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„Die Welt ist nur ein Traum der Hölle“

Verdis Macht des Schicksals in Franz Werfels Nachdichtung 

Im November 1924 präsentierten Volksoperndirektor Fritz Stiedry und Franz Werfel, Autor des Bestsellers „Verdi. Roman der Oper“, einen spannenden Plan: Die damals kaum bekannte „Forza del destino“ sollte in Werfels Nachdichtung im Haus an der Währinger Straße aufgeführt werden. Der Plan zerschlug sich, die von den Übersetzungen (jene von „Simon Boccanegra“ und „Don Carlos“ folgten noch) des österreichischen Schriftstellers initiierte „Verdi-Renaissance“ sollte wenig später ihren Ausgang in Dresden nehmen. Knapp ein Jahrhundert später landet die deutsche Version der „Macht des Schicksals“ nun an ihrem Bestimmungsort. 

„Der unirdische Monddunst dieser lau-bezaubernden Weihnacht drang durch das Wasserportal des Fenicetheaters und verklärte die finstere Mündung des langen Ganges, der vorwärts zum erleuchteten Foyer führte.“ Mit diesem Satz beginnt der Roman über die fiktive Begegnung des italienischen Opernmeisters mit seinem deutschen „Antipoden“ Richard Wagner, der Franz Werfel einen internationalen Bestseller bescherte und seinen Ruhm noch steigerte. 

„Verdi-Renaissance“

Dem Dirigenten Fritz Stiedry, seit Frühjahr 1924 Direktor der Wiener Volksoper, unterbreitete Werfel einen aufsehenerregenden Plan, über den die November-Ausgabe der Zeitschrift Die Bühne berichtete: „Die Wiener Volksoper will […] mit einer Erneuerung Verdis beginnen. Als erstes Werk unter mancherlei unbekannten und nun von ihrer Vergangenheit zu lösenden Opern Verdis soll La del Destino [sic!], zu deutsch Die Gewalt [!] des Schicksals, aufgeführt werden.“ Auch „Simone Boccanegra, Don Carlos und Die Sicilianische Vesper“, so liest man, beabsichtigte Werfel, mit Einverständnis des Verlegers Ricordi, einer „dramaturgischen Bearbeitung“ und Neuübersetzung zu unterziehen. Und der Artikel schließt mit den Worten: „Das Interesse der deutschen Opernbühne für die Erneuerung Verdis ist ungeheuer: Nicht weniger als 43 Theater haben sich bisher um La Forza del Destino“ beworben. Die im Titel des Bühne-Beitrags angekündigte „Verdi-Renaissance“ wurde allerdings nicht an der Volksoper gezündet (Fritz Stiedrys Vertrag endete im Sommer 1925, er selbst wurde nach Karrierestationen in Berlin und Leningrad einer der wichtigsten Dirigenten der New Yorker Metropolitan Opera), sondern in Dresden: Fritz Busch, der Leiter der Semperoper, brachte Anfang 1926 Werfels Macht des Schicksals heraus, die Wiener Staatsoper zog im November des selben Jahres nach. Nun erklingt diese Fassung erstmals an der Volksoper Wien und erinnert an einen weithin vergessenen Umstand: dass die „Verdi-Renaissance“ ursprünglich ein Projekt unseres Hauses war. „Frei nachgedichtet …“ „… und für die deutsche Opernbühne bearbeitet von Franz Werfel“, so steht es auf der ersten Seite des Klavierauszuges. Werfel hat nicht nur eine höchst poetische Übertragung geschaffen (Alvaros große Arie, „La vita è inferno all’ infelice“, beginnt hier mit den Worten „Die Welt ist nur ein Traum der Hölle“), sondern auch wirkungsvoll in den Ablauf eingegriffen: So erklingt die berühmte Ouvertüre erst nach dem schicksalhaften Pistolenschuss, der Leonores Vater tötet und sie von Alvaro trennt. Ihr Bruder Carlos heftet sich an die Spur der Flüchtenden mit der festen Absicht, sie zu töten und damit den Namen seines Hauses reinzuwaschen. Leonore flieht in ein Franziskanerkloster: Pater Guardian, der als einziger ihr Geheimnis kennt, erlaubt der Frau, unerkannt als Eremit dort zu leben. Inmitten der Kampfhandlungen im Zuge des Österreichischen Erbfolgekriegs (der streitbare Fra Melitone liest den Truppen mit der an Friedrich Schillers Wallenstein angelehnten „Kapuzinerpredigt“ die Leviten) treffen Liebhaber und Bruder zusammen – ohne einander als Erzfeinde zu erkennen. Carlos rettet Alvaro das Leben und durchschaut dessen Inkognito, als er ein Bündel von Briefen Leonores bei dem Verwundeten findet. Auch Alvaro zieht sich in das Franziskanerkloster zurück, nicht ahnend, dass er mit der totgeglaubten Leonore gleichsam Tür an Tür haust. Erst im Sterben werden die Liebenden wieder miteinander vereint sein …

Jac van Steen – der an der Volksoper u. a. bereits die konzertanten Produktionen von Wagners Ring an einem Abend und „Das Wunder der Heliane“ zum Erfolg geführt hat – steht bei dieser Erstaufführung am Dirigentenpult. Neben den Ensemblemitgliedern Melba Ramos, Vincent Schirrmacher, Stefan Cerny und Martin Winkler gastieren Aris Argiris und, erstmals an unserem Hause, Nadia Krasteva.

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