Liebe unterwirft die Vernunft

Zur Wiederaufnahme von Georges Bizets "Carmen" am 4. Jänner

Unerbittlich unterwirft Liebe jede Vernunft. Das wird in kaum einer anderen Oper so leidenschaftlich gezeichnet wie in Bizets Meisterwerk „Carmen”. Seit 1875 an der Wiener Hofoper die überarbeitete Fassung der originalen „Opéra-comique“ zur Aufführung kam, gilt die elementare Geschichte rund um fatale Liebe und Freiheit als einer der Spitzenreiter der Operncharts.

1993 feierte Guy Joostens Carmen-Inszenierung am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel Premiere, zwei Jahre später wurde die Produktion an die Volksoper Wien übernommen und stand bis 2014/15 in jeder Saison auf dem Spielplan. Ohne historisierende Details, ohne spanische Folklore-Elemente konzentriert sich Joosten gänzlich auf die von Bizet in seiner Komposition ausgearbeiteten Charakterzeichnungen. „Nul rideau (…) pour protéger le mystère …“ („Kein Vorhang, der das Geheimnis verschleiert …“), beginnt denn auch eine Besprechung der Brüsseler Premiere. Und genau darin liegt der ungebrochene Erfolg dieser zeitlosen deutschsprachigen Produktion: in der ungeschönten Offenlegung der Beziehungen der Charaktere zueinander.

Die Wiederaufnahme präsentiert gleich zwei vielversprechende Hausdebütanten: Die neue Carmen ist die tschechische Mezzosopranistin Stepanka Pucalkova. Als Escamillo stellt sich der junge Australier Luke Stoker vor. Am Pult des Volksopernorchesters steht mit Anja Bihlmaier eine der bedeutendsten Dirigentinnen ihrer Generation. Sie wird im August 2020 Erste Gastdirigentin der Sinfonia Lathi und im Sommer 2021 Chefdirigentin des Residentie Orkest Den Haag.

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