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Don Giovanni

Viva la libertà!

Held oder Antiheld? Täter? Opfer? Skrupelloser Verführer? Faszinierender Frauenheld? Wer ist er, dieser wohl berühmteste Schwerenöter der Musikgeschichte? Was ist das für ein Typ Mann, was fasziniert die Frauen, lässt sie Ruf und Ehre vergessen und sich ihm hingeben? Warum handelt er so? Was treibt ihn dazu? Kaum eine Oper gibt ihren Zuhörern und Interpreten so viele Rätsel auf wie Don Giovanni, kaum eine andere Figur fasziniert und verstört uns zugleich. Nicht umsonst zählt das Meisterwerk aus der Feder Mozarts und seines kongenialen Librettisten Da Ponte um den Frauenverführer, der sein ausschweifendes Draufgängertum mit einer spektakulären Höllenfahrt bezahlt, zu den meistgespielten Werken des Opernrepertoires.

Zeitloses Welttheater

Nachdem die Wiener Erstaufführung im alten Burgtheater am 7. Mai 1788 noch etwas verhalten aufgenommen wurde, entdeckte das Publikum spätestens mit der Neuinszenierung aus dem Jahr 1817 seine Liebe zu „Don Giovanni“. Innerhalb weniger Jahre wurde Mozarts dramma giocoso das meistgespielte Stück an der Hofoper, wobei es sowohl Aufführungen in der italienischen Originalsprache als auch auf Deutsch gab. Am Kaiserjubiläums-Stadttheater, der heutigen Volksoper, wurde „Don Giovanni“ 1906, anlässlich der Feierlichkeiten rund um Mozarts 150. Geburtstag erstaufgeführt; zuletzt war die Oper hier in der Inszenierung von Marco Arturo Marelli zu sehen, und der damals 26-jährige dänische Bariton Bo Skovhus in der Titelrolle entfachte nach der Premiere am 17. Dezember 1988 ein wahres Fieber in der Großstadt. Bis zum 22. Dezember 2006 war die Produktion insgesamt neunundfünfzig Mal zu sehen.

Die große Triebkraft – stark, unvermeidbar

Man darf gespannt sein, welche Sichtweise Achim Freyer für seine Neuinszenierung finden wird. Erstmals seit Rossinis „Cenerentola“ kehrt der Theatermagier an die Volksoper zurück – als Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner. Hier konzipiert er Mozarts Meisterwerk völlig neu – nach seiner Inszenierung für das Teatro La Fenice in Venedig 1996 und einer weiteren Umsetzung 1998, die als Koproduktion für die Schwetzinger Festspiele, Straßburg, Lissabon und Montpellier entstand.

Achim Freyer sieht Don Giovanni als zeitlosen Archetypen. „Er steht für die virile Naturkraft, für die Sinnlichkeit und für die Freiheit“. Diese Kraft sei etwas sehr Wertvolles, Seltenes und zugleich Gefährliches. „Im realen Leben halten wir uns doch alle an gewisse Regeln. Giovanni hält sich an gar nichts. Er steht außerhalb der gesellschaftlichen Konventionen. Dafür wird er von der Gesellschaft verdammt“. Auf der Bühne möchte Achim Freyer die Ängste, die Sehnsüchte und die Utopien des Menschen sprechen lassen – jene Kräfte, die ihn als Maler und Theatermacher antreiben.


Don Giovanni

Dramma giocoso in zwei Akten von Wolfgang Amadeus Mozart 
Libretto von Lorenzo Da Ponte, deutsche Übersetzung von Walther Dürr

In italienischer und deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere am 14. November 2015

Dirigent: Jac van Steen
Regie, Bühnenbild und Kostüme: Achim Freyer
Choreinstudierung: Holger Kristen
Dramaturgie: Helene Sommer

Don Giovanni: Josef Wagner/Daniel Ochoa
Donna Anna: Kristiane Kaiser/Melba Ramos
Don Ottavio: Jörg Schneider/JunHo You
Komtur: Andreas Mitschke/Bartosz Araszkiewicz
Donna Elvira: Caroline Melzer/Esther Lee
Leporello: Mischa Schelomianski/Yasushi Hirano
Masetto: Ben Connor/ Daniel Ohlenschläger
Zerlina: Anita Götz/Mara Mastalir

Achim Freyer

Bevor er sich dem Theater zuwandte absolvierte der gebürtige Berliner zunächst ein Studium der Gebrauchsgrafik und eine Ausbildung zum Maler. Anschließend arbeitete er zunächst als Bühnen- und Kostümbildner u.a. mit Bertolt Brecht, Ruth Berghaus und Claus Peymann zusammen. Ab 1977 entstanden eigene zahlreiche Regiearbeiten am Nationaltheater München, der Staatsoper Stuttgart, der Hamburgischen Staatsoper, dem Burgtheater Wien, dem Gran Teatro La Fenice Venedig, der Deutschen Oper Berlin, der Los Angeles Opera, der Staatsoper Unter den Linden Berlin, dem Opernhaus Zürich und vielen anderen. 1991 gründete er das Freyer-Ensemble, mit dem er seither mehr als 20 eigene Theaterstücke unterschiedlichster Thematik und Form entwickelte. 2011 wählte das Magazin Opernwelt Achim Freyer zum Regisseur des Jahres.Neben seiner Tätigkeit für das Theater fanden immer wieder Kunstaktionen und Ausstellungen seiner Arbeiten statt, so u.a. im Mannheimer Kunstverein, der Musikbiennale Venedig, der dokumenta 6 und 8 in Kassel. 2012 eröffnete das Kunsthaus der Achim-Freyer-Stiftung in Berlin. Von 1976 bis 1999 hatte er zudem eine Professur für Bühnenbild an der Hochschule der Künste Berlin inne. Achim Freyer ist außerdem Mitglied der Akademie der Künste Berlin, der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste Bensheim, der Sächsischen Akademie der Künste Dresden, der Bayerischen Akademie der Schönen Künste München und Gründungsmitglied der Freien Akademie der Künste zu Leipzig. Nach seiner Inszenierung von „La Cenerentola“ 1997 kehrt Achim Freyer 2015 als Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner von „Don Giovanni“ an die Volksoper zurück.

Jac van Steen

Der gebürtige Niederländer studierte Orchester- und Chordirigieren sowie Musiktheorie am Brabants Conservatorium in Tilburg. Von 1989 bis 1994 leitete er die Nürnberger Symphoniker, von 1999 an war er Chefdirigent und musikalischer Leiter des Neuen Berliner Kammerorchesters, mit dem er eine eigene Konzertreihe im Konzerthaus Berlin gestaltete. Von 2002 bis 2005 war Jac van Steen Generalmusikdirektor am Deutschen Nationaltheater und Chefdirigent der Staatskapelle Weimar. 2002 bis 2008 folgte er Heinrich Schiff als Chefdirigent und musikalischer Leiter des Musikkollegiums nach. Mit diesem Klangkörper erhielt er den „Preis der Deutschen Schallplattenkritik“ für die „künstlerisch herausragende Veröffentlichung“ von Frank Martins „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets“ Christoph Rilke. Von 2008 bis 2013 war van Steen Generalmusikdirektor der Dortmunder Philharmoniker.

In England dirigiert er mit großer Regelmäßigkeit das BBC Symphony Orchestra London, mit dem er mehrere CD- und Rundfunkaufnahmen herausgebracht hat. Außerdem dirigiert Jac van Steen regelmäßig das Royal Scottish Orchestra, die London Sinfonietta, das Philharmonia Orchestra London, das City of Birmingham Symphony Orchestra und das Orchester der Opera North. Zudem ist Jac van Steen als Professor am Koninklijk Conservatorium in Den Haag tätig. An der Volksoper dirigierte Jac van Steen Loriots „Der Ring an einem Abend“ (2013) und die Neuinszenierung von Mozarts „Don Giovanni“ (2015).