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Carmen: Becoming Carmen Erster Probentag mit Katia Ledoux

„Es geht ja vor allem darum, dass du ein bisschen Absatz hast. Ja, genau ... dass ich mich daran gewöhne. Ich weiß nicht ob die Leute wissen, wie oft mir die Schuhe gebunden werden und wie wenig Opernsängerinnen sich eigentlich selbst die Schuhe zubinden. Das ist eigentlich peinlich ... Starten wir? Was haben Sie vorbereitet? Mein Ausgangspunkt war, Carmen wie einen Menschen aus Fleisch und Blut zu begreifen: Was will diese Frau? Was treibt sie an? Warum trifft sie die Entscheidungen, die sie trifft? An irgendeinem Punkt aber blieb ich immer stecken. Und da verstand ich: Klar, das ergibt Sinn, weil sie schlussendlich erschaffen wurde, um eine Opernfigur des 19. Jahrhunderts zu sein. Sie ist eine „Männerfantasie.“ Das ist der eine Teil. Der andere ist: Wäre sie ein wirklicher Mensch, fände ich eines super interessant an ihr, den immer wiederkehrenden Begriff „la liberté“. Eine Frau aus der Arbeiterklasse, Angehörige einer Minderheit, sie will nicht unterdrückt werden, sie will nicht instrumentalisiert werden, sie will nicht benutzt werden. Das bewundere ich an ihr. Was ich aber nicht verstehe: Was sie nun eigentlich stattdessen will? Also, sobald du Freiheit hast, was willst du mit ihr anfangen? Das ist eigentlich diese Basis, sie ist die schwarze Fläche, auf die jeder seine Idee von Carmen projiziert. Sie hat am Anfang ein Zigarettenmädchenkostüm, dann kriegt sie die Jacke von Don José, jedes Mal kommt eine Schicht drüber, und so arbeiten wir von dieser Basis aus. Das Korsett ist zwischen drittem und viertem Akt. Oh, du machst es wirklich sehr eng! Eigentlich hilft es mir so sehr beim Singen. Je mehr es hält ... Ich muss meine Stütze nicht mehr machen, ich mache nichts mehr und trotzdem … Es ist gut, dass wir es zur kältesten Jahreszeit spielen. Mögen wir, dass es so groß ist? Ich mag große Hintern ... Ich möchte sie runder und ein bisschen freundlicher zeigen. Absolut. Auch körperlich: Ich bin eine große, schwarze Frau, wenn ich gleich so anfange … Ich gebe dir völlig recht. Für meine Interpretation von Carmen, zumindest bis zum zweiten Akt, wenn Don José dann alles vergeigt, flirtet Carmen ganz aktiv mit Zuniga. Solange sie ihn in der Tasche hat … Aber wenn er sie dann konfrontiert und sagt: Du hast mit einer anderen Frau gekämpft! Dann sagst du nicht: Oh, du starker Herr Offizier ... Du sagst: Scher dich zum Teufel, oder? Ja, aber mit einem Lächeln. Klar, aber du weißt, dass du ihn damit provozierst. Holt einen Strick! Sie hat eine zu lockere Hand! Und du denkst: Es ist eh egal, was ich sage, ich kann die besten Zeugen haben, du wirst immer gewinnen, aber ich will nicht unterdrückt werden, also: Lala Lalalalala ... Ich war so aufgeregt am Anfang, es ist eben meine erste vollständige Carmen-Probe. Carmen ist eine Rolle, die ist so persönlich, ich glaube jede Frau hat eine andere Vorstellung von Carmen. Ich denke meine Carmen hat eine Weichheit, hat Spaß. Diese Lebensfreude, diese Spielfreude ist glaube ich sehr wichtig für meine Carmen im ersten Akt.“