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Cendrillon

Wem gehört der Schuh?

Dem Publikum der Volksoper Wien bereits bestens bekannt durch seinen erfolgreichen Ballettabend "Mozart à 2 | Don Juan", stellt Choreograph Thierry Malandain mit "Cendrillon" am 13. November 2016 seine ganz eigene Sicht auf die – nicht nur in der Ballettwelt – oftmals interpretierte Geschichte von "Aschenputtel" vor, dem von der Stiefmutter gedemütigten Mädchen, für das schließlich ein Traum wahr wird. An der Volksoper stand zuletzt in den 90er Jahren Susanne Kirnbauers phantasie- und humorvolle Fassung auf der Bühne.

Auf Basis der Dramaturgie von "Aschenputtel" und der Musik von Sergej Prokofjew entwickelte Thierry Malandain einen sehr persönlichen Zugang und griff Themen auf, die ihn berühren. "Cendrillon" beschreibt in der Deutung Malandains den Weg eines aufgehenden Sterns, eines „tanzenden Sterns“ – den Werdegang eines Tanzstars. Der Choreograph sieht in der bekannten Geschichte etwas Universelles und lädt sein Publikum ein, ihn auf diesem Weg zu begleiten: „Einem Weg, der durch Zweifel, Entbehrung, Schmerz und Hoffnung führt, bis er schließlich das Licht erreicht.“

Maßgeblich ließ sich Malandain bei diesem Prozess auch von der Ballettmusik Prokofjews (und dem dazugehörigen Ballettlibretto von Nikolai Wolkow) inspirieren, dessen "Aschenputtel", op. 87 in der Choreographie von Rostislaw Sacharow 1945 am Moskauer Bolschoi-Theater uraufgeführt wurde. Für Malandain besitzt diese Partitur „eine unglaublich ausdrucksstarke Schönheit“ und Prokofjew ließ damit die Tradition Tschaikowskis wieder aufleben, indem er "Aschenputtel" als klassisches Ballett mit Variationen, Adagios und Pas de deux komponierte. 

Wie bereits in "Romeo und Julia", op. 64 spiegelt die Musik mittels Leitmotiven die jeweilige Stimmungslage der Protagonisten wider. Die dazu eingesetzten stilistischen Mittel der Bewegung arbeiten mit starken, unvergesslichen Bildern, etwa im Falle der bösen Stiefmutter sowie der zwei Schwestern – alle drei Rollen werden dabei en travestie getanzt, d. h. von männlichen Tänzern verkörpert (u. a. László Benedek in der Rolle der Stiefmutter sowie Samuel Colombet und Keisuke Nejime als Schwestern). 

Das symbolische Spiel auf vielen Ebenen setzt sich in dem von Jorge Gallardo gestalteten Bühnenbild fort, welches von schwarzen Stöckelschuhen dominiert wird. Die Kostüme sind bewusst in Grautönen gehalten, auf Farbe wird verzichtet. Die Lichtstimmungen von Jean-Claude Asquié – größtenteils in Blau- und Violetttönen – bringen hingegen Farbe auf die Bühne.

Dazwischen streut der Choreograph immer wieder mit sicherer Hand Kommentare zur Ballettgeschichte ein – so werden für das Ballett typische Bewegungsmuster entfremdet, indem sie im Liegen statt im Stehen und erst später an der Stange gezeigt werden. Auf diese Weise wird das Werk zur Parabel über den Lauf des Lebens und die Entwicklung der Persönlichkeit an sich.

Wenn Thierry Malandains "Cendrillon" auch kein typisches „Märchen- und Familienballett“ à la Michael Corders "Die Schneekönigin" ist, so verspricht es – insbesondere für Erwachsene – einen Ballettabend voller Magie, Spiritualität und Ideenreichtum. 

2014 wurde Thierry Malandain für dieses Stück mit dem Taglioni Award in der Kategorie „Bester Choreograph“ ausgezeichnet.

Cendrillon
(Aschenputtel)

Ballett in zwei Akten von Thierry Malandain mit Musik von Sergej Prokofjew in der Bearbeitung von Daryl Griffith

Premiere am 13. November 2016
Weitere Vorstellungen am 17., 27. November,
5. Dezember 2016, 16., 22., 26., 29. Jänner 2017

Dirigent: Guillermo García Calvo
Choreographie: Thierry Malandain
Ausstattung: Jorge Gallardo
Licht: Jean-Claude Asquié

Mit: Mila Schmidt, Elena Li, László Benedek, Samuel Colombet, Andrés Garcia-Torres, Patrik Hullman, Keisuke Nejime, Gleb Shilov u. a.