Spielplan

Samstag
15.02.2014

Albert Herring

Oper

Volksoper Wien

Samstag 15. Februar 2014
Beginn: 19:00 Uhr

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Dauer: 2 Stunden 45 Minuten, Pausen: 1

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Die 'Comic opera' "Albert Herring" aus dem Jahr 1947 ist eine köstliche Satire auf scheinheilige Moral und Tugendhaftigkeit. Die Volksoper zeigt die Innsbrucker Inszenierung von KS Brigitte Fassbaender, die von Publikum und Presse gleichermaßen bejubelt wurde.

"Das hat Charme, das hat Stil, das hat Geist, das Witz." (Kurier)


In deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln.

Koproduktion zwischen dem Tiroler Landestheater unter der Intendanz von KS Brigitte Fassbaender
und der Volksoper Wien.

Werkbeschreibung

In der schmucken englischen Kleinstadt Loxford ruft Lady Billows, "eine stattliche, unduldsame und herrische ältere Dame", die Honoratioren der Stadt zusammen. Verbittert über den Verfall der Sitten, möchte sie einen alten Brauch wieder einführen: Ein besonders anständiges Mädchen soll zur Maikönigin gekürt werden. Doch die Röcke sind zu kurz, die Ausschnitte zu tief, kurzum: kein Mädchen entspricht ihren Vorstellungen. Also gewinnt Albert Herring, der Sohn der örtlichen Gemüsehändlerin, den Titel. Dass dessen Tugendhaftigkeit aber eher einem Mangel an Gelegenheit entspringt, wird bei der Feier nach Alberts Krönung zum Maikönig offenbar. Begeistert schrieb die Tiroler Tageszeitung nach der Innsbrucker Premiere 2012: "Dass sich Brigitte Fassbaender ganz besonders im komischen Opernfach profiliert, hier mit scharfem, aber nie desavouierendem Blick spießbürgerliche Mechanismen entblößt und dem Publikum ein ganzes Spiegelkabinett öffnet, ist außergewöhnlich."

Pressestimmen

KLANGSCHÖNE KLEINSTADTKOMÖDIE

Benjamin Brittens „Albert Herring“, inszeniert von Brigitte Fassbaender und dirigiert von Gerrit Prießnitz: ein großer Erfolg.


Albert Herring hat's nicht leicht. Immer die Plackerei im Gemüseladen seiner Mutter, die ihn noch dazu vor jeglichen „unmoralischen“ Vergnügungen fernhält – für die er ohnehin viel zu schüchtern wäre. Für Mädchen zum Beispiel. Ganz anders sein Freund Sid, der sich heimlich mit Nancy trifft. Die gefiele Albert auch, aber er muss sich mit Äpfel stibitzenden Kindern herumschlagen – und dann vor allem mit der Peinlichkeit, dass ein Tugendkomitee des Städtchens, bestehend aus den Honoratioren unter Führung der schrecklichen Lady Billows, ihn zum Maienkönig krönen will. Als Notlösung, zugegeben, denn ein über jeden Zweifel erhabenes Mädchen, wie die Tradition der Maienkönigin es eigentlich verlangte, ist schlicht keines mehr zu finden...


Benjamin Brittens „Albert Herring“, 1947 in Glyndebourne uraufgeführt, rasch populär und etwa von Swjatoslaw Richter als „größte komische Oper des Jahrhunderts“ gerühmt, ist so etwas wie das Satyrspiel zum zwei Jahre älteren „Peter Grimes“. Die lebenslangen Hauptthemen von Brittens Bühnenwerken, nämlich die Rolle des Außenseiters und der Verlust einer (wie auch immer definierten) Unschuld, finden sich hier als Komödie abgehandelt: eine Komödie, die das Kleinstadtleben zugleich aufs Korn nimmt und dessen typisiertem Personal doch mehr als nur Reste von Liebenswürdigkeit belässt. Dabei wirkt die reizend angegraute Story fast zu dünn für die drei Akte, aber der Librettist Eric Crozier und vor allem Britten mit seiner Musik konnten sie so aufbereiten, dass das Interesse noch heute nie erlahmt. Meisterhaft, wie das solistisch besetzte Orchester zwischen Klangfülle und zarten Einzellinien changiert und vor allem für Kenner musikalische Pointen bereithält, von denen die Anspielungen auf „Tristan“ an der Oberfläche liegen, andere dagegen tiefer gehen. Der salbadernde Gesang etwa, den der Pfarrer anstimmt, als Alberts Eignung diskutiert wird, parodiert viktorianische Balladen, die großen Ensembles rufen augenzwinkernd die italienische Operntradition in Erinnerung.

Besonderes Vergnügen bereitet unter diesen die „Threnody“ des dritten Aktes, in der alle um den vermeintlich toten Albert jammern: Mit wechselnden, aus dem Ostinato heraustretenden Soli steigert sich das Trauerpathos zu komischer Größe. Dazu die pompös aufgeblasenen Klänge rund um Lady Billows, Groteskmärsche, leichtgewichtig dahineilende Fugen, die impressionistisch tönende Nachtszene und vieles mehr: Bunt, aber doch homogen deutet die Partitur Text und Situationen stets plastisch aus.

Gerrit Prießnitz hat all das nicht nur penibel einstudiert, sondern kann es mit dem Volksopern-Orchester auch mitreißend und klangschön realisieren: Der Dirigent ist ein unbestreitbares Atout der Produktion, die vom Tiroler Landestheater übernommen wurde und nun in der Volksoper einhelligen Jubel erntete.


Das zweite Plus ist Brigitte Fassbaenders Inszenierung, es war 2012 ihre letzte als Innsbrucker Intendantin. Nun hat sie diese in Wien neu einstudiert – und dabei geschafft […] ein szenisch homogenes Ensemble zu machen, das mehr ist als nur die Summe seiner Teile. Jeder Charakter bekommt individuelle Schrullen und Schwächen verpasst, an denen sich das Publikum dankbar delektiert: Bigotte Abgründe werden gezeigt, doch nicht überzeichnet. Darüber hinaus unterfüttert Fassbaender die Handlung mit manch zusätzlicher, dennoch nicht überbordender Situationskomik, an der auch die drei Kinderpartien ihren Anteil haben. Sängerisch ragt Daniel Ochoa als kerniger Sid hervor, im Zentrum aber steht Sebastian Kohlhepp in der Titelpartie: Grundsympathisch, mit heller, klarer Tenorstimme und bester deutscher Diktion muss er sich zum tugendhaften Pfingstochsen ausstaffieren lassen, bevor er sich spektakulär emanzipieren kann – und hier, der Regie sei Dank, zuletzt sogar in Liebesdingen die Nase vorn hat. […]

(Die Presse)


FLÜSSIGE WEGE ZUR FREIHEIT

Premiere von Benjamin Brittens „Albert Herring“ an der Wiener Volksoper: Regisseurin Brigitte Fassbaender inszeniert eine präzise, flotte Komödie, der allgemeines Wohlwollen zuteil wird.


Im idyllischen Städtchen Loxford nimmt das Liebesleben seinen beunruhigend lawinenartigen Lauf - jedenfalls in den Augen von Lady Billows. Die gestrenge Moralinstanz würde ums Örtchen wohl gerne einen Keuschheitsgürtel legen und jeder versuchten Seele einen solchen anempfehlen. Vielleicht ein Langfristplan. Vorerst gilt es jedoch, Erste Keuschheitshilfe zu leisten und durch die Wahl der Maikönigin eine alte Tradition der Sittenermahnung aufleben zu lassen. Bei der Kandidatinnensuche durch die Honoratioren wird jedoch nur Loxfords Abweichung vom Tugendpfad offenkundig; Lady Billows (passend herrisch Barbara Schneider-Hofstetter) gerät ob der Vorgeschlagenen jedenfalls in düsterste Laune. Schließlich ein Kompromiss in Form von Geschlechtswechsel: In Ermangelung einer Unschuldigen wird Albert Herring Maikönig, wodurch aber die Probleme erst beginnen, denen Regisseurin Brigitte Fassbaender elegante Form verleiht. Sie belebt das Einheitsbühnenbild aus gewundenem Steg und Schattenrissen, die eine noble Gesellschaft andeuten (Bühnenbild: Bettina Munzer), mit markanten Figuren: Haushälterin Florence (profund Martina Mikelic) ist eine Grazie der Verkrampfung, Pfarrer Gedge (solide Morten Frank Larsen) ein sein Begehren nur notdürftig verhüllender Voyeur. Und Schulvorsteherin Miss Wordsworth (witzig Birgid Steinberger) gibt sich keusch. Sie hat jedoch einen interessanten Rückweg gefunden, ihren verlängerten Rücken der Ansicht preiszugeben.


Immerhin unverkrampft die Jugend: Metzgerbursche Sid (sicher, sehr angenehme Stimme: Daniel Ochoa) und seine Nancy (solide und witzig Dorottya Láng) lassen sich die Späße der Zweisamkeit nicht verderben, während Herring nicht aus dem Käfig mütterlicher Strenge herauskommt. Dann jedoch das Krönungsfest: Sid mixt Freund Albert Rum in die Limonade, wodurch dessen erstes Besäufnis zum Akt der Selbstbefreiung gerät. Nachdem sich Albert in einer Telefonzelle vom Blasendruck befreit hat, ist nicht Feierschluss; er setzt seine Zechtour fort und gilt bei den Stadtbewohnern tags darauf als aus dem Leben geschiedener Maikönig.


Grandios, wie Komponist Benjamin Britten in Albert Herring eine heuchlerische, kollektive Trauerekstase komponiert. Und virtuos steigert die Regie diese Klageorgie in einem langsamen szenischen Crescendo - bis Herring auftaucht und zum Objekt von Vorwürfen wird, mit denen auch Mutter (witzig Elvira Soukop) nicht geizt. Sebastian Kohlhepp (als Albert) gibt (auch vokal profund) auch eine Ahnung davon, dass der Wandel von Mums Lamm zum selbstbestimmten Jungen nicht ohne Irrfahrt durch seelische Zweifel erfolgt, wie das ja auch bei Britten zu hören ist. Auch dank Dirigent Gerrit Prießnitz: Bei dieser Übernahme vom Tiroler Landestheater erweckt er mit dem guten Orchester sowohl Brittens musiktheatralisch sehr präzise instrumentale Gestik wie auch dessen farbenreiche Klangfantasien und trägt so zu einer untadeligen Aufführung ohne Schwächen bei. Applaus.

(Der Standard)


MUTTERSÖHNCHENS RUMREVOLUTION

Benjamin Brittens „Albert Herring“ überzeugt an der Wiener Volksoper in nahezu allen Belangen.


Das hat Charme, das hat Stil, das hat Geist, das Witz. Die Rede ist von Benjamin Brittens Kammeroper „Albert Herring“, die nach fast 30 Jahren Absenz (in deutscher Sprache) nun wieder im Haus am Gürtel zu sehen ist. Und zwar in der bewährten Innsbrucker Inszenierung von Brigitte Fassbaender aus dem Jahr 2012, die auch bei der Wiener Premiere bejubelt wurde. Denn mit diesem Nachtrag zum Britten-Jahr 2013 (100. Geburtstag des Komponisten) hat die Volksoper einen Hit gelandet – in szenischer, aber auch in musikalischer Hinsicht.


Doch der Reihe nach. Mit dieser 1947 uraufgeführten Oper bleibt Britten – das geniale Libretto stammt von Eric Crozier nach einer Novelle von Guy de Maupassant – seinen Grundthemen treu. Wie in anderen Werken geht es um eine (fiktive) Kleinstadt (Loxford), deren gar nicht so honorige Spießer-Honoratioren und einen Außenseiter, der von allen belächelt wird. Dieser heißt hier Albert Herring, ist ein unterdrücktes Muttersöhnchen par excellence, dem mangels weiblicher Alternativen der Titel des (keuschen) Maikönigs verliehen wird. Ein ihm zum Scherz in seine Limonade eingeflößter Schuss Rum aber lässt Albert ausbrechen. Nach Saufgelagen, Schlägereien und ähnlichen Ausschweifungen jagt Herring die Dorfgesellschaft samt Mutter zum Teufel und findet in der lieben Nancy vielleicht sogar sein Mädchen. Sebastian Kohlhepp als „Albert Herring“, Morten Frank Larsen als „Pfarrer Gedge“, Elvira Soukop als „Alberts Mutter“ und Birgid Steinberger als „Schulvorsteherin Wordsworth“.


Eine Komödie mit Happy End und bitterbösen Untertönen, die vor allem ein Ensemblestück ist. Und die Volksoper hat ein wunderbares Ensemble zur Verfügung. An der Spitze der Tenor Sebastian Kohlhepp, der als Albert Herring stimmlich wie darstellerisch zu begeistern weiß. Er ist – wie alle anderen Protagonisten auch – von der Musik präzise charakterisiert, findet in Dirigent Gerrit Prießnitz und dem perfekt einstudierten Orchester ideale Mitstreiter im Freiheitskampf. Denn Prießnitz und die wenigen Musiker sind allen Singschauspielern eine große Stütze; herrlich geraten die vielen Ensembles und delikaten Zwischenspiele. Dass Prießnitz auch alle Zitate – Britten nimmt selbst Richard Wagner kurz auf die Schaufel – hörbar werden lässt, ist ein zusätzlicher Pluspunkt. Von dieser melodischen Basis profitieren auch die hervorragende Dorottya Láng als quirlig-süße Nancy und der starke Daniel Ochoa als ihr schelmischer Möchtegern-Freund Sid. Ein Kompliment auch an die drei Kinder des Jugendchors der Volksoper.


Und die Dorfbewohner? Barbara Schneider-Hofstetter, Martina Mikelić, Birgid Steinberger, Morten Frank Larsen, Jeffrey Treganza, Andreas Daum und Elvira Soukop erfüllen ihre Typen mit prallem (auch vokalem) Leben. Sie dürfen in Brigitte Fassbaenders Regie Fratzen ihrer jeweiligen Berufe (Lehrerin, Pfarrer, Bürgermeister, etc.) vor sich her tragen. Denn in Bettina Munzers Einheitsbühnenbild (inklusive Provinz-Catwalk) ist auch dank einer exzellenten Personenführung viel, aber nie zu viel los. Fassbaender nimmt die „Komödie“ ernst, zeichnet ihre Figuren liebevoll nach. Natürlich könnte das alles galliger, härter sein. Brittens Intentionen werden aber auch so perfekt getroffen.


Werk: Wurde 1947 in Glyndebourne uraufgeführt und war zuletzt 1984 an der Volksoper zu sehen.

Inszenierung: In Tirol erprobt und sehr gut.

Dirigat: Sensibel und extrem uneitel.

Sänger: Ein starkes Ensemble überzeugt.

KURIER-Wertung: *****

(Kurier)


DER "MAIKÖNIG" NIMMT REISSAUS

[…] Gerrit Prießnitz am Pult leistet ausgezeichnete Arbeit. Brittens Anspielungen („Rape of Lucretia“, „Tristan“) hört man gut heraus. Die Klangdramaturgie stimmt. Überzeugend die Vokalensembles. Sebastian Kohlhepp ist ein sympatischer, schön singender „Sittenbold“, dessen Ausbrechen umso deftiger ausfällt. Richtig pampig und selbstverliebt ist Barbara Schneider-Hofstetters Lady Billows, eine blendende Charakterstudie liefert Marina Mikelic als geplagte Haushälterin Florence Pike, ausgezeichnet Morten Frank Larsens Phrasen dreschender Pfarrer Gedge, voll bigotten Gejammers Elvira Soukops Mrs. Herring. Köstlich das flirtende junge Paar Sid, der Metzgerbursche (Daniel Ochoa), und die Bäckerstochert Nancy (Dorottya Láng). Das Publikum jubelte.

(Kronen Zeitung)


AMÜSANTE SATIRE AUF SCHEINHEILIGE MORAL

Als Nachtrag zum Britten-Jahr zeigt die Wiener Volksoper den komischen „Albert Herring“, […] am Ende jedoch gab es einhelligen Applaus.


Besonders stürmisch fiel er für Brigitte Fassbaender aus, die mit Benjamin Brittens "Albert Herring" ihr glänzendes Regiedebüt an der Wiener Volksoper feierte. Fassbaender, die im Juni 2012 mit dieser Inszenierung (in englischer Originalsprache) ihre 13-jährige Intendanz des Tiroler Landestheaters beendet hat, bringt Brittens einzige komische Oper mit liebevoller Sorgfalt auf die von Bettina Munzer sparsam, symbolträchtig und atmosphärisch gestaltete Bühne. Sehr geschickt rückt sie die amüsante Satire auf die Spießbürgermoral einer englischen Kleinstadt um 1900 an die Gegenwart heran. Mit ausgefeilter Personenführung charakterisiert sie jede einzelne Figur ebenso präzise wie Brittens Musik, ohne sie billigem Typenklamauk zu opfern. Das Erwachsenwerden des von den Moralaposteln gefeierten, schüchternen Muttersöhnchens Albert Herring zeigt sie mit leichtfüßigem Esprit und doppelbödigem Witz, ohne je die Grenze zur Farce zu überschreiten. Für ihre in deutscher Sprache (Übersetzung: Carolyn Sittig und Waltraud Gerner) gesungene Produktion des 1947 uraufgeführten Werks bietet die Volksoper ein weitgehend stimmiges Ensemble auf […] Überboten wird es von Sebastian Kohlhepp, der als Titelheld mit facettenreichem lyrischen Tenor Alberts Emanzipation nachzeichnet. Herausragend auch Daniel Ochoa mit kräftigem Bariton als lebenslustiger Sid, Martina Mikelic mit prachtvoll dunklem Mezzosopran als allwissendes Faktotum Florence Pike und Dorottya Láng mit fülligem Mezzo als warmherzige Nancy. […] Gerrit Prießnitz, der die Rezitative am Klavier begleitet, unterstreicht mit dem pointiert und süffisant musizierenden 12-köpfigen Kammerorchester Brittens ironischen Humor und komödiantische Vitalität.

(Kleine Zeitung)

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