Zwischen Liebe und Hass

Davide Bombana choreographiert Berlioz’ „Roméo et Juliette“

Am 9. Dezember 2017 feierte eine der populärsten und zugleich tragischsten Liebesgeschichten der Welt Premiere an der Volksoper Wien: Davide Bombana kreierte für das Wiener Staatsballett „Roméo et Juliette“ zur gleichnamigen „Symphonie dramatique op. 17“ von Hector Berlioz (1803–1869), basierend auf William Shakespeares Tragödie. Es ist somit das erste Mal, dass dieses Werk an der Volksoper gezeigt wird.

Maria Yakovleva (Juliette), Martin Winter (Tybalt) & Ensemble© Wiener Staatsballett/Ashley Taylor, zum einmaligen Abdruck freigegeben.

Für Davide Bombana ist es nach „Ballett: Carmen“ (2009) bereits die zweite abendfüllende Uraufführung an der Volksoper. Der in Mailand geborene und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Choreograph beschäftigt sich nun erneut mit einem großen literarischen Stoff, den er ins Heute verlagert. Auch seine dynamische, zugleich fließende Bewegungssprache ist zeitgenössisch, jedoch auf Basis des klassischen Balletts. Eine wesentliche Rolle kommt bei dieser Produktion auch dem Chor sowie drei GesangssolistInnen (Alt, Tenor und Bass) des Hauses zu, womit „Roméo et Juliette“ zugleich die Linie des preisgekrönten, spartenübergreifenden Publikumshits „Carmina Burana“ fortsetzt.

Der Choreograph konzentriert sich in seinem neuen Werk nun auf ein sehr aktuelles Problem: die Spannungen zwischen Gesellschaftsschichten: „Die Capulets und Montagues sind bei mir keine reichen, rivalisierenden Familien, sondern gehören unterschiedlichen Gesellschaftsschichten an, die einander gegenüberstehen – die Regierenden, Beherrschenden (Capulets) und die Untergebenen (Montagues). Das drückt sich auch im Bühnenbild aus, in dem diese beiden Gruppen auf mehreren Ebenen platziert sind.“

Maria Yakovleva (Juliette) & Masayu Kimoto (Roméo)© Wiener Staatsballett/Ashley Taylor, zum einmaligen Abdruck freigegeben.

Zur Musik sagt er: „Es ist eine großartige Gelegenheit, sich mit Berlioz’ wunderschöner Partitur auseinanderzusetzen. Ich habe keine Striche vorgesehen –obwohl das eine besondere Herausforderung ist, weil symphonische Abschnitte mit Gesangspassagen alternieren.“

Davide Bombana sieht das Werk auch als Verbeugung vor der im Juni 2017 verstorbenen, international renommierten, multimedialen Künstlerin rosalie, deren Ausstattung (realisiert von Thomas Jürgens und Angelika Berger) nun postum auf die Bühne gelangt.