Let us entertain you!

Jule Stynes Musical Gypsy ist ab dem 16. Jänner 2020 wieder an der Volksoper zu erleben.

1957 war ein gutes Jahr für Gypsy Rose Lee. Die gefeierte „burlesque queen“ war auch als Schauspielerin gut im Geschäft und hatte eben ihre Autobiographie veröffentlicht – eine schonungslose Abrechnung mit ihrer dominanten Mutter, die sie und ihre Schwester June als Kinder zu Showstars dressiert und über die Vaudeville-Bühnen Amerikas gescheucht hatte.

Trailer

Theaterproduzent David Merrick sah darin die ideale Geschichte für ein Musical, 1959 wurde Gypsy am Broadway uraufgeführt. Den sensationellen Erfolg hatten alle Beteiligten nicht zuletzt auch dem „Wunderteam“ von West Side Story zu verdanken: gemeinsam mit Buchautor Arthur Laurents und Liedtexter Stephen Sondheim schuf Komponist Jule Styne mit Nummern wie „Everything‘s coming up Roses“ oder „Let me entertain you“ Hits für die Ewigkeit. Übrigens sollte Sondheim ursprünglich auch die Musik schreiben, doch die Hauptdarstellerin Ethel Merman vertraute dem Neuling nicht …

Gypsy trägt zwar den Namen der Tochter, stellt aber ihre „stage mother“ („Eislaufmutter“) in den Mittelpunkt der Handlung: Mama Rose verfolgt ohne Rücksicht auf Verluste ihren Lebenstraum, ihre Töchter im Rampenlicht zu sehen. Und sie verliert viel: Die jüngere Tochter June entzieht sich ihr, der Verehrer Herbie verlässt sie, und als sich das hässliche Entlein Louise zum Striptease-Star Gypsy mausert, steht die Mutter alleine da …

An euphorischen Äußerungen über das Stück mangelt es wahrlich nicht: Für die amerikanischen Musikschriftsteller Ben Brantley und Frank Rich ist Gypsy das „wahrscheinlich größte aller Musicals“ bzw. „die frivole Antwort auf König Lear“. Am vielsagendsten ist wohl die Bezeichnung „Mutter aller Musicals“, denn eine Power-Mutter steht im Zentrum der Handlung. Die Hauptrolle (Clive Barnes: „einer der wenigen wirklich komplexen Charaktere des amerikanischen Musicals“) war seit der Uraufführung die Domäne großer Darstellerinnen: Auf Merman folgten u. a. Angela Lansbury und Patti LuPone.