Kurzeinführung KaiserRequiem
Regisseur und Choreograf Andreas Heise: „‘KaiserRequiem‘ ist ein interdisziplinäres Projekt, das Tanz, Gesang und Musik verbindet und zwei Werke miteinander verschmilzt. Zum einen „Der Kaiser von Atlantis“ von Viktor Ullmann und Mozarts Requiem. Die Partitur basiert auf der Idee und des Konzeptes von Omer Meir Wellber. Die Grundidee war etwas, was ich in einem Buch gelesen habe. Wir wissen, dass diese Oper ein Auftrag von den Nazis war, sie mit Ullmann einen Vertrag hatten. In der Generalprobe haben sie verstanden: Das ist eine sehr komplizierte Oper und natürlich gegen Hitler, gegen den Faschismus. etwas extrem Revolutionäres. Und sie haben alle nach Auschwitz geschickt. Und was ich wirklich unglaublich gefunden habe, ist, dass der einzige Überlebende dieser ganzen Operation der Sänger war, der die Rolle des Todes gesungen hat. Das war für mich göttlicher Humor. Was ist das beste Stück über den Tod? Das ist natürlich Mozarts Requiem. Mozart selbst ist gestorben und hat dieses Stück nicht fertig gemacht. Das heißt, der Tod ist ein unglaublich schönes, interessantes, humoristisches, tiefes Argument. Dann habe ich auch musikalische Verbindungen gefunden. Wir werden ja beide Stücke richtig zusammenspielen. Nicht das eine Stück und dann das andere, sondern alles zusammen in einer Bearbeitung. Es geht um einen tyrannischen Herrscher, der seinem Volk Krieg aller gegen alle erklärt. Der Tod als personifizierte Figur weigert sich, an diesen Gräueltaten teilzuhaben und zerbricht sein Schwert mit dem Resultat, dass niemand mehr sterben kann. Das macht sich wiederum der Kaiser zum Vorteil und erklärt dem Volk: Ich schenke euch das ewige Leben, was aber bedeutet, dass sie auf ewig an ihn gebunden sind und sich trotzdem bekämpfen müssen, aber nicht sterben können. Aus diesem Chaos entsteht eine Revolte, die den Kaiser zum Sturz bringt. Am Ende tritt der Tod vor den Kaiser und sagt, ich stelle die Ordnung von Leben und Tod wieder her, wenn du dich als Erster opferst, was er dann auch tut. Für mich war es von Anfang an klar, dass dieses Projekt ein Tanzprojekt ist. Wir haben viel abstrakte Musik, wenn wir den Mozart so beschreiben wollen. Und wir haben eine sehr starke Narration bei Ullmann. Das kann eine sehr interessante Verbindung sein zwischen Oper oder Text oder etwas Konkretem und einer offeneren Interpretation. Wir sind an einem Ort auf der Bühne, der nicht konkret ist, nicht definierbar oder einer bestimmten Zeit zuzuordnen ist, sondern frei interpretierbar, an dem eigentlich jeder der Kaiser sein kann. Jeder kann der Trommler, jeder kann der Soldat oder das Mädchen sein. Im Prinzip ist es eine Gemeinschaft, aus der heraus sich diese Rollen entwickeln, indem bestimmte Menschen eine bestimmte Wahl treffen, in eine Richtung zu gehen. Und dann war mir wichtig, in der Dystopie des Stückes und vielleicht auch in der Dystopie unserer Zeit zu schauen, wie ich einen kleinen Hoffnungsschimmer setzen kann. Aus meiner persönlichen Sicht glaube ich tief daran, dass Menschen fähig sind, Reue zu zeigen und Taten einzusehen. Das heißt nicht, dass man ungestraft fortkommt, aber die Möglichkeit hat, etwas einzusehen, also Reue zu spüren. Das war eigentlich mein Hauptansatz für diese Produktion.“