Die Zirkusprinzessin

Erster Akt

Der Zirkus Stanislawski in St. Petersburg. Das ­verfallene Gebäude zeugt noch vom einstigen Prunk. Direktor Stanislawski erinnert sich an die glanzvolle Vergangenheit. Seine größte Attraktion war der sagenhafte Mister X, …

... der mit einem spektakulären Akt das Publikum begeistert: Nach Darbietung eines Geigensolos springt er aus der Zirkuskuppel auf ein galoppierendes Pferd. Er trägt stets eine Maske, um sein Inkognito zu wahren. Die stolze Fürstin Fedora Palinska, eine reiche Witwe, möchte den Zirkusreiter kennenlernen. Sie ahnt nicht, dass sich hinter der Maske ein Mann verbirgt, dessen Schicksal sie vor Jahren mitentschieden hat: Fedja ­Palinski, der Neffe ihres verstorbenen Mannes. Als er einst seinem Onkel gestand, dass er von ihr fasziniert sei, ließ dieser seinen Neffen enterben. Sein Schicksal führte ihn schließlich zum Zirkus. Fedora begegnet nun diesem Zirkusreiter mit standesgemäßer Distanz.

Fedora soll auf Wunsch des Zaren wieder heiraten, damit ihr Besitz im Lande bleibt. Auch Prinz Sergius Wladimir gehört zu ihren Verehrern, blitzt jedoch bei Fedora ab. Nur sein Angebot eines Logenplatzes im Zirkus nimmt sie gerne an. Diesen hat der Prinz dem Wiener Toni Schlumberger abgeluchst, der hier allabendlich die „Mäderln im Trikot“, allen voran Miss Mabel Gibson, anhimmelt. Bei näherem Kennenlernen entpuppt sich das amerikanische Zirkusmädchen als Wienerin, was die gegenseitige Sympathie von Toni und Mabel nur noch steigert. Dem Prinzen Sergius stellt sich Toni als Sohn des Erzherzogs Karl aus Wien vor, wobei er das gleichnamige Hotel meint. Der Prinz aber glaubt, den wahrhaftigen Sprössling seines „guten Freundes“ vor sich zu haben.

Um sich für die Zurückweisung durch Fedora zu revanchieren, beschließt Prinz Sergius, der stolzen Fürstin den Zirkusreiter Mister X als Prinz Korossow vorzu­stellen. Mister X, der Fedora Mitschuld an seinem Schicksal gibt – und sie gleichwohl immer noch liebt –, spielt zunächst bereitwillig das Spiel mit. Dem Prinzen Korossow begegnet Fedora ungleich charmanter als zuvor dem „gewöhnlichen Zirkusreiter“.

Zweiter Akt

Prinz Sergius hat zur Jagd geladen. Unter den Gästen befinden sich auch Fedora und Mister X. Mit Genug­tuung beobachtet Sergius, dass sich Fedora allmählich in den vermeintlichen Prinzen Korossow verliebt.

Pause

Prinz Sergius spielt Fedora einen gefälschten Brief des Zaren in die Hände, in dem dieser sie davon in Kenntnis setzt, einen Ehemann für sie bestimmt zu haben. Der empörten Fedora rät Prinz Sergius, noch heute einen Mann ihrer Wahl zu heiraten, um den Zaren vor vollendete Tatsachen zu stellen. Als Mister X erkennt, dass Fedora ihn liebt und zu ihrem Mann machen möchte, beschleichen ihn Gewissensbisse, sie in eine Ehe unter falschen Vorzeichen zu locken. Dennoch willigt er in die Heirat ein.

Toni Schlumberger, der mit Miss Mabel auch zur Jagdgesellschaft geladen ist, ergreift die Gelegenheit, an diesem Abend ebenfalls zu heiraten. Prinz Sergius wundert sich zwar, dass der Sohn eines österreichischen Erzherzogs seine Liaison vom Zirkus gleich heiraten möchte, erfüllt aber seinem jungen Freund den Wunsch.

Zur Hochzeit hat Prinz Sergius die Zirkusgesellschaft geladen, und kaum ist die Trauung vorbei, entlarvt er den frischvermählten Prinzen Korossow als Mister X. Fedora ist empört, doch ihre Wut schlägt schnell in Verwunderung um, als sich ihr Bräutigam als Fedja Palinski zu erkennen gibt. Eines jedoch scheint für beide klar zu sein: Ihr süßes Märchen, es war einmal …

Dritter Akt

Im Hotel Erzherzog Karl in Wien erwartet der Oberkellner Pelikan mit großer Vorfreude die Gratulationen zu seinem 30-jährigen Dienstjubiläum. Doch stattdessen eröffnet ihm Toni Schlumberger, der Sohn seiner resoluten Chefin, dass er sich von seiner Russlandreise eine Ehefrau mitgebracht habe und bittet Pelikan, dies schonend seiner Mutter beizubringen. Mabel hat er einstweilen in Zimmer Nummer 16 untergebracht und versucht sie mit diversen Mehlspeisen bis zur Enthüllung der Wahrheit zu vertrösten. Aber auch Pelikan schafft es zunächst nicht, Carla Schlumberger geradeheraus die Wahrheit zu sagen.

Mabel selbst ergreift schließlich, als sie vom Torten­essen und Tonis Zaghaftigkeit genug hat, die Initiative und erklärt ihrer Schwiegermutter, wer sie ist. Carla wird umgehend milde gestimmt, als sich herausstellt, dass Mabel die Tochter des Majors Burgstaller ist, in den Carla als junge Frau schwer verliebt war.

Fedora ist mit dem Prinzen Sergius nach Wien gereist, um sich nach ihrer Blamage als „Zirkusprinzessin“ wieder in standesgemäßer Gesellschaft zu zeigen. Sie dinieren im Hotel Erzherzog Karl, wo Prinz Sergius die wahre Identität seines vermeintlich blaublütigen Freundes Toni Schlumberger erkennt.

Auch Mister X, der mit seinem Reiterakt in Wien astiert, isst in diesem Restaurant zu Abend. Hier begegnen Fedora und Fedja einander wieder …