Grenzenlose Fantasie

André, in Ihrer Inszenierung arbeiten Sie mit unglaublich aufwendigem Make-up. Was ist dabei die größte Herausforderung?

Die größte Herausforderung besteht darin, die Solisten im Laufe der Oper in die verschiedenen Charaktere, die sie verkörpern, zu verwandeln. Josef Wagner zum Beispiel, der die Bösewichter spielt, muss immer erkennbar bleiben, obwohl er sich optisch stark verändert. Zu Beginn der Oper kleben wir ihm Augen auf den Kopf, weil er diese ja verkauft. Im 2. Akt stellt er den von Nosferatu inspirierten Dr. Mirakel dar und verwandelt sich im letzten Akt in die Figur Mussolinis. Also haben wir ihm eine Glatze verpasst. Bei der todgeweihten Antonia hatten wir die Idee, sie als anatomische Wachsfigur darzustellen und malen ihr einen Teil des Skeletts auf den Körper. Das alles „echt“ aussehen zu lassen, ist unglaublich harte Arbeit.

Wie lange haben Sie an den Kostümen gearbeitet?

Ich habe über ein halbes Jahr gebraucht, um alles zu entwerfen. Die Herstellung hat ungefähr fünf Monate gedauert. „Hoffmanns Erzählungen“ auf die Bühne zu bringen ist immer eine große Herausforderung. Für unsere Inszenierung stellen wir uns die Frage, ob „Hoffmanns Erzählungen“ Träume oder Albträume sind. Hatte hier vielleicht der Teufel seine Hand im Spiel? Schließlich brannte 1881 während einer Aufführung des Werks das Wiener Ringtheater fast vollständig nieder. 1887 wiederum ging in Paris das gesamte Orchestermaterial in Flammen auf. Diese Ideen wollten wir umsetzen, indem wir aufwendige Figuren schaffen: roboterähnliche Erscheinungen wie die Puppe Olympia, ein kopfloses blindes Kind oder Musen als dunkelgoldene Statuen.

Was hat Sie bei Ihren Entwürfen inspiriert?

Wir erzählen drei unterschiedliche, albtraumhafte Geschichten, die wir in einem von Jules Verne inspiriertem Steampunk-Ambiente inszenieren. Bei Olympia habe ich mich von der typischen Tim Burton-Optik inspirieren lassen, der Antonia-Akt erinnert ein wenig an den Stummfilm „Nosferatu“ aus den 1920er Jahren während Giuliettas Akt etwas vom Film Noir à la Frederico Fellini hat. Luthers Weinkeller heißt bei uns Höllenbar, eine Art Go-go-Bar für moderne Dandys und Hipster.

Was wollen Sie dem Publikum mitgeben?

Gemeinsam mit Offenbachs genialer Musik möchten wir die Zuseher auf eine spektakuläre Reise mitnehmen und sie in schauerliche komische und melodramatische Welten entführen. Unsere Inszenierung ist auch eine Verbeugung vor dem Komponisten Offenbach, der mit „Hoffmanns Erzählungen“ sein ultimatives Meisterwerk schaffen wollte. In einem Brief schrieb er: „Hoffmanns Erzählungen werden mich umbringen“. Das Schicksal meinte es nicht gut mit ihm. Sieben Jahre arbeitete er daran und starb schließlich ohne die Oper vollendet zu haben.