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Csárdás und Elfmeter, Paillettenkleid und Fußballtrikot

Zur Premiere von „Roxy und ihr Wunderteam“
Ab 11. September 2021

Wo sind die Zeiten, als die österreichische Fußball-Nationalmannschaft als „Wunderteam“ tituliert wurde? Das war zu Beginn der 1930er Jahre. Im März 1937 feierte eine danach benannte österreichische (und dank dem Komponisten ungarisch geprägte) Vaudeville-Operette ihre umjubelte Uraufführung im Theater an der Wien. Nun haucht die Volksoper Paul Abrahams „Roxy und ihr Wunderteam“ – einem schwungvollen Meisterwerk aus der Spätzeit der Operette – neues Leben ein.

Aber wer ist Roxy? Die selbstbewusste Nichte eines schottischen Mixed-Pickles-Fabrikanten, die von ihrer eigenen Hochzeit flüchtet und lieber der ungarischen Mannschaft (und insbesondere dem feschen Mittelstürmer Gjurka) ins Trainingslager am Plattensee folgt. Turbulent wird es, als dort die Schülerinnen eines Mädchenpensionats auf die jungen Sportler treffen. Wird es den Herren unter diesen Umständen möglich sein, das Entscheidungsspiel gegen England zu gewinnen?

Die schillernde Revue-Operette in der Regie von Hausdebütant Andreas Gergen sprüht vor Humor, Sexappeal und dem Testosteron der Fußballelf. Die musikalische Einrichtung zwischen Csárdas, Jazz und Operettenschmelz stammt von Kai Tietje, der erstmals am Pult des Volksopernorchesters steht. Als sexy Roxy verdreht die junge Wiener Musicaldarstellerin Katharina Gorgi dem Fußballteam und dem Publikum den Kopf. Das ehemalige Mitglied des Kinderchors ist erstmals in einer Hauptrolle an der Volksoper zu erleben. Jörn-Felix Alt ist der ernsthafte und schüchterne Mittelstürmer Gjurka Karoly das Objekt ihrer Begierde, Robert Meyer ihr knausriger schottischer Onkel Sam Cheswick und Christoph Wagner-Trenkwitz tauscht Frack gegen Trikot und versucht sich erstmals als Fußballkommentator. 

Glückliche Reise, wer klug ist und weise – Der Untergang einer (Operetten-)Ära

Zwischen steppenden Sportlern, jubelnden Donaunixen, aberwitzigen Verwechslungsspielen und jazzigen Klängen ist alles möglich in diesem bunten Wirrwarr, dieser Feier des Sportsgeists und der Liebe, dem Aufbegehren der Jugend, der Flucht in Sorglosigkeit und Freiheit. Und doch kündigt sich auch der Untergang einer (Operetten-)Ära an: „Glückliche Reise, wer klug ist und weise, fährt los und fragt nicht viel.“ Mit seine Operetten „Viktoria und ihr Husar“, „Die Blume von Hawaii“ und „Ball im Savoy“ hatte Paul Abraham Anfang der 30er-Jahre in Berlin einen kometenhaften Aufstieg erlebt, jäh gestoppt durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten und seine Flucht aus Deutschland.

„Roxy und ihr Wunderteam“ bescherte dem Komponisten einen letzten großen Erfolg in Wien, bevor er sich erneut vor dem Faschismus in Sicherheit bringen musste. Er flüchtete über Paris und Havanna nach New York, erlitt dort neurologische Ausfälle infolge einer Syphilis-Erkrankung und verbrachte über ein Jahrzehnt in einer psychiatrischen Einrichtung, bevor er schließlich 1960 in Hamburg starb. Erst nach und nach wurde Abrahams Schaffen in den letzten Jahrzehnten wiederentdeckt, „Roxy und ihr Wunderteam“ erklingt nun erstmals an der Volksoper. 

Österreich ist Fußball-Europameister!

Österreich ist Fußball-Europameister! Was sich nach dem Wunschtraum einer durchzechten Nacht zwischen Dosenbier und Vuvuzela anhört, ist tatsächlich eine Schlagzeile aus dem Jahr 1932. Zu dieser Zeit wird die österreichische Nationalmannschaft als „Wunderteam“ gefeiert, dessen internationaler Höhenflug im Mai 1931 mit sensationellen Siegen über Schottland (5:0) und Deutschland (6:0) begonnen und nach zwölf Spielen in Folge ohne Niederlage den Status eines europäischen Sportmythos erlangt hatte. So ist im März 1937 bei der umjubelten Uraufführung seiner Vaudeville-Operette „Roxy und ihr Wunderteam“ im Theater an der Wien auch die titelgebende Mannschaft rund um Star-Stürmer und Kapitän Matthias Sindelar anwesend. Die Originalfassung der Operette war allerdings noch ungarisch. 3:1 a szerelem javara (3:1 für die Liebe) handelte noch von einem siegreichen Wasserball-Team. Die Eindeutschung von Alfred Grünwald (Buch) und Hans Weigel (Gesangstexte) drehte sich dann um das Sportthema Nummer eins, den Fußball.

Wenn sich auch Parallelen zum österreichischen Wunderteam finden (wie etwa in der Figur des Mannschaftskapitäns Gjurka Karoly, der Ähnlichkeiten mit dem realen Matthias Sindelar aufweist), ist es doch die ungarische Nationalmannschaft, die zu Beginn des Stückes in einer Londoner Hotelsuite ihren sensationellen Sieg über England feiert. Kurz vor der Heimreise platzt die junge Engländerin Roxy, Nichte des schottischen Mixed-Pickles-Fabrikanten Sam Cheswick, herein, die sich auf der Flucht vor ihrer eigenen Hochzeit mit dem dümmlichen Bobby Wilkins befindet. Dem vehementen Protest von Kapitän Gjurka Karoly zum Trotz, beschließt die Mannschaft kurzerhand, ihr neues Maskottchen Roxy mit ins Trainingslager an den Plattensee zu nehmen: „Hipp! Hipp! Hurra! Das Wunderteam ist da!“ Unterdessen heften sich der geizige Cheswick und Ex-Bräutigam Bobby an die Fersen der vermeintlichen Entführer. Am Plattensee angekommen, müssen die Fußballer feststellen, dass die verordnete sportliche Ertüchtigung, Disziplin und Enthaltsamkeit nicht aufrecht zu erhalten sein werden – denn die Schülerinnen eines Mädchenpensionats samt ihrer strengen Direktorin haben sich ebenfalls im Landhaus einquartiert. Die Jugend will sich vergnügen, der Tokayerwein fließt, die Hormone spielen verrückt, Roxy und Gjurka kommen einander näher … Wird es dem Wunderteam unter diesen Umständen möglich sein, das Entscheidungsspiel gegen England zu gewinnen?

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