Spielplan

Samstag
17.12.2011

Die spinnen, die Römer!

Musical

Volksoper Wien

Samstag 17. Dezember 2011
Beginn: 19:00 Uhr

weitere Termine
Dauer: 2 Stunden 45 Minuten, Pausen: 1

in Kalender eintragen (.ics)

1962 verfasste Stephen Sondheim erstmals Text und Musik zu einem Musical. Die auf allen 21 Komödien des Plautus basierende altrömische Farce mit dem sperrigen Titel "A Funny Thing Happened on the Way to the Forum" mit ihrer turbulente Story, den umwerfend komische Songs und Zero Mostel an der Spitze machten "Forum" zum bislang meistgespielten Werk Sondheims. In der Regie von Werner Sobotka und der Choreographie von Ramesh Nair spielt nun Robert Meyer den Sklaven Pseudolus, der Himmel und Hölle in Bewegung setzt, um seine Freiheit zu erlangen.

In deutscher Sprache

Werkbeschreibung

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte spielt die Volksoper ein Musical der lebenden Broadway-Legende Stephen Sondheim (*1930), Doch was bedeutet der in seiner Kompliziertheit geradezu einschüchternde Titel "A Funny Thing Happened on the Way to the Forum"? Dazu muss man wissen, dass in den USA jüdische Witze nicht mit der Formel "Sagt der Grün zum Blau...", sondern mit "A funny thing happened on the way to the market..." ("Was Komisches ist auf dem Weg zum Markt passiert") beginnen. Das Publikum wusste also, dass es sich um eine von jüdischem Witz geprägte Farce handelte, der nur eben eine Toga umgeworfen wurde. Als sich Stephen Sondheim, Burt Shevelove und Larry Gelbart daran machten, ein Stück im Geiste der Komödien von Titus Macchius Plautus zu schreiben, konnten sie wohl kaum voraussehen, dass die Arbeit fast fünf Jahre dauern würde - und schlussendlich eines der witzigsten Musicals aller Zeiten zum Ergebnis haben sollte. Plautus (251 - 184 v. Chr.) war der erste römische Autor, der die Komödie aus göttlichen Sphären auf die Erde brachte und sie um allzumenschliche Prototypen herum konstruierte: der gerissene Sklave, der liebeskranke Jüngling, der skrupellose Geschäftsmann, der anderweitig interessierte Ehegatte samt dominanter Gattin. Er bettete diese Charaktere in ein Netz aus Missverständnissen, Täuschung, Verkleidung, Verstellung und überraschenden Wendungen in letzter Minute. Kurz: Plautus stand am Beginn dessen, was wir noch heute als komischerachten und was von Shakespeare bis Billy Wilder zu ungeahnten Pointen führte. Die erfahrenen Komödienschreiber Shevelove und Gelbart wussten, dass der Spaß, den das Publikum mit menschlichen Schwächen hat, zeitlos ist. Sie schufen eine bei allem Wahnwitz gewissenhaft konstruierte Story, die bei der Entfernung auch nur eines Details in sich zusammenbrechen würde. Und der junge Meister Stephen Sondheim textete und vertonte eine Fülle charakteristischer Lieder von unvergleichlichem sprachlichen und musikalischen Witz. Sondheims Mentor war Oscar Hammerstein (von dem u. a. der Text zu "South Pacific" stammte), doch sein Vorbild in diesem Falle war Frank Loesser, dessen "Guys and Dolls" dem Volksopernpublikum bestens bekannt ist. Mit Sondheims "Forum" alias "Die spinnen, die Römer!" lernt es nun einen neuen Höhepunkt amerikanischer Musical-Kunst kennen.

Pressestimmen

SCHLAGT MICH! GEBT MIR TIERNAMEN!“

Premiere von Stephen Sondheims „Die spinnen, die Römer“


Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass der Obersklave der Wiener Volksoper, Direktor Robert Meyer, für die Hauptrolle im Musical Die spinnen, die Römer! eine Idealbesetzung gefunden hat − nämlich sich selbst. Wie er etwa als unfreier Pseudolus unter Einfluss eines Liebestranks sein Unbewusstes samt verborgenen Wünschen an die Bühnenöffentlichkeit zerrt („Schlagt mich! Gebt mir Tiernamen!“), das war von bemerkenswerter Hingabe.

Diese Szene als Höhepunkt des Abends zu bezeichnen, täte allerdings all jenen anderen Passagen Unrecht, die von Meyers variantenreichem Wirken profitieren. Wobei: Es bieten natürlich schon Stückqualität (von Stephen Sondheim) und Rolle für sich ziemlich ideale energetische und humoristische Rahmenbedingungen, um das direktoriale Schauspielpotenzial zu entfachen.

Meyer hat hier einen sich nach Freiheit sehnenden, in Rom als Abhängiger seine recht niederen Dienste Verrichtenden zu geben, der dem Sohn (sympathisch Paul Schweinester als Hero) seines Herrn (virtuos tattrig Herbert Steinböck als Senex) ein Versprechen abringt: Sollte es ihm, dem Sklaven, gelingen, Hero mit jener Dame (perfekt naiv Bettina Mönch als Philia), in die er sich verguckt hat, zusammenzubringen − dann würde ihm, Pseudolus, die ersehnte Freiheit geschenkt.

Für das Erreichen des Verkuppelungsziels ist Pseudolus denn auch zu jeder Flunkerei bereit. Er errichtet nach und nach eine stolze Lügenssäule, die allerdings − trotz großer Improvisationsgabe − unter der Last der realen Chaosverhältnisse zusammenbrechen muss. Macht nichts. In diesem Tollhaus der Pointen, in dem man nach irgendwelchen tieferen Bedeutungen nicht suchen sollte, geht alles ziemlich gut aus.

Dass in dieser hysterievollen Komödie die Spannung bis zum Schluss nicht abebbt, dankt man natürlich der Comic−beeinflussten Regie (auch das Bühnenbild von Friedrich Despalmes ist Comic−artig) von Werner Sobotka. Laut knallt jede Pointe, es passt das Timing (sogar eine Tür fällt ideal im Rhythmus der Musik zu). Sobotka treibt den virtuosen Unsinn schrill auf die Spitze, und auch eine so schmerzhaft eindimensionale Figur wie der Offizier Miles Gloriosus (toller Narzissmus: Florian Spiess) wirkt als durchaus passender Kontrast zum Tohuwabohu.

Nicht zu vergessen: Dagmar Hellberg (als Domina), Boris Pfeifer (als Hysterium), Sigrid Hauser (als Lycus), Gernot Kranner (als Erronius) und die Choreografie (Ramesh Nair) − sie alle glänzten an diesem Abend, wie auch das Orchester unter David Levi. (Der Standard)



RÖMER−MUSICAL: TURBULENT BIS ZUM HAPPY−END

Die Volksoper Wien spielt erstmals ein Werk der Broadway−Legende Stephen Sondheim. Die Musical−Farce „Die spinnen, die Römer!“ ist zum Zerkugeln.


Stephen Sondheim. Es war höchste Zeit. Aber jetzt ist einer der besten lebenden Musical−Komponisten – der Kunst− und nicht der Kommerzgattung dieses Genres – auch bei uns dort angekommen, wo er hingehört: im Opernhaus. In der Volksoper hatte „A Funny Thing Happened on the Way to the Forum“ (1962), eine irrwitzige Farce nach Motiven aus den Komödien von Plautus, unter dem weniger sperrigen Titel „Die spinnen, die Römer!“ am Samstag Premiere. Eines der witzigsten Musicals aller Zeiten, auch bekannt durch Richard Lesters Film „Toll trieben es die alten Römer“ (1966) u. a. mit Zero Mostel. „Die spinnen, die Römer!“ ist ein Spiegelbild menschlicher Schwächen. Und „Comedy Tonight“ die Vorgabe. „Nichts was uns schwere Herzen macht. Heute wird gelacht.“ Die ganz im Geiste von Feydeau und Molière elegant geschriebenen Farce bringt: „Etwas Vertrautes, Geklautes, Groteskes, Obszönes, Graziöses, Pompöses ... Nichts Dezentes. Wir wollen outrieren.“

Slapstick Volksoperndebütant Werner Sobotka hat die turbulente Liebes− und Verwechslungsgeschichte im antiken Rom (Bühnenbild: Friedrich Despalmes) temporeich inszeniert. Keiner bringt Klamauk, Slapstick, Comedy mit Anspielungen an Comic Strips mit so präzisem Timing auf den Punkt. Und es geht schrill zu in der Burleske mit Toga und Sandalen, Zaubertrank, Kurtisanen und Eunuchen.

Amüsantes Personal

Musicalbewährt sind die Darsteller und umwerfend im Tohuwabohu, allen voran der erzkomödiantische Robert Meyer als arbeitsscheuer, aber listiger und quirliger Sklave Pseudolus (der „Lügenreiche“), der Himmel und Hölle in Bewegung setzt, um seine Freiheit zu erlangen. Herbert Steinböck ist schrullig als lüsterner Senex und alternder Ehekrüppel, drangsalisiert von seinem Weib, der Domina (Dagmar Hellberg). Boris Pfeifer: notorisch hyperaktiv als Sklave Hysterium. Paul Schweinester als liebeskranker Hero will das Herz der liebreizenden Jungfrau Philia (Bettina Mönch) erobern, die vom Kurtisanen−Dompteur Lycus (Sigrid Hauser, die bald von Robert Meyer die Hauptrolle übernehmen wird) an den Hauptmann Miles Gloriosus (Florian Spiess) verschachert wurde.

David Levi – bereits bei „The Sound of Music“, „My Fair Lady“ und „South Pacific“ am Pult – setzt auch die „Sandalenoper“ adäquat um. Denn Sondheim ist musikalisch anspruchsvoll. Leichtes Entertainment, wie es Andrew Lloyd Webber produziert, ist seine Sache nicht. Schließlich brachten irrwitzige Themen mit komplexen Partituren dem vielleicht innovativsten Komponisten und Texter des amerikanischen Musiktheaters, dem Autor von Bernsteins „West Side Story“ und Schöpfer des Musical−Thrillers „Sweeney Todd“ zahlreiche Tonys und einen Pulitzerpreis ein. Sondheim verlangt oft – auch in „Die spinnen, die Römer!“ – atemberaubende Singtempi, er verschiebt gern abrupt den Rhythmus, hat aber auch eingängige Ohrwürmer. Johann Sebastian Bach sei sein großes Kompositionsidol, sagte er, der auch mit „Send in the Clowns“ einen Welthit hatte. (Kurier)


KURIER−Wertung: ***** von *****


Fazit: Musical−Spaß wie ein Comic Strip


Stück

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte spielt die Volksoper mit „Die spinnen, die Römer!“ ein Musical von Stephen Sondheim, Jahrgang 1930.


Inszenierung

Die bravouröse Regie von Werner Sobotka und witzige Choreographie von Ramesh Nair lässt die rasante und raffiniert gestrickte Liebes− und Verwechslungsgeschichte wie ein Uhrwerk ablaufen.


Ensemble

Exzellent – in einer sehr stimmigen, sehr dynamischen Produktion.


Musik

Einige Ohrwürmer und gute Arrangements.



"NICHTS DEZENTES! OUTRIEREN!"

"Die spinnen, die Römer": Werner Sobotka inszeniert Stephen Sondheims Musical als klassische Farce im Comicstrip−Stil. Robert Meyer in der Rolle des nestroyhaft gewitzten Sklaven Pseudolus trägt den Abend.


Morgen wird es tragisch – heute wird gelacht!“ Der Kernsatz der mitreißenden Eröffnungsnummer in buchstäblich schrägem Römer−Ambiente (Bühnenbild: Friedrich Despalmes) macht schon klar, dass die Theaterwelt, sprich, die Welt an sich, Kopf stehen wird an diesem Abend. „Nichts Dezentes, wir wollen outrieren!“, schmettert das Ensemble – und hat damit zweieinhalb Stunden lang zu tun, die effiziente Choreografie von Ramesh Nair inbegriffen, die alle auf Trab hält zwischen Liebesnöten, Ehejoch, Verkleidungen, Verwechslungen, Zaubertränken, verschollenen und wiedergefundenen Nachkommen – sowie dem unbändigen Wunsch nach Freiheit. 1962 brachte das Multitalent Stephen Sondheim „A Funny Thing Happened on the Way to the Forum“ am Broadway heraus, wofür er Musik und Songtexte geschrieben hatte – der eigentliche Durchbruch des Dichters von Bernsteins „West Side Story“ (1957) sowie Schöpfer von Text und Musik zu „Sweeney Todd“ (1979), um nur zwei seiner bekanntesten Werke zu nennen. Nun hat das Werk als „Die spinnen, die Römer!“ an die Wiener Volksoper gefunden, die damit am Premierenabend unwidersprochen reüssieren konnte. Das liegt zunächst an Sondheim selbst, an seinem brillanten Wortwitz, der hier notgedrungen abgeschwächt ist, doch sich auch verwandelt in Martin Flossmanns deutscher Fassung mitteilt, die Regisseur Werner Sobotka adaptiert hat. Die Qualität der Musik, vom Orchester unter David Levi mit Schmiss, Feinsinn und gottlob ohne die branchenübliche Brachialverstärkung dargeboten, steckt immer wieder im Detail: Dort, wo schlichtere Autoren sich mit bloßen Wiederholungen begnügt hätten, bringt Sondheim mit leichter Hand melodische und harmonische Varianten an, die dennoch nicht zu komplex und überladen wirken – eine brillante Gratwanderung.

Neue Paraderolle für Robert Meyer

Diese setzt sich szenisch in der Frage fort, wie viel Chargieren, wie viel Überzeichnung man dem Publikum nicht bloß ungestraft unterjubeln kann, sondern sogar so, dass es darob selbst in Jubel ausbricht. Jeden Blödsinn kauft man zumindest Robert Meyer als Sklave Pseudolus ab, der alle Hebel in Bewegung setzt, um seine Freiheit zu erlangen und dabei tüchtig in diverse Bredouillen gerät, bevor sich sein Traum erfüllt. Eine neue Paraderolle für den Volksoperndirektor, der die Figur mit einem Anflug von Nestroy'schem Tiefsinn ausstattet – und zudem auch gesanglich, trotz einer vorübergehenden Schwäche im ersten Akt, höchst anständig und sicher agiert. Die sympathischste vokale Schützenhilfe erhält er dabei von Paul Schweinester, der als wimmernd−verliebtes Waschläppchen Hero (nomen non est omen) schlicht ideal besetzt ist. Daneben werden in der mit Mikroports ausgestatteten Besetzung musikalische Divergenzen offenbar, prallen im weitgehend guten Ensemble typischer, auch mal schnoddriger Musical−Tonfall (etwa von Boris Pfeifer als hyperaktiv trippelndem Hysterium) und opernhafte Anmutung (Florian Spiess ist als selbstverliebter Soldaten−Lackl Miles Gloriosus nur äußerlich optimal und hinkt darstellerisch den anderen hinterher) unvermittelt aufeinander.

Domina, Eunuchen und Puffmutter

Die Typen aber passen bei Dagmar Hellberg als hantiger Domina, Herbert Steinböck als Senex im Wunsch bleibenden zweiten Frühling, Bettina Mönch als lieblich−dummer Philia, Sigrid Hauser als über sechs Kurtisanen wachenden Puffmutter, Gernot Kranner als Nachbar und nicht zuletzt drei Herren (Oliver Liebl, Tom Schimon, Ronnie Veró Wagner), die im Laufschritt als Eunuchen, Soldaten oder unfallsweise beides über die Bühne wuseln.

Sobotkas Inszenierung unterstreicht die ironische Distanz zu allen Charakteren rund um Pseudolus, steigert nach der Pause die Hochtourigkeit des Geschehens in atemlosem Gerenne aller Charaktere bis zum Durchdrehen: eine Farce par excellence. Gerade bei Ausstattung (Kostüme: Elisabeth Gressel) und Nebenfiguren lässt sich die Produktion aber etwas zu viel vom Asterix−Universum inspirieren, welches ja auch den aktuellen deutschen Titel liefert, und bei ständig aktivierter Pointenschleuder kann halt nicht jede Wuchtel ins Tor treffen. Doch lässt sich das Publikum dieses Bombardement aus allen Rohren dankbar gefallen und reagiert zuletzt enthusiastisch: Schließlich wird es morgen, wie wir wissen, noch tragisch genug. (Die Presse)



DIESER "PSEUDOLUS" IST EIN TURBO


Wollen Sie lachen – ohne dafür in den Keller zu gehen? Dann kommen Sie in die Volksoper. Hausherr Robert Meyer präsentiert dort sich selbst – und unter dem Titel „Die spinnen, die Römer!“ Stephen Sondheims Musical „A Funny Thing Happened on the Way to the Forum“, einen Broadway−Hit von 1962. Schräg und turbulent! Er ist der Tausendsassa des kauzig−skurrilen Verwirrspiels à la römische Antike, für das die großen Komödienautoren Plautus und Terenz Pate gestanden haben: Robert Meyer! Er spielt in Werner Sobotkas frischfröhlich aufgemischter Inszenierung den Turbo: Er hält ein ganzes Ensemble in Schwung und auf Trab. Was ist doch Meyer für ein Sklave Pseudolus, der singt, tanzt, intrigiert und stets Spaß am Theater zeigt. ..in einem kauzigen Stück über Roms Strich, den Verkauf einer Jungfrau, ein dummes Liebespaar, vertrottelte Bürger unter der Fuchtel ihrer Domina und die Pfiffigkeit der Sklaven … In Friedrich Despalmes grell buntem Bühnenbild mit wackeligen Bürgerhäusern lässt Sobotka (Einrichtung für die Volksoper) keinen Witz, keine Pointe, keinen Klamauk aus, mit dem er das Ensemble in den Strudel der Story zieht. Pfiffige Choreografie: Ramesh Nair. Meyer und das Ensemble wurden mit Jubel gefeiert (nicht einmal Puristen buhten da). Frivol bis pampig und naiv die Damen: Bettina Mönch als saubere, hübsch singende Jungfrau−Kurtisane Philia mit Moralanwandlungen, Dagmar Hellberg als Domina und Sigrid Hauser als Puffmutti Lycus. Skurril bis debil die Herren: Herbert Steinböck als Bürger Senex, der so gern noch einmal Sex hätte, Paul Schweinester als sein dümmlich liebes Söhnchen Hero, der um Philia wirbt, Florian Spiess als selbstverliebter, eitel prahlender gepanzerter Feldherr Miles Gloriosus mit dunklen Orgeltönen, Gernot Kranner als verwirrter Erronius. Das Gegenstück zu Meyers „Pseudolus“ ist Boris Pfeifer als Hysterium, ein Sklave, dem die Haare zu Berge stehen und der sogar in (Travestie−)Wirrnisse schlittert. David Levi am Pult ist ein solider Musicalkenner und –könner. Sein Dirigat hat prickelnde Freude. Ein guter Einfall das Orchester zur Ouvertüre und zum Finale aus seiner Versenkung auf Bühnenhöhe fahren und musizieren zu lassen. (Die Kronen Zeitung)



„DIE SPINNEN, DIE RÖMER!“ IN DER WIENER VOLKSOPER


Der Samstag wurde in der Wiener Volksoper überaus kurzweilig mit der Premiere des Musicalklassikers "Die spinnen, die Römer!" von Broadway−Komponist Stephen Sondheim. Kurzweilig vor allem durch ein ausgesprochen hohes künstlerisches Niveau. Ein vergnügliches Verschmelzen von Gesang, Schauspiel, Tanz und mitreißender Komik – bis in die kleinsten Nebenrollen idealtypisch besetzt. Sondheim – der legendäre Texter von Leonard Bernsteins „West Side Story“ – hat ganz in der Tradition der goldenen Zeit der Broadway−Musials ein Singspiel gebaut, das 1962 seine "Opening Night" in New York feierte. Fast ein halbes Jahrhundert später traute sich endlich ein „großes“ Haus über das Werk, das regelmäßig in den mittleren und kleinen Kellertheatern zu Verkaufsrennern wurde. Die Volksoper traf eine kluge Entscheidung, keine neue Übersetzung anzufertigen, sondern die vorhandene des legendären Simpl−Chefs Martin Flossmann zu übernehmen. Die Volksoper suchte auch erfolgreich nach den passenden Darstellern. Denn so einfach das Sondheim−Stück auf den ersten Blick auch scheinen mag, so verlangt es dafür ein überdurchschnittliches Können aller Mitwirkenden: Dieses liefern der Chef des Hauses, Robert Meyer und die zahlreichen Gäste wie Sigrid Hauser, Herbert Steinböck, Dagmar Hellberg, Bettina Mönch, Boris Pfeifer und Paul Schweinester. Verantwortlich für die Inszenierung zeichnete Regisseur Werner Sobotka. Der Musicalspezialist weiß, welche Zutaten eine Komödie notwendig hat. Ramesh Nair choreographierte in bester Broadway−Tradition, witzreich und ohne übermäßige Herausforderung für Solisten und Ensemble – stets auf die Unterhaltung bedacht. (Kleine Zeitung)



SPINNENDE RÖMER, VIEL KLAMAUK UND TOLLE MUSIK

So, wie die Wiener Volksoper Stephen Sondheims erstes Erfolgsmusical „A Funny Thing Happened on the Way to the Forum“ – unter dem Titel „Die spinnen, die Römer!“ – bei der Premiere am Samstag auf die Bühne brachte, ist es ein ulkiger Abend voller Slapstick und trefflicher Komödie.


Den Inhalt wiederzugeben gelang auch der Volksoper nicht unter drei Seiten Länge im Programmheft, aber das ist vollkommen egal, denn die Geschichte um einen Sklaven, der sich freikaufen will und die Chance in der Eheanbahnung für seinen jungen Herrn sieht, führt in ein verrücktes Chaos von Verwechslungen und peinlich komischen Situationen, aus denen die Protagonisten meist nur noch überdrehter wieder herauskommen. Dieses antik angehauchte, aber mehr als nur amerikanische Lustspielchen ist von Werner Sobotka insofern perfekt in Szene gesetzt worden, als er behutsam das amerikanische Unterhaltungstheater auf Wiener Verhältnisse umgelegt hat, so wirklich treffende Pointen platzieren und damit sein Publikum ohne Durchhänger fast drei Stunden lang unterhalten konnte. Friedrich Despalmes hat ein an die Entstehungszeit des Werkes erinnerndes Bühnenbild geschaffen, das aber ebenso ideal das rasante Spiel förderte und mit Augenzwinkern witzige Details preisgab. Auch Elisabeth Gressels Kostüme taten das ihrige, um aus den Rollen richtige Typen zu machen. Der deutsch−indische Tänzer Ramesh Nair schuf für das großteils aus Schauspielern und Sängern bestehende Ensemble eine insofern beeindruckende Choreographie, als sie ein Maximum auch ohne professionelle Tänzer erzielte. Das Orchester stand unter der Leitung von David Levi, der schon vor knapp zwei Jahren mit „South Pacific“ begeisterte und der auch diesmal eine ungeheure Präzision bei gleichzeitiger Schmissigkeit und großem Elan erzielte. Aus dem insgesamt ausgezeichnet besetzten Ensemble stach natürlich Hausherr Robert Meyer heraus, der die Hauptrolle, den Sklaven Pseudolus, unnachahmlich genau und gerade deswegen urkomisch interpretierte. Hier war zu erkennen, wie perfekt das Timing sein muss, damit die Pointen wirklich sitzen und das hohe Tempo der ganzen Aufführung auch durchgehalten werden kann. Einfach nicht bloß komisch, sondern beste Komödiantik alter Schule und doch nicht verstaubt. Witzig auch Herbert Steinböck als senil lüsterner Hausherr Senex und passend dazu Dagmar Hellberg als schräges Eheweib namens Domina. Das schüchterne Liebespärchen Hero (Paul Schweinester) und Philia (Bettina Mönch) könnte in seiner geistigen Begrenztheit direkt aus einem Barbie−Film geflüchtet sein, passte aber so ideal zum Rollenbild. Insgesamt ein lustiges jugendfreies Spektakel, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

(Oberösterreichische Nachrichten)


KURZWEIL

Kurzweil vor allem durch ein ausgesprochen hohes künstlerisches Niveau. Ein vergnügliches Verschmelzen von Gesang, Schauspiel, Tanz und mitreißender Komik – bis in die kleinsten Nebenrollen idealtypisch besetzt.

(Wiener Zeitung online)

Termine

Besetzung