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Die Hochzeit des Figaro

Als am Abend des 27. April 1784 das adelige Publikum in die Comédie Française strömte, um der Uraufführung der Komödie „La folle Journée ou Le Mariage de Figaro“ beizuwohnen, ahnten die Damen und Herren nicht, dass sie Zeugen eines der tollsten Tage in der französischen Theatergeschichte werden sollten. Unter ihnen saß erschöpft, aber hochzufrieden auch der Verfasser selbst, Pierre Augustin Caron de Beaumarchais. Endlich war es ihm nach langwierigen Kämpfen mit der Zensur gelungen, den explosiven Stoff an die Öffentlichkeit zu bringen. Frankreichs Hofgesellschaft tobte vor Begeisterung über ein Stück, das den Adel lächerlich machte, die Obrigkeit attackierte, die Justiz beleidigte oder soziale Forderungen zum Ausdruck brachte. Auch im josephinischen Wien war Beaumarchais’ Drama längst in allen Salons verbreitet, als Mozart es in die Hände bekam und darin das Potential für einen gelungenen Opernplot erkannte. Er ließ Da Ponte ein geeignetes Libretto schreiben, und glaubt man dem Bericht des Librettisten, war die Arbeit an „Le nozze di Figaro“ nach nur sechs Wochen beendet.

Am 1. Mai 1786 wurden „Figaro“ im Wiener Hoftheater unter der Leitung des Komponisten, im Beisein des Kaisers uraufgeführt. Und während nur drei Jahre später die Bürger von Paris der Bourbonen-Monarchie ein blutiges Ende bereiteten, blieb es in Wien ruhig. Zu ruhig? In der Zeit, als Figaro entstand, wurden revolutionäre Ideen in Europa zum integralen Bestandteil des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens. Mozart war kein politischer Revolutionär. Aber er war ein Kind seiner Zeit, und so ist es nicht verwunderlich, dass er sich den Idealen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit verpflichtet fühlte. „Le nozze di Figaro“ enthält viele Provokationen. Gewiss werden die komische Intrige und die Frivolität des Stoffes Mozart gereizt haben. Neben dem revolutionären Geist des Werks schuf er mit seiner Musik berührende Charaktere, die mit menschlichen Problemen zu kämpfen haben: Leidenschaften und Amouren, gesellschaftliche und erotische Sehnsüchte, Niederlagen und Siege der Liebe. Und wenn zum Schluss der entlarvte Graf vor seiner Frau auf die Knie fällt, schenkt uns Mozart einen Augenblick wahrhafter Versöhnung. Eine Utopie, die bis heute keine Revolution erreichen konnte.

Im November 2012 feierte die bereits zweite Inszenierung der „Hochzeit des Figaro“ von Marco Arturo Marelli Premiere an der Volksoper. Nach dem großen Erfolg seiner ersten Inszenierung von 1989, die bis 2009 140-mal aufgeführt wurde, überarbeitete Marelli sein ursprüngliches Konzept. Die eleganten Rokoko-Kostüme wurden von Dagmar Niefind behutsam modernisiert, Marellis Bühne ist eine kunstvolle Zusammensetzung zweier barocker Gemälde von Francisco Bayeu und Daniel Gran. Jetzt kehrt Mozarts Meisterwerk auf die Bühne der Volksoper Wien zurück. Die musikalische Leitung bei der Wiederaufnahme übernimmt Christof Prick. Als Susanna ist erstmals Anita Götz zu erleben, die Rolle des Grafen Almaviva singt Günter Haumer. Volksoperndebütanten sind David Steffens als Figaro und Amira Elmadfa als Cherubino.



Die Hochzeit des Figaro

Komische Oper in vier Akten von Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791)
Text von Lorenzo Da Ponte nach „La folle journée ou Le mariage de Figaro“ von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais
Deutsche Übersetzung von Nicolas Brieger und Friedemann Layer

In deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Wiederaufnahme am Sonntag, 30. Oktober 2016
Weitere Vorstellungen am 4., 12., 18., 21., 25. November, 1. Dezember 2016

Dirigent: Christof Prick/Wolfram-Maria Märtig
Regie und Bühnenbild: Marco Arturo Marelli
Kostüme: Dagmar Niefind
Choreinstudierung: Holger Kristen

Graf Almaviva: Günter Haumer/Daniel Ochoa
Gräfin Almaviva: Melba Ramos/Birgid Steinberger
Susanna, deren Kammermädchen: Anita Götz/Mara Mastalir
Figaro, Kammerdiener des Grafen: David Steffens/Yasushi Hirano
Cherubino, Page des Grafen: Amira Elmadfa/Julia Koci
Marcellina: Sulie Girardi/Regula Rosin
Bartolo, Arzt aus Sevilla: Andreas Mitschke/Stefan Cerny
Basilio, Musikmeister: Jeffrey Treganza/Christian Drescher
Don Curzio, Richter: Christian Drescher/David Sitka
Antonio, Gärtner des Grafen: Daniel Ohlenschläger
Barbarina, seine Tochter: Elisabeth Schwarz/Juliette Khalil