Ausgezeichnet: Ralph Benatzkys „Axel an der Himmelstür“ 

Operette kann alles: Revue, Singspiel, Tragödie, große Oper, Film, Komödie, Kabarett, Schauspiel. Viel zu selten wird dieses vielfältige Genre mit Preisen und medialer Aufmerksamkeit belohnt. Deswegen hat BR-KLASSIK den "Operetten-Frosch" ins Leben gerufen. Die neunte Auszeichnung 2016 geht an die Volksoper Wien für "Axel an der Himmelstür" in der Inszenierung von Peter Lund.


Die FROSCH-Begründung:

 „Das ist Hollywood! Das ist bigger than live!“. Axel an der Himmelstür spielt in Hollywoodland und erzählt von einem Filmstar - einer Diva - und einem Reporter auf der Suche nach DER Story für den Durchbruch. Sie gibt keine Interviews, er ist ein kreativer Kopf. Natürlich sind die beiden füreinander bestimmt. Und während sie sich umkreisen, kommen auch andere Menschen in diese Bahn und finden zu ihrem Finale.

Regisseur Peter Lund hat sich vom Ausruf des Axel inspirieren lassen. Lund stellt ein Stück auf die Bretter der Volksoper - bigger than live. Denn es ist Theater potenziert durch Film und Computeranimation (beides Andreas Ivo Ivancsics) – die Medien sind dabei so miteinander verbunden und ineinander verzahnt, dass sie verschmelzen und kaum noch zu unterscheiden sind. Da malen die Akteure auf eine weiße Leinwand Striche, die zu Bildern werden. Und diese Bilder lernen buchstäblich zu laufen und werden zu Filmen. Da sind die Sänger auf einmal weg von der Bühne und drin im Film. Da ist der Schwarz-Weiß-Streifen Teil der schwarz-weißen Ausstattung – und diese Teil von ihm. Gestern und heute, altmodische Operette und modernes Computerspiel fließen ineinander, brechen sich gegenseitig, verleugnen sich nicht - öffnen aber Horizonte.

 In diesem „Bühnenbild“ agiert ein Ensemble, das bis in jede Nebenrolle hinein stimmig ist. Fünf „Hollywoodharmonists“ begleiten das Stück als immer wieder neue Personen und als kleiner Chor, ein Buffo-Paar ergänzt die Hauptfiguren wie es sich gehört durch ein kontrastreiches Eigenleben – und das Hauptpaar windet sich durch emotionale Höhen und Tiefen; allerdings immer gebrochen durch ein komisches Moment. Andreas Bieber als Titelfigur singt, tanzt und spielt von der ersten bis zur letzten Sekunde mit großer Intensität. Und Bettina Mönch ist als exzentrische Hollywoodgöttin ebenso perfekt wie als verzweifelte Frau und komische Egomanin. Das sie wunderschön aussieht, ist fast nebensächlich angesichts ihrer unglaublichen Präsenz und gut geführten, Kraft ausstrahlenden Stimme. Diese Gloria Mills überstrahlt alles und bringt den eigentlichen Hauch Hollywoods in das Stück.

 Was Regisseur Peter Lund und sein Ausstattungsteam da gezaubert haben, ist ein wunderbares Ganzes – musikalisch ermöglicht aber hat es erst Kai Titje mit seiner Bearbeitung des Stücks: aus einer ursprünglich kleinen Besetzung hat er ein Arrangement genau passend auf das Volksopernorchester und die Musicalbesetzung geschrieben. Ja, eine Musicalbesetzung – die wie das gesamte Regiekonstrukt weit über die Grenzen von Operette hinausweist und deshalb auch passgenau sitzt.

 Das Orchester des Volkstheaters Wien spielt unter der Leitung von Lorenz C. Aichner nach einer kleinen Lautstärke-Phase harmonisch und schwungvoll, zeigt aber große Erfahrung im Zusammenspiel von Wort und Musik.

 Fazit: Ein künstlerischer Wurf aus einem Guss! Besonderes Lob für Operettenmut, für gekonnte Erneuerung und den gleichzeitigen Blick zurück mit Blick voraus. Frosch erfolgreich geküsst!

 Findet das Team vom Operetten-Boulevard auf BR-KLASSIK. operette@br.de


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