas von der gleichen Schüchternheit Danilos.

Und so erlebte man von Anfang an zwei Personen, die einander lieben und zueinander wollen, dies aber nicht artikulieren können. Elegant, stimmlich gut, aber nicht in allen Lagen wirklich sicher war Mehrzad Montazeri als Rosillon. Apart und temperamentvoll, aber auch stimmlich nicht ganz optimal wirkte Sophie Marilley als Valencienne. Die Nebenrollen waren mit Publikumslieblingen wie Kurt Schreibmayr und Franz Suhrada sowie einem sehr engagierten jungen Ensemble blendend besetzt. Als Njegus imponierte Hausherr Robert Meyer, der aber auch dieser Rolle eine ganz neue, vom simplen Blödeln weit entfernte Dimension verlieh und zum Schluss sogar das Orchester ziemlich fest in der Hand hielt und ein Dacapo selbst dirigierte.

Sonst stand das Orchester an diesem Abend unter der Leitung von Henrik Nánási, der es sehr kultiviert und dennoch mit viel Esprit und zündenden Tempi musizieren ließ und dennoch so manche klangverliebte Stelle genau auszubalancieren wusste. Der Chor war tadellos studiert, das Wiener Staatsballett in einer brillanten Choreographie von Renato Zanella superb. Eine etwas andere, aber dennoch höchst gelungene „Lustige Witwe“, die auch dem Publikum – dem Premierenjubel nach – gefallen hat. (OÖNachrichten, Michael Wruss, Printausgabe 23.5.2011)


OPULENT

Erstmals hat Marco Arturo Marelli eine Operette inszeniert. (…) In Erinnerung bleibt vor allem seine

opulente, flexible Ausstattung der Pariser Nobelwelt mit schickem Art-déco-Prunk in einem flexiblen Raum mit prachtvollem Paris-Ausblick. Kostümbildnerin Dagmar Niefind hatte es quasi einfacher, als Dresscode herrscht in der diplomatischen Gesellschaft des Staates Pontevedro ohnehin: Frack und Robe. Und natürlich ein bisschen dralle Erotik für die tanzenden Grisetten vom ‚Maxim’.

Auf Folklore wurde verzichtet. Das ergab sehr viel Augenschmaus.

(Salzburger Nachrichten)

Termine

Jänner 2015
02.Freitag 19:00KartenBesetzung
09.Freitag 19:00KartenBesetzung
13.Dienstag 19:00KartenBesetzung
18.Sonntag 16:30KartenBesetzung
27.Dienstag 19:00KartenBesetzung

Besetzung