Tosca
Oper von Giacomo Puccini
Volksoper WienFreitag 14. Dezember 2012
Beginn: 20.00 Uhr
weitere Termine
Spieldauer: 2 Stunden 30 Minuten, Pausen: 1
In deutscher Sprache
Werkbeschreibung
Tosca
Vor dem Hintergrund der napoleonischen Zeit rollt die Handlung der Oper binnen 24 Stunden ab. Neun Monate sind seit dem Sturz der römischen Republik vergangen, und Scarpia, Chef der römischen Polizei, hat ein Terrorregime errichtet, das jede republikanische Regung im Keim erstickt. Auch die Sängerin Floria Tosca und ihr Geliebter, der Maler Mario Cavaradossi, geraten in einen tödlichen Konflikt mit dem brutalen Polizeichef... Am 20. Februar 1907 dirigierte Alexander von Zemlinsky die Wiener Erstaufführung der "Tosca" an der Volksoper. Zum 150. Geburtstag von Giacomo Puccini, 101 Jahre nach ihrer Wiener Erstaufführung an der Volksoper und 50 Jahre nach der letzten Wiener Neuinszenierung, brachte die Volksoper im Jahr 2008 eine neue "Tosca" heraus.
Pressestimmen
14.10.2008 / KLEINE ZEITUNG/ Ernst Naredi−Rainer
Puccinis "Tosca" in Wien: Ausgefeilte Regiearbeit
Erstmals seit fünfzig Jahren erlebt Puccinis "Tosca" in Wien eine Neuinszenierung. In Alfred Kirchners Regie zeigt sie die Volksoper in deutscher Sprache. Konsequent schärft Robert Meyer das Profil der von ihm geleiteten Wiener Volksoper. Er erobert das große Repertoire zurück, spielt wieder Giacomo Puccinis "Tosca", die an seinem Haus 1907 ihre Österreich−Premiere erlebt hatte, tut dies in deutscher Sprache − aber mit einem recht wortdeutlich singenden Ensemble. Und weil die Staatsoper den Reißer seit 1958 in der Inszenierung von Margarethe Wallmann zeigt, setzt er auf eine zeitgemäße Regiearbeit. Dabei mied er aber jegliches Risiko, lud er doch Alfred Kirchner ein, seine Frankfurter Inszenierung von 2001 für Wien zu adaptieren.
Gelungener Spagat.
Der ehemalige Co−Direktor von Claus Peymann am Wiener Burgtheater schafft gemeinsam mit seinem Ausstatter Karl Kneidl den Spagat zwischen historischer Fixierung und behutsamer Modernisierung, um plattem Realismus zu entkommen. Die Titelheldin springt denn auch nicht in die Tiefe, sondern bricht auf der Plattform der Engelsburg tot zusammen, während die Silhouette der Peterskuppel verschwindet.
Ohne gravierende Verfremdungen.
Kirchner erzählt das Drama um Eifersucht und Sex, Gewalt und Tod ohne gravierende Verfremdungen mit durchdachter, psychologisch motivierter, ausgefeilter Personenregie.
Launische Diva.
Er zeigt Tosca als launische Diva mit explosivem Temperament. Die schwedische Sopranistin Ann−Marie Backlund stürzt sich mit bedingungslosem Engagement in diese Rolle, die sie mit beträchtlichen dramatischen Reserven vokal ausfüllt. János Bándi, ein hölzerner Darsteller, bringt für den Cavaradossi einen stämmigen, aber nur im Forte ansprechenden Tenor mit. Morten Frank Larsen zeichnet ein fassettenreiches Porträt des zynischen Gewaltmenschen Scarpia, Martin Winkler befreit den Mesner von allen komischen Zügen. Josep Caballé−Domenech schürt am Pult das dramatische Feuer.
14.10.2008 / DIE PRESSE / Walter Weidringer
Volksoper: Tosca, die Raubkatze hinter Gittern
Auch unter Regie−Altmeister Alfred Kirchner und auf Deutsch bleibt Tosca ein dramatischer Reißer.
Nein, Tosca stürzt sich diesmal nicht von der Engelsburg. Regisseur Alfred Kirchner und Ausstatter Alfred Kneidl haben sich noch Dramatischeres einfallen lassen. Zu Beginn des dritten Aktes hatte die Bühne erst allmählich die Gestalt des Castel Sant'Angelo angenommen, waren die Blumen des Hirtenknaben gnadenlos überrollt worden am Ende gerät die Welt ganz aus den Fugen: Da kippt die Silhouette der Peterskuppel um, und Tosca sinkt zu Boden. Das Spiel ist aus, deutlicher lässt es sich kaum zeigen.
Nach 50 Jahren erstmals wieder eine neue Tosca für Wien: Dass Kirchner sich bewusst von der mittlerweile Kultstatus genießenden Wallmann−Inszenierung in der Staatsoper abgrenzen würde, war klar und ist auch gut so. Die historischen Orte werden über Projektionen nur zitiert und zwar, ein Treppenwitz der Inszenierungsgeschichte, präziser als bei Wallmann: Immerhin befindet sich die Peterskirche in der Volksoper korrekt zur Rechten des Erzengels Michael, nicht links von ihm.
Überhaupt interessiert Kirchner augenscheinlich vor allem der Realismus der Story zumindest im ersten Akt, wenn sich der flüchtige Angelotti (als Typ ideal, stimmlich in Ordnung: Stefan Cerny) gleich einmal erbricht und dann, fürs Publikum sichtbar, Unterschlupf in den Verstrebungen unter dem Holzboden findet, wo später Scarpias Spione kriechend Hinweise auf ihn aufspüren werden. Darüber erhebt sich das Baugerüst, in dessen Oberstock Cavaradossi malt.
Scarpia rollt mit den Augen
Diese Empore garantiert Scarpia einen erstklassigen Auftritt, wenn er sich von oben herab über die johlende Menge erbost.
14.10.2008 / OBERÖSTERREICHISCHE NACHRICHTEN/ Michael Wruss
Spannender Thriller um eine Liebe
Nach knapp fünfzig Jahren stand am Sonntag Puccinis Tosca wieder einmal auf dem Spielplan der Wiener Volksoper der langen Tradition gehorchend in deutscher Sprache und in einer durchaus sehr gelungenen Inszenierung.
Alfred Kirchner weiß ganz genau, wie man Figuren schafft, wie man sie bewegt und wie aus einzelnen blutleeren Rollen ein spannender Thriller um nicht ganz friktionsfreie Liebe, abgrundtiefen Hass und sexuelle Begierde entsteht. Eigentlich stand bei ihm Scarpia im Mittelpunkt, dessen menschenverachtende Lust am Quälen zur eigenen Erregung und Befriedigung ziemlich deutlich herausgearbeitet wurde.
Tosca und ihr Cavaradossi waren fast nur Marionetten für Momente der verderbten Leidenschaft. Trotz dieses etwas ungewöhnlichen, aber eigentlich ganz logischen Ansatzes folgte die Inszenierung fast textgetreu der von den Kostümen her in die Entstehungszeit der Oper verlegten Geschichte.
Geschickt auch das Bühnenbild von Karl Kneidl, der das Geschehen an die Rampe verlegte, um hautnahes Erleben zu ermöglichen als wäre man selbst dabei.
Faszinierend auch Kirchners Personenführung, die in ihrer Intensität so manch sängerische Schwäche zu überdecken half und große Momente schuf. Hier wurde nichts dem Zufall überlassen, sondern selbst kleine Gesten minutiös gefestigt. Musikalisch war diese Premiere ebenso erfreulich, zumal mit Josep Caballé−Domenech ein Dirigent am Pult stand, der das nicht immer mit Höchstleistungen aufwartende Orchester der Volksoper zu hoher Präzision und klangschöner Umsetzung der Partitur verführte und so ein ideales Fundament für das engagierte Ensemble bereitete.
Allen voran Ann−Marie Backlund, die eine von wilder Eifersucht und unabdingbarer kämpferischer Natur gezeichnete Tosca formte und auch stimmlich nicht nur groß aufdrehte, sondern auch zarte Zwischentöne fand.
Begeistertes Publikum
János Bándi war ein Cavaradossi von Format, der zwar nicht über die schönste Belcantostimme verfügt, aber dennoch keinen Moment Zweifel über seine sängerischen und darstellerischen Fähigkeiten aufkommen ließ.
Scarpia Morten Frank Larsen musste da und dort schon gewaltig forcieren und in der Höhe ins dramaturgisch nicht unlogische Schreien übergehen, traf aber darstellerisch seine Rolle auf den Punkt: der charmante, schmierige Gentleman, der im nächsten Augenblick dem Gegner den Garaus bereitet.
Sehr positiv auch Stefan Cerny als Angelotti und Martin Winkler als Mesner. Das Publikum, das diesmal doch einiges vom Text verstanden haben dürfte, war begeistert.
14.10.2008 / SALZBURGER NACHRICHTEN/ Heinz Rögl
Tosca auf Deutsch gesungen
Wiener Volksoper zeigt die Puccini−Oper in der Neuinszenierung Alfred Kirchners
Regisseur Alfred Kirchner, einst Kodirektor und Regisseur am Burgtheater Claus Peymanns, sagte in einem Interview vor seiner Neuinszenierung von Tosca an der Wiener Volksoper: Jetzt wollen wir, wenn auch mit geringeren Mitteln, eine Tosca machen, von der ich hoffe, dass sie im Gedächtnis der Wiener bleiben wird. Das scheint gelungen.
Alfred Kirchner hält sich in seiner Inszenierung an Zeit und Ort (Rom 1800), die auch die Ausstattung von Karl Kneidl spürbar macht. Die Personenführung ist insgesamt überzeugend, insbesondere für Scarpia und Tosca im zweiten Akt, der damit endet, dass Tosca Scarpia in dem Moment ersticht, als dieser saubere Polizeichef, in Wirklichkeit ein sadistischer Despot, glaubt, ihrer nach Erpressung und Folterung ihres Geliebten sexuell habhaft geworden zu sein.
Applaus und Jubel vom Publikum gab es nach der Premiere am Sonntagabend für Kirchner und für die Hauptdarsteller Ann−Marie Backlund (Tosca), János Bándi (Cavaradossi), Morten Frank Larsen (Polizeichef Scarpia). Vor allem Dirigent Josep Caballé−Domenech sowie das Orchester der Volksoper Wien boten eine musikalisch beachtliche, schöne Leistung.
Gespielt wird in der deutschen Übersetzung von Günther Rennert. Viele Opernfreunde wollen italienische Opern nur Original (wie seit Karajan üblich) hören. Alfred Kirchner liefert 101 Jahre nach der Wiener Erstaufführung an der Volksoper den Beweis: Ja, es geht auch auf Deutsch, und man erlebt die Verbindung von Musik du Sprache sogar mitunter intensiver als im italienischen Text.
Ein Höhepunkt war der zweite Akt mit Morten Frank Larsen als Scarpia in zwingender Wortdeutlichkeit, der Ann−Marie Backlund in der dramatischen Verzweiflung der Diva in nichts nachsteht. Für ihr innig und menschlich gesungenes Nur der Schönheit weiht ich mein Leben (alias Vissi darte) erhielt sie den nicht zu unterdrückenden Szenenapplaus, wie auch János Bándi für seine einsame Arie Und es blitzen die Sterne zu Beginn des dritten Aktes.
14.10.2008 / NEUE KRONEN ZEITUNG / Karlheinz Roschitz,
Die Volksoper feiert Puccinis 150. Geburtstag und erinnert daran, dass in diesem Haus die österreichische Erstaufführung seiner Tosca stattfand. Direktor Robert Meyer holte dafür Regisseur Alfred Kirchner und ans Pult den Spanier Josep Caballé−Domenech. Das Publikum zeigte sich von dieser Tosca begeistert und jubelte.
Tosca in Alfred Kirchners Inszenierung: Eine düster−strenge, in der Personenregie sehr genau gearbeitete Produktion! Kirchner setzt auf exaltierte Auseinandersetzungen, hysterische Ausbrüche, Espressivo. Und Karl Kneidl entwarf dafür melancholische Bilder einer kaputtgehenden Welt. Endzeit!
Der Kuppelraum von San Andrea della Valle ist eingerüstet. Die Protagonisten vermitteln durch ständiges Hin und Her und Treppauf− Treppab−Eilen den Eindruck von Hektik und nervös gereizter Atmosphäre, von ständig drohender Gefahr. Die hysterischen Ausbrüche Toscas angesichts des Magdalena−Bildes der Rivalin Marchesa Atavanti fügen sich da genau ein. Im heruntergekommenen Salon des Palazzo Farnese, den riesige grüne Freskenbilder umgeben, steigert Kirchner konsequent die Spannung bis zum Kampf zwischen Tosca und Polizeichef Scarpia und seiner Ermordung. Und auf der Terrasse der Engelsburg mit sparsam angedeuteter Erzengelstatue und der Silhouette der Petersdomkuppel herrscht Endzeitstimmung. Die Sterne leuchten nur noch in der Phantasie des verurteilten Cavaradossi
Josep Caballé−Domenech führt das Volksopernorchester mit Hochdruck und expressionistischer Spannung, setzt auf Siedehitze und Kälte. Dramatik kippt da in ein Dröhnen um, dass die Sänger aufschreien müssen.
Stark beeindruckt im deutsch singenden Ensemble Morten Frank Larsen als Scarpia: Ein sehr junger Polizeichef voll Machtgier, Eitelkeit, Lust, Brutalität. Stimmlich in jedem Moment präsent, als Figur kraftvoll und absolut überzeugend.
Termine
Besetzung
- RegieAlfred Kirchner
- AusstattungKarl Kneidl
- DramaturgieBirgit Meyer
- DirigentGerrit Prießnitz
- Floria Tosca, SängerinAmanda Mace
- Mario Cavaradossi, MalerMichael Bedjai
- Baron Scarpia, Chef der PolizeiSebastian Holecek
- Cesare Angelotti, ehemaliger Konsul von RomPetar Naydenov
- Der MesnerYasushi Hirano
- Spoletta, PolizeiagentChristian Drescher
- Sciarrone, GendarmHeinz Fitzka
- Ein SchließerHeinz Fitzka
- Ein HirteMax Schachermayer




