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Fürst Igor

„Wer die Wölfe fürchtet …“

„Für andere ist Komponieren eine öffentliche Sache, Verpflichtung, Lebensziel – bei mir ist es Erholung, Spaß, eine Laune, die mich von meinen tatsächlichen Aufgaben ablenkt“, bekannte Alexander Borodin einmal. Er war international angesehener Chemiker und Professor an der Petersburger Akademie, ein umtriebiger Reformer, der sich insbesondere für Gleichstellung von Männern und Frauen an den russischen Universitäten einsetzte.

Als ihm im April 1869 der Literat Wladimir Stassow ein Opernszenarium auf der Basis des „Igor-Liedes“ übersandte, war Borodin dennoch begeistert. „Wer die Wölfe fürchtet, sollte nicht in den Wald gehen. Ich probiere es“, schrieb er an den Freund Stassow zurück und machte sich wenig später daran, aus dem Epos, das ins seiner Bedeutung mit dem Nibelungenlied vergleichbar ist, ein musikalisches Drama zu gestalten – beinahe zwei Jahrzehnte sollte er daran arbeiten. Als Alexander Borodin am 27. Februar 1887 nur 53-jährig überraschend starb, hinterließ er das Werk unvollendet. Seine Freunde Nikolai Rimski-Korsakow und Alexander Glasunov ergänzten die Partitur.

1890 wurde „Fürst Igor“ am Petersburger Mariinski Theater uraufgeführt und zählt zu den wichtigsten russischen Nationalopern. Auf internationalen Bühnen ist er dennoch nur selten zu sehen. In Wien wurde das Stück (abgesehen von zwei Gastspielen) zuletzt 1960 an der Staatsoper gespielt, wo zwei spätere Volksopern-Direktoren aufeinander trafen: Eberhard Waechter in der Rolle von Fürst Igor und Karl Dönch als Skula.

Erstmals wird Borodins Meisterwerk an der Volksoper Wien gezeigt. Thomas Schulte-Michels inszeniert die Oper, Alfred Eschwé steht am Pult des Orchesters der Volksoper Wien. Die Partie des Fürsten Igor, der in den Krieg gegen die Polowetzer zieht, vernichtend geschlagen und gefangengenommen wird, übernimmt Sebastian Holecek, Melba Ramos singt seine Gattin Jaroslawna. Martin Winkler spielt ihren Bruder, den Fürsten Galitzky, der in Igors Abwesenheit ein Schreckensregime errichtet. Sorin Coliban ist der Polowetzer Khan Kontschak, der versucht, Igor auf seine Seite zu ziehen, Vincent Schirrmacher verkörpert Igors Sohn Wladimir, der sich in der Gefangenschaft in die Tochter des Khans verliebt (Martina Mikelić als Kontschakowna). Stefan Cerny und Christian Drescher geben die Wendehälse Skula und Eroschka.

Thomas Schulte-Michels erzählt die Geschichte in der von Borodin ursprünglich gewünschten Abfolge: Die Bilder in der russischen Heimat wechseln mit jenen in der Gefangenschaft ab. Der erste Teil des Abends klingt mit den berühmten „Polowetzer Tänzen“ aus.

Für den Regisseur haben die in der Oper verhandelten Konflikte an Aktualität nichts verloren. „Wir leben in einem Europa, in dem wieder Nationalismus und Chauvinismus aufkommen. Ich finde das abartig. Putin und Obama hätten es in der Hand, Frieden zu machen. Stattdessen rasseln sie mit den Säbeln“, sagte er kürzlich in einem Interview mit der Theaterzeitschrift „Bühne“.


Fürst Igor

Oper von Alexander Borodin in einem Prolog und vier Akten. Text vom Komponisten nach dem „Igor-Lied“

In deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere am 19. März 2016

Dirigent: Alfred Eschwé
Regie und Bühnenbild: Thomas Schulte-Michels
Kostüme: Renate Schmitzer
Choreographie: Teresa Rotemberg
Choreinstudierung: Holger Kristen
Dramaturgie: Christoph Wagner-Trenkwitz


Fürst Igor: Sebastian Holecek/Alik Abdukayumov
Jaroslawna: Melba Ramos/Caroline Melzer
Wladimir: Vincent Schirrmacher/Mehrzad Montazeri
Fürst Galitzky: Martin Winkler/Morten Frank Larsen
Kontschak: Sorin Coliban/Andreas Mitschke
Kontschakowna: Martina Mikelić/Annely Peebo
Owlur: Karl-Michael Ebner/Jeffrey Treganza
Skula: Stefan Cerny/Yasushi Hirano
Jeroschka: Christian Drescher/David Sitka