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Hoffmanns Erzählungen

„Das Glück im Rausche such‘ ich besessen…“

„Ich habe ein schreckliches, unüberwindbares Laster“, sagte Jacques Offenbach von sich selbst, „ich arbeite die ganze Zeit. Ich habe Mitleid mit den Leuten, die meine Musik nicht mögen, denn ich werde wahrscheinlich mit einer Melodie in der Feder sterben.“ Und so kam es auch: als der Tod dem Komponisten 1880 buchstäblich die Feder aus der Hand nahm, arbeitete dieser gerade an seiner Oper „Hoffmanns Erzählungen“. Mit diesem Werk wollte er sich endlich seinen Lebenswunsch erfüllen: nicht nur als geniale Schöpfer der „leichten Muse“, sondern auch als echter Opernkomponist ernst genommen zu werden. Den Wettlauf mit der Zeit verlor Offenbach. Er hinterließ kaum mehr als ein Fragment, das unzählige Fassungen und Varianten nach sich zog.

Der Teufel schläft nicht

Die Uraufführung von Hoffmanns Erzählungen fand ein halbes Jahr nach Offenbachs Tod in Paris statt. Weder der verheerende Ringtheaterbrand 1881 in Wien während einer Vorstellung noch jener 1887 in Paris, wo das gesamte Orchestermaterial in Flammen aufging, konnten den Siegeszug aufhalten. Ob hier der Teufel seine Hände mit im Spiel hatte?, so fragen sich André Barbe und Renaud Doucet. Schließlich war sein Ruf schon in „Orpheus in der Unterwelt“ arg beschädigt worden. Jedenfalls spielt er, der Teufel, in wechselnden Gestalten auch in „Hoffmanns Erzählungen“ eine zentrale Rolle: Er ist es, der die Liebesgeschichten des Titelhelden mit der Puppe Olympia, der todgeweihten Antonia, der Kurtisane Giulietta und schließlich mit der Sängerin Stella vereitelt. Für Hoffmann bleiben der Rausch und der Trost in der Kunst, zu der ihn die treue Muse zurückführt.

Träume oder Albträume?

Nach dem fulminanten Erfolg in Bonn, kommt die spektakuläre Inszenierung des kongenialen Regieduos Renaud Doucet und André Barbe, das hier bereits erfolgreich „The Sound of Music“, „Turandot“ und „Rusalka“ auf die Bühne brachte, nun an die Volksoper Wien. Als Dichter Hoffmann kehrt Mirko Roschkowski ans Haus zurück, die Rolle der Muse/Nicklaussen übernimmt Julitte Mars, Beate Ritter singt die Olympia, Anja-Nina Bahrmann die schwermütige Antonia und Kristiane Kaiser die Kurtisane Giulietta. Josef Wagner (an der Volksoper zuletzt als Guglielmo in „Così fan tutte“ und als Don Giovanni erfolgreich) spielt in wechselnder Gestalt Lindorf, Coppélius, den nosferatuhaften Dr. Miracle und Dapertutto. Gerrit Prießnitz dirigiert das Orchester der Volksoper Wien.

Sind „Hoffmanns Erzählungen“ Träume oder Albträume? Für den Regisseur und seinen Ausstatter sind sie jedenfalls erfüllt von Drama, Lachen, Spektakel. „Vor allem sind sie eine Reise ins Unbewusste eines Komponisten, der versuchte, Liebe zu finden und sein ultimatives Meisterwerk zu schaffen“.


Hoffmanns Erzählungen

Phantastische Oper in fünf Akten, herausgegeben von Michael Kaye und
Jean-Christophe Keck. Text von Jules Barbier nach dem Schauspiel von Jules Barbier und Michel Carré.

In deutscher und französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere am Samstag, 15. Oktober 2016
Weitere Vorstellungen am 19., 23., 25. Oktober, 
3., 6., 14., 23., 29. November, 10. Dezember 2016

Dirigent: Gerrit Prießnitz
Regie und Choreographie: Renaud Doucet
Bühnenbild und Kostüme: André Barbe
Licht: Guy Simard
Choreinstudierung: Thomas Böttcher
Dramaturgie: Christoph Wagner-Trenkwitz 

Hoffmann: Mirko Roschkowski/Wolfgang Schwaninger
Die Muse/Niklaus: Juliette Mars/Elvira Soukop
Olympia: Beate Ritter/Elisabeth Schwarz
Antonia: Anja-Nina Bahrmann/Çigdem Soyarslan
Giulietta: Kristiane Kaiser/Ursula Pfitzner
Stella: Ursula Pfitzner/Renate Pitscheider
Lindorf/Coppelius/Doktor Mirakel/Dapertutto
Josef Wagner/Jochen Kupfer
Cochenille/Franz/Pitichinaccio
Christian Drescher/Alexander Pinderak
Luther/Crespel: Stefan Cerny/Andreas Mitschke
Andres/Spalanzani: Karl-Michael Ebner/Thomas Sigwald
Stimme der Mutter Antonias: Martina Mikelic/Annely Peebo
Hermann: Ben Connor
Nathanael: David Sitka
Wolfram/Schlemihl: Alexandre Beuchat*
Wilhelm: Maximilian Klakow

Gerrit Prießnitz

Gerrit Prießnitz wurde in Bonn geboren. Nach seinem Studium an der Salzburger Universität Mozarteum bei Dennis Russell Davies und Karl Kamper war er von 2001 bis 2006 Kapellmeister am Theater Erfurt. Seit der Spielzeit 2015/16 gehört Gerrit Prießnitz zu den Dirigenten der Volksoper Wien, wo er von 2006 bis 2013 Kapellmeister war und neben Mozart, Puccini, R. Strauss und Krenek auch Werke wie „Rusalka“, „Der Freischütz“, „Carmen“ oder Henzes „Wundertheater“ sowie Operette und Ballett dirigiert hat. Im April 2013 leitete er an der Wiener Staatsoper die Premiere von Hans Werner Henzes „Pollicino“. An der Oper Köln stand Gerrit Prießnitz bei „Ariadne auf Naxos“, „Die Csárdásfürstin“, „Rigoletto“, „Die Fledermaus“ und „The Turn of the Screw“ am Pult. Mit einer konzertanten Aufführung von Beethovens „Fidelio“ debütierte er 2014 im Concertgebouw Amsterdam, die Neuproduktionen von Brittens „Albert Herring“, „Ein Reigen“ und „Frau Luna“ führten ihn als Gast zurück an die Volksoper Wien. Mit der Premiere von Offenbachs „La Belle Hélène“ gab er sein Debüt an der Hamburgischen Staatsoper. Gerrit Prießnitz arbeitet mit den führenden Sängern unserer Zeit wie Piotr Beczala, Linda Watson, Vesselina Kasarova, Kurt Rydl, Jennifer Larmore und Klaus Florian Vogt zusammen. Gastspiele führten ihn mehrfach nach Japan, zum Bruckner Orchester Linz, nach Graz, Luzern, Bologna, Bari und zu verschiedenen deutschen Orchestern und Opernhäusern. An der Volksoper Wien übernimmt Gerrit Prießnitz in der kommenden Saison die musikalische Leitung der Neuproduktion von „Hoffmanns Erzählungen“ und eröffnet mit Manfred Trojahns „Oper Limonen aus Sizilien“ die neue Spielstätte der Volksoper für zeitgenössisches Musiktheater, das Kasino am Schwarzenbergplatz.

André Barbe & Renaud Doucet

Nach getrennten Anfängen in Tanz, Theater, Fernsehen und im Opernbereich arbeiten der Regisseur und Choreograph Renaud Doucet und der Bühnen- und Kostümbildner André Barbe seit 2000 als Team unter der Marke „Barbe & Doucet“ zusammen. Ihre Zusammenarbeit erlangte internationale Aufmerksamkeit u. a. mit Massenets „Cendrillon“ (Strasbourg, Marseille, Karlsruhe, New York, Montréal), „Thaïs“ (Opéra de Montréal, Boston Lyric Opera), „Pénélope“ und „Si j’étais roi“ (Wexford Opera Festival), „Pelléas et Mélisande“ und „The Rape of Lucretia“ (Montréal). Einen besonderen Höhepunkt markierte die Spielzeit 2009/10 als Renaud Doucet und André Barbe eine ganze Spielzeit an der Florida Grand Opera in Miami verantworteten und „Lucia di Lammermoor“, „Pagliacci“, „Suor Angelica“, „Il barbiere di Siviglia“ und „Carmen“ auf die Bühne brachten. Zu ihren Arbeiten aus den letzten Spielzeiten zählen „La cenerentola“ für die Hamburgische Staatsoper, „Turandot“ für die Seattle Opera und Minnesota Opera und Richard Wagners „Die Feen“ in einer Koproduktion zwischen der Oper Leipzig und den Bayreuther Festspielen im Wagnerjahr 2013. An der Volksoper feierten die beiden große Erfolge mit ihren Inszenierungen von „The Sound of Music“ (2005), „Turandot“ (2006) und zuletzt „Rusalka“ (2010). In der laufenden Spielzeit kehren sie mit einer Neuproduktion von „Hoffmanns Erzählungen“ nach Wien zurück.

Mirko Roschkowski

Der Tenor Mirko Roschkowski stammt aus Dortmund und studierte Gesang bei Lothar Trawny in Gelsenkirchen. Er erweiterte seine Ausbildung in Meisterkursen u.a. bei Edda Moser, Margreet Honig, Deon van der Walt, Christoph Prégardien und Horst Laubenthal. Erste Engagements führten ihn nach Detmold und Bremerhaven, danach war er an den Opernhäusern in Düsseldorf/Duisburg, Bonn und Köln engagiert. Sein Repertoire umfasst besonders die großen Mozartpartien wie Tamino, Belmonte, Don Ottavio, Belfiore und Idomeneo. Aber auch als Faust, Don José („Carmen“), Rusalka-Prinz, Lenski („Eugen Onegin“), Achilles („Iphigenie in Aulis“), Monteverdis „Ulisse“ oder Barinkay („Der Zigeunerbaron“) konnte er große Erfolge verbuchen. Als Gast war er bereits an der Semperoper in Dresden (Tamino), der Staatsoper Unter den Linden (Belmonte), der Komischen Oper Berlin (Prinz, „Die Liebe zu den drei Orangen“), der Staatsoper Stuttgart (Lenski, Lucio Silla, Iopas), der Oper Leipzig (Achilles), den Seefestspielen Mörbisch (Symon) und der Volksoper Wien (Tamino, Belmonte, René) zu erleben. Er arbeitete u.a. mit den Regisseuren Nicolas Brieger, Philipp Himmelmann, Peter Konwitschny, Christoph Loy, Uwe Laufenberg und Dietrich Hilsdorf zusammen. Mirko Roschkowski hat zudem ein breites Lied- und Konzertrepertoire. Er sang u.a. im Concertgebouw Amsterdam, in der Tonhalle Zürich, der Tonhalle Düsseldorf, dem Konzerthaus Dortmund und der Kölner Philharmonie, sowie bei den Ludwigsburger Festspielen und dem Rheingau Festival.