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Der Kongress tanzt


„Sie kennen mich nicht, ...

... aber Sie haben schon viel von mir gehört“, so leitete Werner Richard Heymann gerne seine Auftritte vor Publikum ein. Tatsächlich trifft dieser Satz bis heute zu, denn während Heymann als Person kaum jemandem bekannt ist, sind viele seiner Melodien – nicht zuletzt durch die Comedian Harmonists – musikalisches Allgemein-Liedgut geworden. Heymanns Feder entstammen die Melodien der Schlager „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“, „Ein Freund, ein guter Freund“, „Irgendwo auf der Welt“ und natürlich „Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder“.

Komponist legendärer Filmmusik

Ab 1926 war Werner Richard Heymann für die UFA tätig, wo nach amerikanischem Vorbild zunächst ein 90-Mann-Orchester für die Stummfilmshows in den UFA-Filmpalästen aufgebaut wurde. Heymann begleitete bei der UFA die Ablösung des Stummfilms durch den Tonfilm und komponierte die Musik für die ersten „Tonfilm-Operetten“. Ab 1930 arbeitete er mit dem Textdichter Robert Gilbert zusammen; ihr erster gemeinsamer Schlager war „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“ für Die Drei von er Tankstelle mit Willi Fritsch, Oskar Karlweis, Heinz Rühmann und Lilian Harvey. Im Jahr darauf folgte, in der Regie von Erik Charell, „Der Kongress tanzt“, wieder mit Willy Fritsch und Lilian Harvey in den Hauptrollen sowie weiteren Stars – in Nebenrollen waren etwa Paul Hörbiger als Heurigensänger und Adele Sandrock als alternde Fürstin zu erleben. 1933 musste Heymann mit seiner Frau vor den Nazis fliehen und ging zunächst nach Paris. Es folgten Jahre voller Ungewissheit und großer finanzieller Probleme. 936 ließ sich Heymann in Hollywood nieder, doch es sollte einige Jahre dauern, bis er einigermaßen Fuß fassen konnte. 1938 schrieb er – gemeinsam mit Friedrich Hollaender – die Musik zu Ernst Lubitschs „Blaubarts achte Frau“, 1939 die Musik zu „Ninotschka“ (und nannte aus lauter Verehrung für die Garbo seine beiden Setter Nina und Notschka). Es folgte weitere Filmmusik für Lubitsch, unter anderem zu „Rendezvous nach Ladenschluss“ und „Sein oder Nichtsein“.

Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder“

Nach Kriegsende berichtete eine amerikanische Zeitschrift, wie am 8. Mai 1945 im völlig devastierten Berlin die Bewohner der Stadt zunächst gar nicht mitbekamen, dass der Krieg vorbei war. Es gab keinen Strom, also auch kein Radio, in den Straßen lagen zerstörte Panzer und Leichen von Deutschen und Russen. Beim Bahnhof Zoo „spielte ein russischer
Lautsprecherwagen die Melodie von ‚Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder ...‘, und dann sagte ein Sprecher: ‚Ich bitte um Ihre Aufmerksamkeit für eine wichtige Mitteilung: Alle deutschen Truppen haben die Waffen niedergelegt und bedingungslos kapituliert.“ Auch am New Yorker Times Square ertönte bei einer Siegesparade dieses Lied. 1951 kehrte Heymann nach Deutschland zurück und ließ sich in München nieder. 1961 erlitt er einen Schlaganfall, den er, trotz großer Schmerzen und einer halbseitigen Lähmung scherzhaft seinen „Schlageranfall“ nannte. Er starb am 30. Mai 1961.

Der Kongress tanzt auf der Bühne

Doch zurück zu dem Film, für den „Das gibt’s nur einmal“ entstanden ist: „Der Kongress tanzt“. Erik Charells Streifen von 1931 wurde noch zu Heymanns Lebzeiten, 1955, von Franz Antel neu verfilmt. Johanna Matz spielte darin die Christel, Rudolf Prack den Zaren und Karl Schönböck den Fürsten Metternich. Die an der Volksoper nun produzierte Bühnenfassung folgt im Wesentlichen dem Inhalt des Films, enthält aber noch viele weitere Schlager Werner Richard Heymanns, wie etwa „Du bist das süßeste Mädel der Welt“, „Hoppla, jetzt komm‘ ich“, „Du hast mir heimlich die Liebe ins Haus gebracht“ oder „Ich will nicht morgen schon dein Gestern sein“.

Christian Kolonovits hat Heymanns Musik für das Volksopernorchester in kleiner Besetzung neu arrangiert, um den feinen Klang der 30er Jahre neu zu beleben. Kolonovits übernimmt auch selbst die musikalische Leitung bei dieser Neuproduktion. Robert Meyer inszeniert die reizende Operettenhandlung, die am Rande des Wiener Kongresses spielt.


Der Kongress tanzt

Eine musikalische Komödie von Werner Richard Heymann nach dem gleichnamigen Film von Erik Charell
Neue Bühnenfassung von Michael Quast und Rainer Dachselt
Musikalische Arrangements von Christian Kolonovits

Premiere am 20. Februar 2016

Dirigent: Christian Kolonovits
Regie: Robert Meyer
Bühnenbild: Eva-Maria Schwenkel
Kostüme: Gertrude Rindler-Schantl
Choreographie: Florian Hurler
Dramaturgie: Helene Sommer

Metternich: Robert Meyer
Pepi: Michael Havlicek
Christel, Inhaberin des Handschuhladens zur schönen Schäferin: Anita Götz
Zar Alexander von Russland/Uralsky: Boris Eder
Bibikoff, Adjutant des Zaren: Thomas Sigwald
Komtesse: Ildiko Babos
Wellington: Wolfgang Gratschmaier
Talleyrand: Marco Di Sapia
König August von Sachsen: Axel Herrig
General von Piefke, Preußischer Gesandter: Bernd Birkhahn
Polnischer Gesandter: Franz Suhrada
Schweizer Gesandter: Gernot Kranner
Heurigensängerin: Agnes Palmisano
Finanzminister: Nicolaus Hagg
Bürgermeister: Fritz von Friedl
Fürstin: Regula Rosin
Gräfin: Renée Schüttengruber
Vollzugsbeamter: Georg Wacks