Spielplan

Montag
24.09.2012

Salome

Oper

Volksoper Wien

Montag 24. September 2012
Beginn: 20:00 Uhr

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Dauer: 1 Stunden 45 Minuten, Pausen: 0

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Die "Vorführung einer perversen Sinnlichkeit, wie sie in der Figur der Salome verkörpert ist", wirkt "sittlich verletzend". Mit diesem Urteil fegte der Hofzensor Gustav Mahlers Ansuchen, die Oper von Richard Strauss zu produzieren, vom Tisch. Der wurde Weg frei für andere Wiener Bühnen, das 1905 in Dresden uraufgeführte Werk zu präsentieren. Nach einem Breslauer Gastspiel 1907 im Volkstheater war es die Volksoper, welche die erste Wiener Neuproduktion der "Salome" im Dezember 1910 beherbergte. Nun spielt unser Haus das Werk wieder, in einer Koproduktion mit der Opéra de Monte-Carlo und der Opéra Royal de Wallonie.

Mit deutschen Übertiteln

Werkbeschreibung

Der Einakter über die Prinzessin von Judäa verschaffte Richard Strauss schlagartig Weltgeltung als Opernkomponist. Er selbst nannte sein bahnbrechendes Werk "ein Scherzo mit tödlichem Ausgang". Eine Orientoper, die wirklich "östliches Kolorit und glühende Sonne" aufzuweisen hat, reizte Strauss schon seit längerem. Doch statt sich eines Libretto-Entwurf des Dichters Anton Lindner zu bedienen, komponierte Strauss nach einem Vorstellungsbesuch in Max Reinhardts "Kleinem Theater" in Berlin 1903 Wildes Theaterstück vom Blatt, wobei er selbst die nötigen Einrichtungen und Kürzungen vornahm. Das Drama wurde durch die Raffung, vor allem aber durch die Vertonung noch verschärft: die blutjunge Prinzessin begehrt den eingekerkerten Propheten Jochanaan; als er sich verweigert, ertanzt sich Salome von ihrem Stiefvater Herodes den Kopf Jochanaans und küsst diesen - Herodes lässt das Mädchen umbringen. "Der Wunsch nach schärfster Personencharakteristik" führte Strauss an die Grenzen der traditionellen Harmonik. Er ahnte wohl, dass er konservative Zeitgenossen überfordern würde; als er Proben des neuen Werkes auf dem Klavier vorspielte, rief sein Vater aus: "Gott, diese nervöse Musik! Das ist ja gerade, als wenn einem lauter Maikäfer in der Hose herumkrabbelten!" Cosima Wagner meinte: "Das ist der Wahnsinn!" Auch die Sänger zeigten sich anfangs unfähig oder unwillig, der "Salome" gerecht zu werden. Doch unter der Leitung des Dirigenten Ernst von Schuch errang das Werk bei seiner Uraufführung in Dresden am 9. Dezember 1905 einen bedeutenden Publikumserfolg, dem mehrheitlich Zeitungsverrisse gegenüberstanden. Innerhalb von zwei Jahren erschien "Salome" auf fünfzig Bühnen, während sie mancherorts mit Zensurschwierigkeiten zu kämpfen hatte: Kaiser Wilhelms II. Bedenken wurden erst beruhigt, als man ihm versprach, bei der Berliner Premiere würde am Schluss der Stern von Betlehem sichtbar werden; in New York und London war die Oper vorübergehend verboten; an der Wiener Hofoper bemühte sich Direktor Gustav Mahler vergeblich um die Erlaubnis zur Erstaufführung, die erst 1918 stattfand, sieben Jahre nach der Volksopern-Aufführung. (Im April 1911 gab Richard Strauss übrigens als "Salome"-Dirigent sein Volksoperndebüt.) Spätestens dann hatte sich das Stück als eines der aufregendsten Meisterwerke der Opernliteratur überhaupt durchgesetzt.

Pressestimmen

"Immerhin war, von einem Gastspiel im Volkstheater abgesehen, die Volksoper jenes Haus, an dem „Salome“ in Wien erstmals herausgekommen ist. Aber 2011? Muss die Volksoper da unbedingt „Salome“ spielen? Müssen nicht. Doch – und das ist die positive Erkenntnis nach der Premiere – sie kann es." (KURIER)

"Die Volksoper zeigt jetzt eine Inszenierung, die einen anderen, spezifisch weiblichen Blick auf das Geschehen wirft. Die deutsch−französische Regisseurin Marguerite Borie verzichtet auf eine örtliche oder zeitliche Festlegung und die im Text erwähnten Requisiten, bevorzugt bis hin zum abgeschlagenen Haupt des Jochanaan Stilisierungen." (Kleine Zeitung)

„"Salome“ ist eine echte Herausforderung an das Haus am Währinger Gürtel, die in fast allen Partien mit Ensemblemitgliedern bestritten werden kann." (Ö1, Kultur aktuell)

…"...dass wir eine Inszenierung erlebten, die für unseren Geschmack einfach perfekt ist. Bezüglich der Gesangssolisten muss man der Volksoper ein ganz großes Kompliment machen. Viel Zustimmung hat es am Premierenabend für die Sänger und überwiegend wohlwollende Anerkennung für das leitende Team gegeben." (Der Neue Merker)

"Mit gemischten Gefühlen ging man in die Premiere und wurde angenehm überrascht. Auch musikalisch hatte der Abend viel zu bieten. Roland Böer bewog das Volksopernorchester zu einem beachtlichen Spiel. Selbst die Nebenrollen waren gut besetzt, allen voran Martina Mikelic als stimmgewaltige(r) Page der Herodias. Fein auch die beiden Nazarener (Stefan Cerny und Anton Graner), Jörg Schneider war ein ordentlich schmachtender Narraboth. Damit hat die Volksoper Wien eine ansehnliche „Salome“ auf die Beine gestellt." (OÖ Nachrichten)

"Annemarie Kremer ist imposant als übersensibles, sich aus der Wirklichkeit verabschiedendes Geschöpf." (Der Standard)

"An der Wiener Volksoper war gestern Abend Premiere von „Salome“ von Richard Strauss. Die Oper aus dem Jahr 1905 war übrigens kurz nach ihrer Entstehung in London und New York vorübergehend sogar verboten, weil Musik und Szenerie für die Zeitgenossen zu drastisch waren. Heute ist das Werk ein Klassiker, bejubelt gestern an der Volksoper. Jede Menge Applaus für das gesamte Ensemble rund um Hauptdarstellerin Annemarie Kremer und Regisseurin Marguerite Borie. Auf einer fast leeren Bühne erzählen sie das wohl schrillste Liebesdrama aller Zeiten. Es endet mit Salomes Bitte um den Kopf des Propheten Jochanaan. Salomes Schleiertanz bleibt züchtig, Jochanaans abgetrennter Kopf in Mullbinden verpackt. Und auch sonst verzichtet die Produktion auf jeden vordergründigen Effekt. An der Volksoper wird die Richard Strauss Oper zum Seelendrama, das ganz von der Leistung der Darsteller lebt.
„Diese Aufführung ist lebendig, sie ist packend und geht zu Herzen. Das liegt vor allem an der charismatischen Hauptdarstellerin Annemarie Kremer, ein wahres Energiebündel, die mit ihrer ausdrucksstarken Stimme das Publikum tief in diese ebenso abstoßende wie faszinierende Liebesgeschichte hineinzieht. Auch wenn das Orchester etwas schwerfällig ist und die eine oder andere Szene noch hakt, der Volksoper ist eine eindrückliche Aufführung der Salome gelungen."
(Zeit im Bild, ORF, Peter Schneeberger)

"Sebastian Holecek überzeugt als Jochanaan mit dunkel orgelnder Stimme und missionarischem Eifer. Jörg Schneider singt den Narraboth, der seinen Freitod aus Liebe zu Salome glaubhaft gestaltet. Martina Mikelic ist ein solider Page. Verlässlich das Juden−Quintett, die beiden Nazarener, Soldaten und der Cappadocier." (Kronen Zeitung)

" ...verkörpert Annemarie Kremer alle Sprunghaftigkeit der Protagonistin mit katzenartiger Geschmeidigkeit und stimmlicher Präsenz. (...) Ebenso wie diese hinter die Oberfläche des Stücks blickende Deutung war die Produktion auch musikalisch bis hin zu den kleineren Partien einschließlich des Pagen (Martina Mikelic) oder des Narraboth (Jörg Schneider) mehr als respektabel."
(Neue Zürcher Zeitung)

"Annemarie Kremer debütierte als „Salome“ in der Volksoper mit energischer Intensität nicht als Männerfantasie, sondern als verzogene Prinzessin und zierliche Power−Frau, die dem Hofleben entkommen will. […] Dieser erste Opernwurf zwischen Erotik und Dekadenz von Richard Strauss, 1910 in Wien uraufgeführt, macht mit allem sehenswerte Figur. In der „reduzierten“, dennoch höllisch schweren Orchesterfassung toll gespielt, ist die Oper immer noch sehr hörenswert."
(Der Falter)

"Die Inszenierung der Marguerite Borie an der Volksoper ist moderne wie notwendige Zäsur mit überholten „Mann herrscht, Frau tanzt oder intrigiert“ zelebrierenden Salome−Inszenierungen. (...) Mit dieser Salome besitzt die Volksoper ein starkes, modernes Repertoirestück. Das Publikum feierte die (...) die klischeebrechende – Salome−Premiere ungewöhnliche lange und lautstark. Das großartige Sängerensemble, allen voran Sebastian Holecek, räumte überwiegend ab."
(IOCO, Kultur im Netz)

"Packend, wie Annemarie Kremer nicht nur diese Szene gestaltet, sondern den Abend über die anspruchsvollen gestischen wie vokalen Anforderungen der Titelpartie erfüllt. Noch dazu in einer Umgebung, die kaum Wünsche offenlässt. Denn Wolfgang Ablinger−Sperrhacke gab einen wortdeutlich deklamierenden, schließlich seine Machtlosigkeit einbekennenden Herodes, Irmgard Vilsmaier eine bewusst im Hintergrund bleibende Herodias. Jörg Schneider war ein souveräner Narraboth, Sebastian Holecek ein untadeliger Jochanaan, Martina Mikelic ein vorzüglicher Page. Ideal fügten sich in dieses Ensemble die Darsteller der Juden, der Nazarener, der beiden Soldaten und der von Yasuhi Hirano verkörperte Cappadocier."
(Die Furche)

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Besetzung