Spielplan

Donnerstag
30.05.2013

Wagners RING an einem Abend

Oper

Volksoper Wien

Donnerstag 30. Mai 2013
Beginn: 18:00 Uhr

weitere Termine
Dauer: 3 Stunden 15 Minuten, Pausen: 1

in Kalender eintragen (.ics)

Der Spiegel würdigte den im Sommer 2011 verstorbenen Humoristen Loriot als "größten deutschen Künstler der Gegenwart". Das bedeutendste Werk des größten deutschen Opernkomponisten, die "Ring"-Tetralogie Richard Wagners, hat Loriot mit Zwischentexten versehen und zu einem Konzertabend zusammengeschmolzen. 1993 und 1994 trug Loriot den "RING an einem Abend" an der Volksoper selbst vor; nun schlüpft (wie schon bei der erfolgreichen "Candide"-Adaptation desselben Autors) Robert Meyer in die Rolle des Erzählers und wird damit dem Bayreuther Meister zum 200. Geburtstag im Mai 2013 humorvolle Reverenz erweisen.

Werkbeschreibung

Der TV-Humorist und Buchautor, Zeichner und Filmemacher Vicco von Bülow alias Loriot hatte auch ein inniges Verhältnis zur Musik. So arbeitete er mehrfach als Opernregisseur und legte mit seinen Konzertfassungen von Leonard Bernsteins "Candide" (die im Jänner 2013 an die Volksoper zurückkehren wird) und eben Wagners "Ring des Nibelungen" überaus originelle und erfolgreiche Bearbeitungen vor.
Für den Hausherren Robert Meyer ist es die erste humorvolle Hommage zum Wagner-Jubiläum; die zweite folgt mit der Wiederaufnahme seines "Tannhäuser in 80 Minuten" im Juni 2013. Die Volksoper kann (auch abgesehen vom Erzähler) die "Ring"-Kurzfassung überwiegend aus dem eigenen Ensemble besetzen. So treten u. a. Sebastian Holecek als Wotan und Wanderer, Jörg Schneider als Loge, Martin Winkler als Alberich (eine Rolle, die er demnächst bei den Bayreuther Festspielen zur Gänze verkörpern wird), Alexandra Kloose als Fricka und Caroline Melzer als Sieglinde auf. Mit Irmgard Vilsmaier (sie war zuletzt die Herodias der neuen Volksopern-"Salome") als Brünnhilde und Endrik Wottrich als Siegmund und Siegfried (er hat als Bacchus an unserem Hause debütiert) kehren auch gern gesehene Gäste zurück. Am Pult debütiert der Dortmunder Generalmusikdirektor und Gastdirigent des BBC National Orchestra Wales, Jac van Steen.

Pressestimmen

EIN WAGNER-EREIGNIS!

Wem Richard Wagners Bühnenfestspiel „Der Ring des Nibelungen“ bisher fremd war, dem könnte die Fassung für Erzähler, Sänger und Orchester von Loriot (1923 bis 2011) die Pforten zu neuen Welten öffnen. Und für eingefleischte Wagnerianer rückt der Grüne Hügel ganz nah an die Donau, nämlich in die Wiener Volksoper.

Wagner – kurzweilig? Wer das nicht glaubt, der sollte sich Loriots „Ring an einem Abend“ gönnen. Eine solche Veranstaltung verlangt eine eiserne Konstitution. „Ich bewundere Ihre Entschlossenheit!“ Mit diesen Worten beginnt Loriots Meisterwerk durch das wohl gewaltigste Musikdrama der westlichen Welt. Statt in vier Etappen eines Sechzehnstunden-Welt-theater-Marathons ist hier in weniger als vier Stunden alles zu erfahren, was man über den Raub des Rheingoldes, die unheilvolle Macht des Rings, über Geschwisterlieber, Väter und Töchter, kräftige Naturburschen und den drohenden Weltuntergang wissen muss. Und auch Richard Wagners Musik kommt vom Rheintöchter-Trio bis Brünnhildes Schlussgesang zu ihrem Recht. Sebastian Holecek (Wotan/Wanderer), Jeffrey Treganza (Loge), Martin Winkler (Alberich), Alexandra Kloose (Fricke/Roßweiße), Kristiane Kaiser (Woglinde), Endrick Wottrich (Siegmund/Siegfried), Caroline Melzer (Sieglinde), Irmgard Vilsmaier (Brünnhilde) und viele andere sorgen gemeinsam mit Jac van Steen am Dirigentenpult des gut aufspielenden Orchesters der Volksoper, dass Loriots augenzwinkerndes „Ring“-Komprimat zu einer Exklusiv-Veranstaltung wird. Ein musikalischer Glanzpunkt, den Volksopernchef Robert Meyer mit den launisch-geistreichen Loriot-Kommentaren zum „Ring des Nibelungen“ begleitet.

Sehenswert!

(Kronen Zeitung)



WENN WAGNERS WALHALL-WELTEN WITZIG-WÜRDEVOLL WEITERWIRKEN

Darf man über Richard Wagner auch lachen? Ja, befand der große Humorist und Kabarettist Loriot. Und flugs, da war er: „Wagners Ring an einem Abend“. Soll heißen: Wagners gigantische Tetralogie um ein paar Stunden gekürzt, dafür mit herrlichen Zwischentexten gewürzt. Ein Renner, den Loriot als Erzähler 1993 noch selbst an der Wiener Volksoper präsentierte, den das Haus am Gürtel zu Wagners 200. Geburtstag wieder ausgegraben hat. Direktor Robert Meyer übernahm die Rolle des 2011 verstorbenen Loriot und servierte bei der Premiere alle Pointen überaus trocken und mit merklicher Freude. Denn irgendwie wussten wir es ja schon immer: Geld verdirbt den Charakter, bei Ehebruch hängt auch in Walhalls Hallen der Haussegen schief und Götter sind eigentlich auch sehr menschlich. All das erfährt man, und viel Musik (aber nicht immer die populärsten Hits) aus dem „Ring“ gibt es auch. Dass die Volksoper „ihren“ Wagner auch in dieser Hinsicht gut bewältigt, ist erfreulich. Denn Dirigent Jac van Steen und das sehr gute Orchester bringen Wagners Ringwelten meist souverän zum Klingen; viele, oft sehr schöne Einzelleistungen werden bei den auf der Bühne platzierten Musikern hörbar. Auch einige der Sänger machen die „Ring“-Kurzfassung zu einem recht kurzweiligen […] Vergnügen. An der Spitze: Sebastian Holecek als profunder, kultiviert singender Wotan/Wanderer, der diese Partie wohl auch in jeder Langversion mühelos meistern würde. Dazu kommen Irmgard Vilsmaier als wackere Brünnhilde und (als Gast) der Tenor Endrik Wottrich, der Siegmund und Siegfried klug zu gestalten weiß. In den vielen kleineren Partien fallen vor allem Caroline Melzer, Martin Winkler und Karl-Michael Ebner positiv auf. Jubel.

(Kurier)



WAGNERWUCHT MIT STOPPS ZUM SCHMUNZELN

Ein Entkommen gibt es nicht, schon gar nicht für Veranstalter: Ein jedes Opernhaus, so scheint’s, steht im 200. Geburtsjahr des Richard Wagner unter Würdigungspflicht - auch wenn es kein Werk des Jubilars aus dem Repertoire-Ärmel schütteln kann. Klug, dass die Wiener Volksoper gar nicht erst versucht, an die zuletzt brillante Leistungsschau der Staatsoper anzuschließen. Stattdessen bedient man sich eines erprobten Ausweichmanövers. Schon vor 20 Jahre lockte das Haus mit dem vermutlich kürzesten Opern-Vierteiler der Welt, nämlich "Wagners Ring an einem Abend", konzipiert und moderiert von Loriot. Der noble Meister der trockenen Satire hatte den "Ring des Nibelungen" auf dessen Schlüsselstellen verkürzt und die konzertante Darbietung mit eigenen Zwischentexten durchwoben. Statt des 2011 verstorbenen Loriots moderiert heute Robert Meyer. Burgtheaterklar in der Aussprache, hinterfotzig im Tonfall: Der Publikumsliebling und Hausherr entfacht damit nicht zuletzt ätzende Wirkung. "Wenn die Rheintöchter, sagen wir mal . . . etwas entgegenkommender gewesen wären, hätte man sich drei weitere aufwendige Opern sparen können", heißt es über Alberichs Unterwasser-Avancen zu Beginn. Da lacht der Connaisseur? Nicht nur. Die Pointen sind oft alltagsnah genug, um nicht nur das kultivierte Gekuder von betont informierten Gästen heraufzubeschwören.

Ein Walküren-Sopran wie eine Flutlichtanlage

Vor allem aber lebt der Abend vom Kontrast der feinen Humorklinge mit der rollenden Wagnerwucht. Und auf solche Energien versteht sich Dirigent Jac van Steen: […] im musikalischen Stop-and-Go-Betrieb entsteht immer wieder rauschende Intensität. Und die Sänger? Wer in Rechnung stellt, dass die Volksoper schon wegen ihres leichten Repertoires kein Wagner-Kompetenzzentrum sein kann, wird zumindest nicht klagen. Beizeiten imposant: Die immer noch brennenden Heldentöne von Bayreuth-Veteran Endrik Wottrich, auch der satte Alberich-Klang von Martin Winkler (heuer übrigens Bayreuth-Debütant). Daneben prunkt Sebastian Holecek (Wotan) mit Power […]. Das Faszinosum des Abends aber: Irmgard Vilsmaier. Bereits ihr Mezzoforte, klangvoll strömend, erinnert an die Wirkungsmacht einer Flutlichtanlage. Nur im Ausnahmefall forcierend, erreicht diese Brünnhilde Extremwerte der Intensität. Ein Glück, dass Wagners Schlusswort dieser Walküre anvertraut ist: Auf die "Starken Scheite" folgte ebensolcher Applaus.

(Wiener Zeitung)



"WAGNERS RING AN EINEM ABEND" MIT TEXTEN VON LORIOT AN DER WIENER VOLKSOPER

So wie den vernunftbegabten Menschen der Handlungsgang von Wagners Ring des Nibelungen befremdet, so ängstigt ihn dessen Dimension. Um es mit Nietzsche zu sagen: "Diese Schrecken einflößende Länge in Zuständen, wo der Augenblick schon erwürgen will!" Wie dem begegnen? Mit Kürzungen, mit Komik. Loriot hat sich der herkulischen Aufgabe gestellt, Wagners Ring an einem Abend auf die Opernbühne zu bringen. Und siehe da: Striche und das gestrichene Geschehen erläuternde Zwischentexte machen die größte Tragödie aller Opernzeiten zur federleichten Komödie. Vor zwei Jahrzehnten hat der Miniaturist seinen Wagner-Streich an der Volksoper persönlich präsentiert, nun übernahm Robert Meyer dessen Part. Dem feinen Tonfall Herrn von Bülows lässt der Hausherr einen verwechselbareren Sprachduktus folgen, erzählend etwa, wie sich Siegfried in der Götterdämmerung mit Schwert, Tarnkappe "und einer Unzahl von Leitmotiven" auf Wanderschaft begibt und einen Wald durchstreift, "falls das ein zeitgenössischer Bühnenbildner zulässt". Zwischen den Zwischentexten gibt's Musik, Teile des Volksopernensembles singen befrackt und beabendkleidet sowie ein wenig dazu engagierte Künstlerschaft: die durchsetzungskräftige Irmgard Vilsmaier (als Brünnhilde), der sanft strahlkräftige Endrik Wottrich (als ihr Neffe Siegfried). Das männliche Hauspersonal setzt mehrheitlich auf demonstrativen Kraftgesang (Sebastian Holecek als Wotan, Martin Winkler als Alberich, Alexander Trauner als Gunther), das weibliche (Caroline Melzer, Ursula Pfitzner) weiß sich wie im echten Leben eleganter, vielschichtiger, gewinnender zu präsentieren. […] Beglückter Applaus.

(Der Standard)



EIN HEITERER ABEND FÜR WAGNERIANER - UND SOGAR JENE, DIE DAS NIE WERDEN WOLLTEN

„Gekürzt, nur gekürzt!“ In Schnitzlers „Weitem Land“ kommt das Gespräch auf Umfragen zum Thema, ob Wagner-Opern komplett oder nicht aufgeführt werden sollen; in Ernst Lothars legendärer Inszenierung hat Adrienne Gessner als Frau Wahl mit dem zitierten Satz, der in unerschütterlichem Brustton jeglichen Widerspruch als pure Narretei abtut, die Lacher auf ihrer Seite. In der Tat war das vor hundert Jahren noch einen Disput wert, hatte doch erst kurz zuvor Gustav Mahler mit den teils rigorosen Strichen aufgeräumt, die an der Wiener Hofoper üblich gewesen waren (und die Mahlers Nachfolger Weingartner prompt wieder einführte). Was er am meisten verabscheue, wollte die „FAZ“ 70 Jahre später im Rahmen des berühmten Proust-Fragebogens von Loriot wissen. „Gekürzte Wagner-Opern“, lautete die Auskunft des begeisterten Musikfreundes und Bayreuth-Pilgers, der sich so als Wagnerianer voller Selbstironie erwies. Dennoch hat gerade Loriot den „Ring an einem Abend“ ermöglicht – und damit Striche im Ausmaß von rund zwölf Stunden gutgeheißen, die freilich auch das Volksopernpublikum dankbar goutiert. Am Beginn des dritten Jahrhunderts nach Wagner gibt man nämlich im Haus am Gürtel wieder jene „Digest“-Fassung der Tetralogie, die bereits 1993 und 1994 hier zu erleben war, damals noch mit Loriot persönlich als Erzähler. Nun schlüpft, wie schon wiederholt bei Bernsteins „Candide“, der Hausherr Robert Meyer in die dankbare Rolle des Opernführers und geleitet die Hörer durch Ernst Märzendorfers schlüssige, teils auch innerhalb der gewählten Teile geschickt verknappte Auswahl zentraler Szenen aus dem „Ring“. Zwar können dreieinhalb Stunden Wagner-Happen länger wirken als fünf Stunden komplett, doch boten das nicht durchwegs ausgeglichene Volksopernensemble nebst Staraufputz sowie ein im Lauf des Abends an Sicherheit gewinnendes Orchester unter Jac van Steen einen soliden Abend […]. Da legte sich Sebastian Holecek […] voll ins Zeug und lieferte einen imposant tönenden Wotan, dem im glutvoll-dämonischen Alberich von Martin Winkler ein scharf charakterisierender Gegenspieler zuwuchs. Unfrei, aber belastbar heldisch Endrik Wottrich (Siegmund und Siegfried), […] vor allem in der Mittellage gebieterisch die Brünnhilde der Irmgard Vilsmaier. Das Beste aber blieben Loriots verbindende Texte, in denen dieser Meister der hellsichtig-geschliffenen Pointe nicht nur seinen typischen Witz zeigt, sondern auch viel Verständnis für die tief menschlichen Regungen von Göttern, Riesen, Helden und Zwergen im Streben nach Macht und Liebe. Großer, zuletzt leicht erschöpfter Jubel.

(Die Presse)

Termine

Besetzung