Zur Wiederaufnahme der Operette
"Eine Nacht in Venedig"


„Alles maskiert, wo Spaß, wo Tollheit und Lust regiert!“ und wo – wenn man dieses Zitat weiterdenkt – die Grenzen zwischen Sein und Schein verblassen, wo Standesunterschiede, zumindest vorübergehend, aufgehoben sind und die Welt für kurze Zeit aus den Fugen gerät. Alle werden vom Taumel erfasst, von einem Rausch der Glückseligkeit, aus dem es kein böses Erwachen gibt. Ein solches ließe die Operette der „goldenen Ära“, der "Eine Nacht in Venedig" von Johann Strauß angehört, auch gar nicht zu. Ihr geht es darum, Träume und Sehnsüchte zu bedienen.

Bereits der Schauplatz der Handlung ist ein Sehnsuchtsort par excellence. Denn Venedig setzt allein schon durch seine Physiognomie dem realen Sein eine Welt des Scheins recht augenfällig entgegen. Seine Brücken und Palazzi spiegeln sich im Wasser, derart eine „verkehrte“ Welt vortäuschend, die reich an Trugbildern, aber auch Nährboden für allerlei Illusionen ist – der ideale Rahmen somit für den Karneval, der mit seinen Masken und Verkleidungen die Verherrlichung des Scheins geradezu zum Gesetz erhebt. Masken und Verkleidungen spielen denn auch in Johann Strauß’ neunter Operette eine wesentliche Rolle.


Erfolgloser Schürzenjäger

Zum Karneval kommt Herzog Guido nach Venedig. Er würde gerne mit Barbara, der Gattin des Senators Delaqua, eine Nacht verbringen. Seinen Leibbarbier Caramello beauftragt er, sich als Gondoliere auszugeben und Barbara zu ihm zu bringen. Delaqua aber weiß um das amouröse Begehren des Herzogs, von dem er sich inen lukrativen Posten erhofft. Er will ihn daher nicht vor den Kopf stoßen, aber auch nicht den gehörnten Ehemann abgeben, weshalb er ihm seine junge Köchin Ciboletta zuführt. Barbara hat ihrerseits aber gar nicht die Absicht, Delaqua treu zu bleiben. Nur will sie sich nicht mit dem Herzog, sondern mit ihrem hübschen Neffen Enrico vergnügen und schickt daher ihre Freundin Annina inkognito zu Guido. Der Herzog hat somit plötzlich zwei maskierte Frauen an seiner Seite, wovon eine, Annina, Caramellos Herzblatt ist, während Ciboletta dessen Freund Pappacoda Treue schwor. Verwicklungen sind vorprogrammiert, am Schluss allerdings geht der Schürzenjäger Guido, ähnlich wie Mozarts Don Giovanni, leer aus. Nur Barbara und Enrico konnten ihr amouröses Vergnügen genießen …