Giselle Rouge

Das Ballett „Giselle Rouge“ handelt von dem bewegten Leben der einstigen Solotänzerin Olga Spessivtseva. Das Drama um die große Tänzerin behandelt der Choreograf Boris Eifman mit den für ihn typischen Stilmitteln, einer tanzdramatischen Sprache, welche temporeich und virtuos vor allem bei den ausdrucksstarken Pas de deux fulminante Glanzlichter setzt.

Ausgehend von der bekannten Wahnsinnsszene in „Giselle“ – einem Höhepunkt der Kunst Spessiwzewas – entwickelt sich dabei in „Giselle Rouge“ ein dichtes Psychogramm, bei dem der Choreograph alle Handlungsstränge und -ebenen zu einer bewegenden Synthese zusammenführt, aus der es kein Entrinnen gibt: Geschichte, Ballettgeschichte und Biographisches vermischen sich in diesem spannenden „Blockbuster“-Ballett, das zwischen Realität und Wahnsinn angesiedelt ist. 

Ohrwürmer aus der Feder Peter Iljitsch Tschaikowskis, Georges Bizets und Adolphe Adams liefern zusammen mit der Klangwelt Alfred Schnittkes den „Soundtrack” zu Eifmans Ballett-Thriller und verbinden auf diese Weise erneut die Welt von Ost und West.

Trailer zu „Giselle Rouge“

Olga Spessiwzewa

Als eines von acht Kindern, von denen nur fünf überlebten, in Rostow am Don geboren, kam Olga Spessiwzewa nach dem frühen Tod ihres Vaters nach St. Petersburg in ein Waisenhaus, da ihre Mutter sie nicht ernähren konnte. Die Stadt wurde zu ihrem Schicksal. Gemeinsam mit zwei Geschwistern absolvierte sie die St. Petersburger Ballettakademie (die spätere Waganowa-Akademie) und erhielt ein Engagement am Theater, wo sie bald zur Solistin und Ersten Solistin avancierte. Unter dem Eindruck der Russischen Revolution und des Ersten Weltkriegs wandte sie sich nach Paris, wo sie nicht zuletzt als Giselle Triumphe feierte; Tourneen u. a. nach London, in die USA, Südamerika und Australien folgten. Ein schwerer gesundheitlicher Zusammenbruch in Sydney und ein weiterer in den USA zogen einen mehrere Jahrzehnte währenden Aufenthalt in einer psychiatrischen Einrichtung in der Nähe von New York nach sich. Aufgrund einer deutlichen Besserung ihrer Situation entlassen, verbrachte sie den Rest ihres Lebens in den USA, wo sie trotz aller Entbehrungen der Kindheit und ihrer Krankheit das hohe Alter von 96 Jahren erreichte.