Sweet Charity

„Geht’s hier etwa um mich?!“
(Charity Hope Valentine)

1. Akt

Die junge Frau Charity Hope Valentine ist eine un­beirrbare Optimistin. Und das, obwohl sie in ihrem Leben nicht gerade vom Glück verfolgt ist: Seit Jahren kommt sie von ihrem miesen Job als Tänzerin im zwielichtigen Fandango-Ballhaus nicht los. Außerdem verstrickt sie sich, wie sie selbst sagt, immer wieder in „problematische Episoden mit Männern“. So auch dieses Mal …

Für ihr aktuelles Liebesabenteuer Charlie ist Charity nicht nur Feuer und Flamme, sondern auch bereit, buchstäblich alles zu geben. Doch dieser raubt ihr bei einem gemeinsamen Spaziergang die Tasche mitsamt all ihren Ersparnissen und stößt sie skrupellos ins Wasser.

Im Fandango-Ballhaus beteuert Charity ihren beiden Freundinnen Nickie und Helene sowie der Dienstältesten Carmen, dass ihr Unglück mit Charlie ein Versehen gewesen sein muss. Da ruft Geschäftsführer Herman zur Arbeit auf die Tanzfläche und alle Tänzerinnen stimmen in ihr Mantra ein: „Hey, Big Spender, komm, spendier’ mir Zeit mit dir …“ Über ihr Schicksal nachgrübelnd, irrt Charity durch die Straßen. Vor dem mondänen „Pompeji-Club“ wird sie Zeugin einer Eifersuchtsszene zwischen dem berühmten Filmstar Vittorio Vidal und seiner furiosen Gefährtin namens Ursula. Unverhofft schnappt sich der Salonlöwe Charity als seine neue Begleitung und als sie – überwältigt von ihrem Glück und der dekadenten Gesellschaft – in eine Ohnmacht fällt, bringt Vidal sie in sein schickes Appartement. Die beiden dinieren und unterhalten sich blendend, als plötzlich Ursula vor der Türe steht. Selbstlos versteckt Charity sich im Schrank und wird Zeugin, wie das verkrachte Pärchen sich leidenschaftlich wieder versöhnt.

Zurück im „Fandango“ können es Nickie und Helene nicht glauben, dass Charity aus einer Nacht mit Vittorio Vidal nicht mehr Profit schlagen konnte, als mit ein paar Souvenirs zurückzukehren. Gemeinsam träumen sie, dass es „dort irgendwo draußen“ eine bessere Zukunft für sie geben muss. Also fasst Charity den festen Vorsatz, sich einen ordentlichen Job zu suchen, doch ihre Beratung am Arbeitsamt gerät zu einer Bankrotterklärung.

Im Aufzug des Amtsgebäudes trifft sie auf den schüchternen und neurotischen Oscar Lindquist. Als plötzlich der Aufzug stecken bleibt, gelingt es Charity, den in Panik verfallenden Oscar mittels ihrer Empathie und Fürsorge zu stabilisieren und sogar zu der selbstsicheren Erkenntnis zu bringen: „Ich bin das tapferste Wesen, das ich kenn!“

2. Akt

Die mutig gemeisterte Ausnahmesituation im Aufzug schweißt Charity und Oscar zusammen und kurzentschlossen begeben die beiden sich auf gemeinsame Sinnsuche in die brandneue „Puls des Lebens-Kirche“. Die Lehren von Guru Daddy Brubeck faszinieren Charity, dennoch reißen sich die beiden wieder los. Als sich auf dem Nachhauseweg ihre Wege trennen sollen, überwindet Oscar seine Schüchternheit und gesteht: Er möchte „sweet Charity“ wiedersehen.

Nach einigen Tagen erzählt Charity ihren Vertrauten Nickie und Helene enthusiastisch von dem neuen Mann in ihrem Leben, doch die bringen sie mit einer Frage zurück auf den Boden der Tatsachen. Hat sie Oscar bereits von ihrer Arbeit im „Fandango“ erzählt? Denn eines ist klar: Dem „Mann fürs Leben“ könnte Charitys „Job für gewisse Stunden“ vielleicht ein Problem sein … Charity weiß um dieses Dilemma und ringt sich schließlich dazu durch, Oscar die Wahrheit zu sagen. Unverhofft macht dieser ihr aber keinerlei Vorwürfe, sondern hält vielmehr um ihre Hand an. Charity ist überglücklich: Jemand liebt sie!

Ab jetzt soll alles anders werden. Ein letztes Mal geht Charity noch ins Fandango-Ballhaus, um sich von Herman und ihren Kolleginnen zu verabschieden, die ihrerseits – „Überraschung!“ – eine Abschiedsparty organisiert haben. Als Oscar dazu stößt, um Charity abzuholen, übermannen ihn Skrupel und Moral …

„Am Ende wird alles gut.
Wenn es nicht gut ist,
ist es noch nicht das Ende.“

(Charity Hope Valentine nach Oscar Wilde)