Evergreens eines Unbekannten

„Sie kennen mich nicht, …

… aber Sie haben schon viel von mir gehört“, so leitete Werner Richard Heymann gerne seine Auftritte vor Publikum ein. Tatsächlich trifft dieser Satz bis heute zu, denn während Heymann als Person kaum jemandem bekannt ist, sind viele seiner Melodien – nicht zuletzt durch die Comedian Harmonists – musikalisches All­gemein-Liedgut geworden. Heymanns Feder entstammen die Melodien der Schlager „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“, „Ein Freund, ein guter Freund“, „Irgendwo auf der Welt“ und natürlich „Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder“.Wer war der Mann hinter dieser unvergesslichen Musik? 

Bei den Dreharbeiten von "Ein blonder Traum": Werner Richard Heymann mit Willi Fritsch, Lilian Harvey und Will Forst, 1932. (Foto: Fritz Eschen)
Komponist legendärer Filmmusik

1896 in Königsberg geboren, übersiedelte er 1912 mit seinen Eltern nach Berlin und studierte an der Königlichen Hochschule für Musik.
Ab 1926 war er für die UFA tätig, wo nach amerikanischem Vorbild zunächst ein 90-Mann-Orchester für die Stummfilmshows in den UFA-Filmpalästen aufgebaut wurde. Heymann begleitete bei der UFA die Ablösung des Stummfilms durch den Tonfilm und komponierte die Musik für die ersten „Tonfilm-Operetten“. Ab 1930 arbeitete er mit dem Textdichter Robert Gilbert zusammen; ihr erster gemeinsamer Schlager war „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“ für "Die Drei von der Tankstelle" mit Willi Fritsch, Oskar Karlweis, Heinz Rühmann und Lilian Harvey. Im Jahr darauf folgte, in der Regie von Erik Charell, "Der Kongress tanzt", wieder mit Willy Fritsch und Lilian Harvey in den Hauptrollen sowie weiteren Stars – in Nebenrollen waren etwa Paul Hörbiger als Heurigensänger und Adele Sandrock als alternde Fürstin zu erleben.

1933 musste Heymann mit seiner Frau vor den Nazis fliehen und ging zunächst nach Paris. Es folgten Jahre voller Ungewissheit und großer finanzieller Probleme. 1936 ließ er sich in Hollywood nieder, doch es sollte einige Jahre dauern, bis er einigermaßen Fuß fassen konnte. 1938 schrieb er – gemeinsam mit Friedrich Hollaender – die Musik zu Ernst Lubitschs "Blaubarts achte Frau", 1939 die Musik zu "Ninotschka" (und nannte aus lauter Verehrung für die Garbo seine beiden Setter Nina und Notschka). Es folgte weitere Filmmusik für Lubitsch, unter anderem zu "Rendezvous nach Ladenschluss" und "Sein oder Nichtsein".

Robert Meyer (Metternich)© Barbara Pálffy/Volksoper Wien, zum einmaligen Abdruck freigegeben.
 „Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder“

 Nach Kriegsende berichtete eine amerikanische Zeitschrift, wie am 8. Mai 1945 im völlig devastierten Berlin die Bewohner der Stadt zunächst gar nicht mitbekamen, dass der Krieg vorbei war. Es gab keinen Strom, also auch kein Radio, in den Straßen lagen zerstörte Panzer und Leichen von Deutschen und Russen. Beim Bahnhof Zoo „spielte ein russischer Lautsprecherwagen die Melodie von ‚Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder …‘, und dann sagte ein Sprecher: ‚Ich bitte um Ihre Aufmerksamkeit für eine wichtige Mitteilung: Alle deutschen Truppen haben die Waffen niedergelegt und bedingungslos kapituliert.“ Auch am New Yorker Times Square ertönte bei einer Siegesparade dieses Lied.

1951 kehrte Heymann nach Deutschland zurück und ließ sich in München nieder. 1961 erlitt er einen Schlaganfall, den er, trotz großer Schmerzen und einer halbseitigen Lähmung scherzhaft seinen „Schlageranfall“ nannte. Er starb am 30. Mai 1961.

"Der Kongress tanzt" auf der Bühne

Und nun zu dem Film, für den „Das gibt’s nur einmal“ entstanden ist: "Der Kongress tanzt". Erik Charells Streifen von 1931 wurde noch zu Heymanns Lebzeiten, 1955, von Franz Antel neu verfilmt. Johanna Matz spielte darin die Christel, Rudolf Prack den Zaren und Karl Schönböck den Fürsten Metternich. Die an der Volksoper nun produzierte Bühnenfassung folgt im Wesentlichen dem Inhalt des Films, enthält aber noch viele weitere Schlager Werner Richard Heymanns, wie etwa „Du bist das süßeste Mädel der Welt“, „Hoppla, jetzt komm‘ ich“, „Du hast mir heimlich die Liebe ins Haus gebracht“ oder „Ich will nicht morgen schon dein Ges­tern sein“. Christian Kolonovits hat Heymanns Musik für das Volksopernorchester in kleiner Besetzung neu arrangiert, um den feinen Klang der 30er Jahre neu zu beleben. Kolonovits übernimmt auch selbst die musikalische Leitung bei dieser Neuproduktion. Direktor Robert Meyer inszeniert die reizende Operettenhandlung, die am Rande des Wiener Kongresses spielt.

Le Congrès. Französische Karikatur auf den Wiener Kongress.
Keine Historie, aber schöne Histörchen

Dass der Kongress tanze, hat nicht erst der frühe Tonfilm festgestellt: Von Prinz Charles de Ligne stammt dieses Bonmot – aus dem Jahr 1814, während der historische Kongress also noch tagte. Vollständig lautet das Aperçu: „Le congrès danse beaucoup, mais il ne marche pas.“ (Der Kongress tanzt viel, aber er schreitet nicht fort.) De Ligne, ehemals Offizier und Diplomat in österreichischen Diensten, war da bereits 79 Jahre alt. Er starb am 13. Dezember 1814, ein halbes Jahr, bevor die Kongressteilnehmer ausgetanzt hatten. Die ersten drei Monate begleitete er aber offenbar noch mit besonders großem Eifer: „Ich für meine Person werde als gutmütiger Zuschauer nur eine einzige Forderung stellen: Dass der Kongress mir einen neuen Hut bezahlt, da ich meinen mit dem Grüßen der gekrönten Häupter ruiniert habe, die man an jeder Straßenecke trifft.“

Mit der Realität hat die Handlung der Operette freilich kaum etwas zu tun, wiewohl Zar Alexander ein Herzensbrecher gewesen sein muss. Auf einem Flugblatt, das die in Wien versammelten Monarchen zeigte, standen die folgenden Bildunterschriften: „Der Kaiser von Russland liebt für alle, der König von Preußen denkt für alle, der König von Dänemark spricht für alle, der König von Bayern trinkt für alle, der König von Württemberg frisst für alle – und der Kaiser von Österreich zahlt für alle.“

Helene Sommer


Der Kongress tanzt
Eine musikalische Komödie von Werner Richard Heymann
13., 18., 25. Jänner, 4., 12., 14., 19., 25., 26. Februar, 12., 17., 19., 26. März
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