Spielplan

Freitag
17.05.2013

Der Wildschütz

Oper

Volksoper Wien

Freitag 17. Mai 2013
Beginn: 19:00 Uhr

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Dauer: 3 Stunden, Pausen: 1

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"Die Stimme der Natur" (so der Untertitel, den Albert Lortzing seiner Oper gegeben hat) treibt Graf und Gräfin Eberbach dazu, sich in ihre eigenen, als Landmeister und Stallmädchen kostümierten Geschwister zu verlieben. Mit dem neuen Untertitel "Ein unmoralisches Angebot" rückt Regisseur Dietrich W. Hilsdorf den Fokus von den Ausschweifungen der Aristokratie weg auf ein anderes Moment der Handlung: Der Schulmeister Baculus erwägt, seine Braut Gretchen an den Baron Kronthal zu verschachern - für "5.000 Taler". In der berühmten gleichnamigen Arie sieht sich Baculus schon als glücklicher "Kapitalist".

Bühnenbild und Kostüme aus einer Koproduktion des Theaters Chemnitz und des Theaters der Bundesstadt Bonn

Werkbeschreibung

Wir haben es hier gewissermaßen mit einer anderen "verkauften Braut" zu tun: Der tölpelhafte Schulmeister Baculus - verdächtigt, einen gräflichen Rehbock erschossen zu haben, der sich schließlich als sein eigener Esel entpuppt - ist nicht nur ein miserabler Jäger, sondern auch ein unzuverlässiger Bräutigam. "Der Wildschütz" zählt neben "Zar und Zimmermann" zu den beliebtesten Schöpfungen des Dichterkomponisten, Sängerschauspielers und Dirigenten Albert Lortzing. Als Vorlage für diese musikalische Komödie benutzte er August von Kotzebues Stück "Der Rehbock oder Die schuldlosen Schuldbewussten", das das Publikum bei seiner Uraufführung1815 gleichermaßen angezogen wie abgestoßen und einen Berliner Rezensenten zu der abfälligen Bezeichnung "Wollustspiel" veranlasst hatte. Die Uraufführung des "Wildschütz" fand am Silvesterabend 1842 in Leipzig mit Lortzing selbst in der Rolle des Baculus statt. Ermanno Wolf-Ferrari urteilte über den älteren Komponistenkollegen: "Lortzing kann wie sonst kaum ein Tondichter belehren, dass die 'Musik' nicht aus Tönen besteht, sondern sich nur durch Töne offenbart. Weder melodisch, noch harmonisch, noch instrumental usw. ist aus irgendeinem Takt Lortzingscher Töne zu ersehen: Das ist Lortzing und kann kein anderer sein." Aber eine ganze Oper von Lortzing kann nur von ihm sein. Er antichambriert noch immer vor dem Kunsthistoriker Parnass. Aber die Naiven haben ihn umso mehr geliebt und lieben ihn noch. Und nur Liebe kann der Kunst Lohn sein, nicht kalte intellektuelle Registrierung seitens der ewigen Beckmesser."

Pressestimmen

MITTEN INS SCHWARZE GETROFFEN
(Kurier)

Mit Albert Lortzings "Der Wildschütz" hat die Wiener Volksoper wieder einen Hit im Repertoire.
Das richtige Werk im richtigen Haus in einer idealen Besetzung und in einer sehr brauchbaren Inszenierung – auf diesen Nenner lässt sich die Premiere von Albert Lortzings „Der Wildschütz“ im Haus am Gürtel bringen. Kaum zu glauben, dass Lortzings 1842 uraufgeführte komische Oper seit 1986 nicht mehr an der Volksoper zu sehen war. Dieses Stück rund um den Schulmeister Baculus, der seine (viel jüngere) Braut um 5000 Taler nur allzu bereitwillig an einen reichen Aristokraten verhökern will, passt perfekt in die Volksoper, lässt das Publikum zu Recht ausgiebig lachen und jubeln.
Worum geht es? Besagter Baculus – ein grässlicher, obrigkeitshöriger, dabei dennoch liebenswerter Pedant – hat einen veritablen Bock geschossen. Ein Tier des auch bei der Jagd nach Frauen äußerst umtriebigen Grafen von Eberbach musste dank Baculus’ mäßiger Schussfähigkeit sein Leben lassen. Amouröse Irrungen
So scheint es anfangs zumindest. Dies bedeutet jedoch die Entlassung aus dem Schuldienst (die verhindert werden soll) sowie jede Menge amouröser Irrungen und Wirrungen. Am Ende sind die „richtigen Paare“ mehr oder minder glücklich, und Baculus behält Frau und Job.
Gekonnt hat Lortzing (als sein eigener Librettist) ein Lustspiel August von Kotzebues vertont, die Zeit des politischen Vormärz karikiert, dem selbstgefälligen Adel einen Spiegel vorgehalten und die Spießigkeit der „kleinen Leute“ enttarnt.
Gleiches gelingt auch Regisseur Dietrich W. Hilsdorf, der in dieser Koproduktion mit den Theatern Chemnitz und Bonn vor allem die Bühne (Dieter Richter) mit allerlei (mitunter zu vielen) Aktivitäten füllt. Vom Dorfgasthaus bis zum gräflichen Palast – es ist immer was los. Echte Hunde, Kinder, ein falscher Hase und diverse historische Zitate, ja, selbst Nestroy ist irgendwie präsent.
Das Ganze funktioniert recht gut; vor allem in musikalischer Hinsicht. Denn mit Lars Woldt hat die Volksoper einen Baculus von Weltklasseformat. Der Bassist singt und spielt hinreißend, ist somit das logische Zentrum der Aufführung. Ein großartiger Sänger und Darsteller, der alle Register seines hohen (gefeierten) Könnens zieht.
Ebenso erfreulich: Mirko Roschkowski als liebestoller Baron Kronthal, der dem Schulmeister das „unmoralische Angebot“ der 5000 Taler unterbreitet. Der Tenor verfügt über Strahlkraft und Höhe. Ähnlich intensiv: Anja−Nina Bahrmann als Schwester des Grafen, der von Daniel Ochoa gut verkörpert wird.
Dazu kommen noch Alexandra Kloose als Gräfin, Elisabeth Schwarz als des Schulmeisters Frau, Gernot Kranner als Haushofmeister und Christina Sidak als Zofe.
Sie alle werden von Dirigent Alfred Eschwé am Pult des guten Orchesters (solide auch der Chor) nahezu perfekt unterstützt.
KURIER−Wertung: **** von *****



WAIDMANNSHEIL MIT LORTZING
(Kronen Zeitung)

Lortzing galt als „deutscher Rossini“ und war nicht minder genial als der „Schwan von Pesaro“. Das Publikum liebt seine zündenden Melodien, die sogar zu Herzen gehen. Auch jetzt in der Volksoper! Umso unverständlicher, das sein „Wildschütz“ an fast allen Opernbühnen zur Rarität geworden ist.
Dem „Wildschütz“ kann man nach dieser Neuproduktion jetzt mehr Aufmerksamkeit wünschen als bisher. Neben Lortzings populärer Oper „Zar und Zimmermann“ kann er nämlich bestehen. Regisseur Dietrich W. Hilsdorf bringt in seiner Inszenierung den Charme dieses Stückes aus unbeschwertem Frohsinn und Lebensfreude mit lebendiger Bühnenpräsenz der Protagonisten und mit Humor auf die Bühne (Dieter Richter). Die Darsteller in Opern Lortzings müssen neben schönen Stimmen auch lebendige Darstellung der Rollen bieten: die zahllosen kompositorischen Einfälle fordern das Ensemble, Kindlich−Naives mit Elegant−Geschliffenem und Rustikalem zu verbinden. Das Ensemble der Volksoper bewältigt die Aufgaben stimmlich sehr solide und voll Spielfreude, Fröhlichkeit und Charme. Elisabeth Schwarz zeigt, wie sie die Roll der „Landpomeranze“ Gretchen mit schönem Sopran aufblühen lässt, Alexandra Kloose ist die aufgedonnert kapriziöse Gräfin. Anja−Nina Bahrmann die quirlig herzhafte Baronin, Mirko Roschkowski ein leidenschaftlicher Tenor−Baron, Daniel Ochoa ein stimmlich etwas steifer Graf, Christina Sidak eine burschikose Nanette. Im Mittelpunkt steht der hinterhältig raffgierige Schulmeister Baculus: Lars Woldt begeistert mit noblem Bass. Besonders, wenn’s um „5000 Taler“ geht!
Das Volksopernorchester unter Alfred Eschwé […] frisch, spritzig und temperamentvoll. Wenn man Klangqualität und Lustspielleichtigkeit triff, ist der „Wildschütz“ fürs Publikum ein Hit. Waidmannsdank für den „Wildschütz“!


KOMÖDIENSCHLOSS DER EHEGESCHÄFTE
(Der Standard)

Premiere von Albert Lortzings Stück an der Wiener Volksoper: Regisseur Dietrich W. Hilsdorf inszeniert solide zwischen Ernst und Komik.

Erheiternd ist der Wildschütz an der Oberfläche, in seinen Tiefenschichten allerdings gefriert das Lachen: Abhängigkeitsverhältnisse, ausbeuterische Adelige und ein aggressiver Bräutigam − bereit, seine frisch Angetraute für 5000 Gulden zu verscherbeln. Schwer ist das Stück zu fassen: Legt man nur die Komödie offen, wird man seinen sozialbissigen Charakter nicht fassen. Betont man die Gesellschaftsanalyse, wirkt das Humorige bald völlig deplatziert. Regisseur Dietrich W. Hilsdorf sucht an der Wiener Volksoper einen Mittelweg. […]Schulmeister Baculus ist ein autoritärer Grobian, der zusehen muss, wie seine Gattin schon beim Hochzeitsfest zärtlich nach jüngeren Herren greift. Auch drückt ihn noch ein anderer Problemschuh: Er hat im Revier des Grafen gewildert, was eine Amtsenthebung gewärtigen lässt. Erst am Schluss wird evident, dass Baculus (Lars Woldt trägt die Aufführung mit vokaler Präsenz und düsterer Ausstrahlung) seinen eigenen Esel erlegt hat und keinesfalls den gräflichen Rehbock. Bis es so weit ist, wird Baculus seinem Gretchen indes aus Eifersucht drohen, sie auf den Müll zu werfen. Auch wird Graf von Eberbach (solide als Mix aus Figaro−Graf und Don Giovanni: Daniel Ochoa) allen (inklusive seiner Schwester) nachstellen. Und selbst der nach dauerhafter Bindung dürstende Baron Kronthal ([…] ein angenehmes Timbre: Mirko Roschkowski) muss sich in die Gräfin vergucken, bis er schließlich bei Baronin Freimann, der Schwester des Grafen (tadellos Anja−Nina Bahrmann), landet. Räumlich hat Hilsdorf für diese Geschichte auf Enge gesetzt: Im ersten Akt ist es ein Klassenzimmer (Bühnenbild: Dieter Richter), […] später wechselt man auf das geräumigere Schloss Eberbach, wo die Gräfin (gediegen Alexandra Kloose) ihre Umwelt mit Lesungen quält. Und da bei Hilsdorf die Revolution von 1848 und soziale Umbrüche schon im Anrollen sind, spricht sogar aus der Gräfin das Kommunistische Manifest, fallen zu Vorstellungsende schließlich auch Flugblätter in den Zuschauerraum ("Das Leben der Reichen ist ein langer Sonntag").



EINE PRODUKTION DER SUPERLATIVE, DIE ALLE ERWARTUNGEN ÜBERTRAF
(Der Neue Merker, Online; Manuela Miebach)

Eine ausgezeichnete Regieführung von Dietrich W.Hilsdorf, der für seine Inszenierung der Händel Oper „Jephtha“ mit dem deutschen Theaterpreis DER FAUST in der Kategorie „Beste Regie Musiktheater“ nominiert wurde. Mit seiner Regiearbeit für „Der Wildschütz“ gebührt ihm ebenso größtes Lob, da in dieser Inszenierung Bühnenbild (Dieter Richter), Kostüme (Renate Schmitzer) Choreinstudierung (Thomas Böttcher) mit der Personenführung der einzelnen Solisten im harmonischen und unterhaltsamen Einklang standen. Besonderes Augenmerk galt den zwei männlichen Hauptsolisten an diesem Abend, Lars Woldt als Schulmeister Baculus und Mirko Roschkowski in der Rolle des Barons Kronthal. Auch die Damenriege (Alexandra Kloose, Elisabeth Schwarz, Anja−Nina Bahrmann) überzeugten darstellerisch, wie auch gesanglich. Musikalische Höhepunkte unter dem Dirigat von Alfred Eschwé taten ihr Weiteres, dass diese Spieloper von Albert Lortzing an diesem Premierenabend zu einem unvergesslichen und unterhaltsamen Volksopernbesuch wurde.
Viel Applaus für eine auf höchstem Niveau gestaltete Inszenierung und für die Spitzenleistungen einiger Protagonisten.

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