Jetzt regiert das Gemüse!

"König Karotte" ist das Jubiläums-Highlight zum 200. Geburtstag von Jacques Offenbach 

Witzig, bissig und brisant wirkt die „komische Zauberoper“ aus der Feder Jacques Offenbachs auch heute noch. Der Text von Victorien Sardou ist gespickt mit literarischen und politischen Anspielungen, die beinahe gegenwärtig erscheinen. 2015 an der Oper von Lyon viel umjubelt wiederentdeckt kehrt "König Karotte" nun als Jubiläums-Highlight zum 200. Geburtstag des Begründers der Operette in die Offenbach-Stadt Wien zurück.

In einer Inszenierung von Matthias Davids, im Bühnenbild von Mathias Fischer-Dieskau und im Kostümbild von Susanne Hubrich erlebt das Publikum eine witzige, intelligente und mitreißende Rarität. 

Krokodyne ist eigentlich ein ganz normales Königreich – abgesehen vielleicht von der Innung für Hexen und Zauberer, dem königlichen Schwarzmagier und einem korrupten Polizeichef, der zugleich der „Höchste Beamte für Geheimnisse“ ist. Und eigentlich ist Prinz Fridolin XXIV. auch ein ganz normaler Regent: durch und durch verwöhnt, vergnügungssüchtig und verschwenderisch. Doch der gute Geist Robin hat sich in den Kopf gesetzt, Fridolin zum Wohle seines Landes auf den Pfad der Tugend zu bringen. Unverhofft bekommt er Hilfe von der Hexe Kalebasse, die den Prinzen stürzen will. Mitglieder des königlichen Gemüsebeets übernehmen die Macht: König Karotte und sein Gefolge aus Radieschen, Kartoffeln und Roten Rüben. Eine Zeit der Prüfung und Entbehrung soll Fridolin Maß und Demut lehren, kurz: ihn letztlich zu einem guten, aufgeklärten Herrscher formen. Für Fridolin folgt eine Reise durch fantastische Welten: Zum Zauberer Quiribibi, der ihn auf die Suche nach dem magischen Ring des Salomon schickt. In den Arbeiterstaat der Ameisen und zur Frühlingsfeier der Insekten. Ins antike Pompeji, in einen Schiffbruch und auf die Insel der Affen. In den Aufstand seiner Untertanen gegen den Karottenkönig und die Revolution. Durch alle turbulenten Verwicklungen führt Robin den Prinzen hindurch und – mit Hilfe der herzensguten Rosée-du-soir, die Fridolin bedingungslos liebt – die Handlung einem guten Ende zu. 

Witzig, bissig und brisant

Zum 200. Geburtstag des genialen Musikers und Theatermachers bringt die Volksoper in Koproduktion mit der Staatsoper Hannover Jacques Offenbachs "König Karotte" zurück ins Rampenlicht. Auf ein Libretto von Victorien Sardou, seinerzeit einer der berühmtesten französischen Theaterautoren (dessen Drama La Tosca später in der Vertonung von Giacomo Puccini auch die Opernwelt eroberte), geriet die Uraufführung 1872 am Pariser Théâtre de la Gaîté zu einem von Offenbachs größten Erfolgen.

Triumphale 193 Vorstellungen in sechs Monaten und Produktionen in London und Wien folgten, bevor das Werk fast 150 Jahre in der Versenkung verschwand. Die Österreichische Erstaufführung der neuen Edition der Musik sowie der neuen Übersetzung von Jean Abel ermöglicht einen aktuellen Blick auf eines der größten Bühnenwerke des Komponisten: Mit "König Karotte" schufen Jacques Offenbach und Victorien Sardou eine „Komische Zauberoper“ (Opéra-bouffe-féerie), die vorbildlose, einzigartige Verbindung von märchenhaftem Zaubertheater und komödiantischer Opéra bouffe. Hinter den Sensationen des theatralen Scheins (19 Bilder in 4 Akten! spektakuläre Bühnen- und Requisiteneffekte! lebendiges Gemüse! singende Tiere! Hexen und Zauberer!) verbirgt sich eine Parabel von tieferer Bedeutung. Mitreißend, pulsierend und ungemein theaterwirksam wie immer ist Offenbachs Musik. Witzig, bissig und brisant wirkt der Text auch heute noch, gespickt mit literarischen und politischen Anspielungen, die beinahe gegenwärtig erscheinen. 

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