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Carmen: Kurzeinführung mit Lotte de Beer

Regisseurin Lotte de Beer: „Carmen ist eine echte Volksoper, mit Dialogen, mit Musik, die wirklich „operettig“ ist, in the best sense of the word, und die erst im vierten Akt knallhart eine tragische Oper wird. Carmen ist eine Frau aus der Arbeiterklasse, eine Minority, und sie will frei sein. Sie wird aber die ganze Zeit unterdrückt, von der Fabrik, von der Staatsgewalt, von Escamillo, der sie nur als trophy wife haben will, und von einem eifersüchtigen Don José. Man sieht sehr gut, dass sie das nicht will, sie geht immer weg, man weiß, was sie nicht will, ich habe mir aber gedacht: Was will diese Frau? Was will diese Frau, die mutiger, intelligenter, kompromissloser ist als alle anderen, und die irgendwie besser versteht, was für ein Spiel wir hier spielen. Und wenn man das psychologisch angeht, dann gibt es irgendwann einen Punkt, an dem man nicht weiterkommt, weil: Sie ist keine wirkliche Frau, sie ist geschaffen als 19. Jahrhundert Opernfigur. Carmen ist geschaffen für ein bourgeoises Publikum, das sehr gerne eine rebellische Frau sieht, die alles das macht, was sie sich nicht trauen. Die rebellische Frau wird zuerst gefeiert, mit allem, was es so gibt in der Oper: Ballett, Toreros, Kastagnetten, Chor, Kinderchor, eine umwerfende Musik, aber damit die Welt wieder in Ordnung ist, muss sie am Ende sterben.“