„Once upon a time the future was me.“

Zur Europäischen Erstaufführung von Schoenberg in Hollywood 

Arnold Schönberg, Begründer der sogenannten Zwölftonmusik und zentrale Gestalt der Zweiten Wiener Schule, emigrierte 1933 – vor schwelendem Antisemitismus fliehend – in die USA und geriet in Los Angeles mit Hollywood und dem Genre der Filmmusik in Kontakt. Die Kammeroper „Schoenberg in Hollywood” des amerikanischen Komponisten Tod Machover thematisiert diesen künstlerischen „Zusammenprall“ ausgehend von einem Aufeinandertreffen des Komponisten mit dem Filmproduzenten ­Irving Thalberg. 

In cineastischen Rückblenden erzählt das Werk verschiedene Episoden aus dem Leben Arnold Schönbergs, entführt uns in das Wien der Jahrhundertwende und lässt seine Gefährtinnen Mathilde Zemlinsky und Gertrud Kolisch, Komponistenkollegen von Gustav Mahler bis ­Alban Berg und seinen Nebenbuhler Richard Gerstl wieder­auferstehen.

In der bereits vierten Produktion der Serie „Die Volksoper im Kasino am Schwarzenbergplatz“ gelangt die Kammeroper „Schoenberg in Hollywood, die im November 2018 in Boston ihre Uraufführung erlebte, zu seiner Europäischen Erstaufführung. In unmittelbarer Nähe zum Arnold Schönberg Center, welches weltweit die wichtigste Forschungsinstitution zu dieser
Künstlerpersönlichkeit darstellt und ebenso am Schwarzenbergplatz beheimatet ist, gäbe es wohl keinen passenderen Theaterraum, um dieses Werk erstmals in Europa zu präsentieren. 

Regisseurin Helen Malkowsky, die sich 2010 bereits mit ihrer „Entführung aus dem Serail” dem Volksopernpublikum vorstellte, spürt in ihrer Inszenierung neben dem Grundkonflikt zwischen intellektuellem Musikverständnis und Showbusiness vor allem den in Europa zurückgelassenen Spuren der Figur Arnold Schönbergs nach. Dirigent Gerrit Prießnitz, versiert und erfahren in zeitgenössischen Musiksprachen und regelmäßiger Gast an der Volksoper Wien, übernimmt die musikalische Leitung dieses hochkomplexen Unternehmens. Denn zum ersten Mal bringt „Schoenberg in ­Hollywood” das Orchester der Volksoper in einen Dialog mit einem ausgefeilten elektronischen Sounddesign – ein Kunstgriff, der zu den Spezialitäten des amerikanischen Komponisten Tod Machover zählt.

Tod Machover im Kasino am Schwarzenbergplatz © Barbara Pálffy/Volksoper Wien


Tod Machover ist ein Pionier in Sachen Komposition, dessen Werke oft neue, im Entstehen begriffene Musiktechnologien einbeziehen. Er arbeitet regelmäßig im Media Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT) an der Entwicklung interaktiver Musik-Tools mit, darunter die sogenannten „Hyperinstruments”, die künstliche Intelligenz für die Steigerung musikalischer Kreativität und Ausdrucksmöglichkeiten nutzbar machen. Seine ebenfalls gemeinsam mit dem MIT entwickelte Programmschiene „Opera for the Future“ versucht, das Verständnis von Musiktheater durch Innovationen und Partizipation zu erweitern. Seine Musiksprache verbindet vorwärtstreibende Rhythmen mit einem eingängigen Lyrismus und weitgespannten Melodielinien. Sein breitgefächertes Schaffen umfasst Orchester-, Gesangs-, Kammermusik- und Solostücke sowie fünf Opern, darunter die im Herbst 2018 von der Boston Lyric Opera uraufgeführte Oper Schoenberg in Hollywood. Kompositionsaufträge und Aufführungen durch das Los Angeles Philharmonic ­Orchestra, das San Francisco Symphony Orchestra, das Centre Pompidou, die London Sinfonietta, die Houston Grand Opera, das Lincoln Center for the Perfoming Arts, das Ensemble InterContemporain, das Ensemble Modern und das Tokyo String Quartet sind Meilensteine seiner künstlerischen Laufbahn. In Österreich war Tod ­Machover bisher mit dem interaktiven Projekt „Brain Opera“ (1996) und seinen „Hyperinstruments“ beim ­Ars Electronica Festival in Linz sowie als ausstellender Künstler im Haus der Musik in Wien vertreten.