Kennen Sie Offenbach?

Kostümbildnerin Susanne Hubrich über ein in jeder Hinsicht außergewöhnliches Stück

Jacob aus Köln, der 1833 mit 14 Jahren am Pariser Musik-Konservatorium aufgenommen wurde, irgendwann beschloss, dort zu bleiben und sich bald Jacques nannte. Fühlte er sich in der Stadt so wohl, weil hier sein Humor ungleich besser verstanden wurde als in Deutschland?

Tja, die Deutschen mit ihrem Humor und der Offenbach mit dem seinem. Ein langer, ein zäher Annäherungsprozess. So lang, dass sogar das Kloiber'sche "Handbuch der Oper" in der Ausgabe von 1985 nur seinen "Hoffmanns Erzählungen" Einlass gewährte und "König Karotte" nicht einmal erwähnt hatte. Glücklicherweise ist das in den letzten Jahren etwas besser geworden. Vive L´Europe!

In diesem Spannungsfeld sind dann die Kostüme entstanden: Das Naheliegende wird zum Absurden; oder kennen Sie eine Karotte, die wie eine Blume dahinwelkt?
Das Sentimentale wird zum Kitsch; die gefangene Unschuld Roseé-du-Soir, hat sich für ihren Kerkeraufenthalt schon einmal das passende Ballettkostümchen angezogen, damit sie dann im Zirkusprinzessinnentütü in ihre Freiheit tanzen kann – so wie es sich gehört; und die Szenenfolgen mit den irrwitzigen Zeitsprüngen, durch die eine kaum übersehbare Personnage tobt, werden zu einem Wimmelbild des Ungleichzeitigen und damit Komischen, in dem gleichberechtigt ein pompeianischer Vesuvausbruch neben Gemüsegärten, Ameisenreichen, einer Affeninsel und mehreren Palastansichten die Folie für die (nicht nur musikalisch) immer wieder erzählenswerten Sehnsüchte und Begehrlichkeiten von uns Menschen hergeben.

Eine "Opéra-bouffe-féerie" in 4 Akten eben. Auch mit den 240 Kostümen.
 

König Karotte

Komische Zauberoper von Jacques Offenbach

Ab 23. November 2019 an der Volksoper Wien
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Fotos: Jenni Koller, Barbara Pálffy