Zur Neuproduktion von Rodgers & Hammersteins Carousel

Als sich Giacomo Puccini, damals der bedeutendste lebende italienische Opernkomponist, um die Rechte für Liliom bemühte, ließ dessen Autor Ferenc Molnár ihn abblitzen: „Wenn Sie mein Stück vertonen, wird alle Welt von einer Puccini-Oper sprechen. So aber bleibt es ein Stück von Molnár.“ Kurt Weill erging es nicht besser, als er 1937, kurz nach Molnárs Einreise in die USA, an den Schriftsteller herantrat. Erst dem Musical-Dreamteam der 1940er und 1950er Jahre, Richard Rodgers und Oscar Hammerstein II, gelang es, den Liliom auf die Musiktheaterbühne zu bringen – und weitgehend neu zu erfinden.

Rodgers & Hammersteins triumphal erfolgreiches erstes Musical Oklahoma! (1943) hob die Kunstform auf ein neues Niveau. Die Darstellung ernsthafter Konflikte, die Emanzipation des Tanzes von der Unterhaltungseinlage zum Handlungsträger und das nahtlose Ineinandergreifen von gesprochenen und gesungenen Texten zeichnen auch die zweite Zusammenarbeit des Erfolgsduos aus: Carousel, 1945 uraufgeführt, basiert auf Ferenc Molnárs wohlbekannter Vorstadtlegende Liliom. Man verlegte die Geschichte von Budapest nach Neuengland, aus dem „Hutschenschleuderer“ wurde der Karussell Ausrufer Billy. Von dem zwielichtigen Jigger lässt sich Billy zu einem Raubüberfall überreden und ersticht sich selbst, um der Verhaftung zu entgehen. Seine Frau Julie und die gemeinsame Tochter Louise bleiben zurück. Der Sternwart gibt Billy die Chance, noch einmal zurückzukehren und Gutes zu tun …

Vom Komponisten Richard Rodgers als sein Lieblingswerk bezeichnet, weist Carousel nicht nur eine prachtvolle symphonische Partitur, sondern auch einige der schönsten Musical-Songs aller Zeiten auf. Herausragend ist die „Karriere“ von „You’ll Never Walk Alone“, mit dem Nettie ihrer Cousine Julie Trost nach Billys Tod spendet: Als Vereinshymne des FC Liverpool hat das Lied die Fußballstadien der Welt erobert. Die deutschsprachige Erstaufführung von Carousel fand 1972 an der Volksoper statt (u. a. mit Bernd Weikl in der männlichen Hauptrolle und Hans Thimig als Sternwart). Nun gestalten Dirigent Joseph R. Olefirowicz und das Leading Team des Zauberer von Oz eine Neuproduktion, Regisseur Henry Mason zeichnet dabei auch für eine frische Übersetzung verantwortlich. Daniel Schmutzhard kehrt als Billy Bigelow an sein ehemaliges Stammhaus zurück.