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Der Mann von La Mancha

„Träum' den unmöglichen Traum“

Am 22. November 1965 wurde „The Man of La Mancha“ in New York uraufgeführt. Jedoch nicht am Broadway, wie ursprünglich geplant, sondern an einer kleinen Off-Bühne im Greenwich Village, dem Anta Washington Square Theatre. An den Erfolg der naiven Fabel vom verwirrten Ritter als Musicalheld wollte anfangs niemand so richtig glauben – den meisten erschien das Musical, in dem es um echte Werte, den Sieg von Anstand, Wahrheit und Mitgefühl geht, zu intellektuell, und so kam das Stück erst drei Jahre später, im März 1968, endlich auch an den Broadway. Da war selbst Wien New York um einen Schritt voraus: Noch im Jänner 1968, also zwei Monate vor der offiziellen Broadway-Premiere, wurde „Der Mann von La Mancha“  im Theater an der Wien erstmals in deutscher Sprache aufgeführt. Auch in Wien reüssierte das Singspiel von Dale Wasserman, das mit der Musik von Mitch Leigh und Liedertexten von Joe Darion auf der ganzen Welt innerhalb kürzester Zeit zum Publikumsrenner avanciert war. 

Held oder Narr?

Die Geschichte ist bekannt: Als Verräter an Staat und Kirche wird der Dichter Miguel de Cervantes von der Inquisition eingekerkert, um auf sein Verhör zu warten. Doch schon im Gefängnis halten seine Mitgefangenen über ihn Gericht und wollen ihm sein ohnehin bescheidenes Eigentum abnehmen. Um das Manuskript des Don Quixote zu retten, inszeniert er gemeinsam mit den anderen Insassen die Geschichte des scheinbar verrückten Romanhelden Alonso Quijana. Zusammen mit seinem treuen Gefährten Sancho macht der sich auf, als Don Quixote den „unmöglichen Traum“ zu träumen, gerät an die berühmten Windmühlen, die ihm als furchtbarer Riese erscheinen, hält die arme Aldonza für seine edle „Dulcinea“, kämpft gegen den „Spiegelritter“ und stirbt zum Schluss unter Wahrung seiner ritterlichen Würde.

„El ingenioso hidalgo“, Miguel de Cervantes‘ „Ritter von der traurigen Gestalt“, ist eine der bedeutendsten Figuren der Weltliteratur. Sie inspirierte Salvador Dalí und Pablo Picasso und wurde in Theaterstücken, im Musiktheater, der Musik und im Film verewigt. Der New Yorker Regisseur, Drehbuch- und Theaterautor Dale Wasserman war fasziniert von der Lebensgeschichte des Don Quijote-Autors Cervantes, die er in seinem Bühnenstück mit Episoden aus dessen berühmten Ritter-Epos verknüpfte.

Ist es Wahnsinn, sich Träumen hinzugeben? 

Mehr als zehn Jahre ist es her, dass an der Volksoper Mitch Leighs „Mann von la Mancha“ erstmals aufgeführt wurde. In der Titelpartie war 1994 Kammerschauspieler Karlheinz Hackl zu erleben. Der Sancho der damaligen Produktion, Robert Meyer, schlüpft nun höchstpersönlich in die schäbigen Kleider des „Ritters von der traurigen Gestalt“, begleitet von seinem treuen Diener Sancho (Boris Pfeifer) und seiner „Dulcinea“ (Patricia Nessy). Regisseur Olivier Tambosi wendet sich mit dem Mann von La Mancha erstmals einem Musical zu und setzt auf Reduktion. Auf der Bühne steht lediglich ein graues Gefängnis: „Alles ist improvisiert. Die Ingredienzien zum Stück hat Quixote im Theaterkoffer mit dabei, und in seiner Fantasie“, so Tambosi.

Ist Don Quixote ein Verrückter oder vor allem ein Fantast, der an seine Träume glaubt? So formulierte es der unbeugsame Ritter selbst: „Vielleicht ist es Wahnsinn, sich Träumen hinzugeben. Vielleicht ist es auch Wahnsinn normal zu sein. Aber ganz sicher ist es der allergrößte Wahnsinn, das Leben so zu sehen, wie es ist, und nicht so, wie es sein sollte“.


Der Mann von La Mancha

Musical in zwei Akten von Mitch Leigh, Dale Wasserman mit Gesangstexten von Joe Darion in der Deutschen Fassung von Robert Gilbert.

Premiere am Samstag, 17. Oktober 2015

Dirigent: Lorenz C. Aichner
Regie: Olivier Tambosi
Bühnenbild und Kostüme: Friedrich Despalmes
Choreographie: Stephan Brauer 
Dramaturgie: Christoph Wagner-Trenkwitz

Don Quixote (Cervantes): Robert Meyer
Sancho (Diener): Boris Pfeifer
Aldonza: Patricia Nessy
Der Gastwirt (Gouverneur): Christian Graf
Der Padre: Mehrzad Montazeri/Christian Drescher
Dr. Carrasco (Herzog): Christian Dolezal
Antonia: Martina Dorak
Der Barbier: Thomas Sigwald
Gefangene: Susanne Litschauer, Oliver Liebl, Thomas Huber, Roman Martin, Christian Schleinzer, Stefan Bischoff, Jeffrey Treganza, Wolfgang Gratschmaier, Lynsey Thurgar, Rita Sereinig
Gitarrist: Jonathan Bolivar