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Frederike Haas

Was gibt das Publikum einem Darsteller?
Das Publikum ist immer Dialogpartner für uns Darsteller*innen. Wir brauchen einander, um Geschichten erzählen zu können. Das Publikum reagiert auf uns, wir reagieren auf es, wir tauschen uns live aus, und somit gestalten wir eigentlich immer ein Stück gemeinsam die Geschichte. Ohne diesen Live-Austausch mit dem Publikum würde es für mich keinen Sinn machen.  

Welchen Moment oder welche Phase im gesamten Produktionsprozess (vom Erlernen einer Rolle bis zur Aufführung) magst du am meisten? 
Im Grunde finde ich alle Phasen der Rollenerarbeitung und -erforschung vor und während der Proben sowie das Erleben jeder Vorstellung spannend. Aber die 1. Orchester-Sitzprobe ist jedes Mal für mich ein besonderer Moment. Wenn das gesamte musikalische Arrangement der Komposition mit allen Instrumenten erklingt, ist das wie Wind-Spüren unter den Flügeln der Rolle, die dadurch auf einmal tiefer atmen kann und lebendiger wird.

Welche drei Rollen/Partien schätzt du besonders?
Meine Gräfin Aurélia in Dear World habe ich besonders geliebt, weil sie eine charmant-verrückte, berührende Optimistin und Kämpferin ist, die mit ihrem Glauben an das Gute sogar die Welt zu retten vermag.
Doch jede Rolle hat für mich etwas anderes Faszinierendes:
Bei Edith Piaf ist es ihre bedingungslose Ehrlichkeit und Lebenskraft, bei Fanny Brice in Funny Girl ihre Komik und Überzeugungskraft, bei Roxie Hart in Chicago ihre intuitive Verschlagenheit, Koketterie und mörderische Zielverfolgung; Stella ist Opfer und Täter zugleich und ihr Überlebensdrang ist angsteinflößend stark; und Sally Durant in Follies hat die faszinierende Möglichkeit, ihrem jungen Ich live zu begegnen und es zur Rede zu stellen.

Was war dein tänzerisches „Erweckungserlebnis“? 
Die Arbeit mit Ann Reinking bei der Hommage Fosse an den Choreografen und Regisseur Bob Fosse war für mich besonders inspirierend. Sein Geschichten-erzählender Tanzstil, die Tatsache, dass jeder Bewegung ein Gefühl zugrunde liegt, und dass seine Bewegungssprache so viel Humor, Sinnlichkeit, Kraft, Zartheit, Skurrilität und Poesie zugleich beinhalten, war für mich damals neu und so beglückend. Zusammen mit Ann Reinking in dieser Bewegungssprache eine Show mitgestalten zu können und dann zu tanzen, und dieser Erzähl-Philosophie zu folgen, war für mich prägend für alles, was seither kam.

***

Geboren in
Darmstadt

Ausbildung/Studium
in Schauspiel, Gesang und Tanz in Berlin

Wichtige Engagements
Roxie Hart in der dt. Erstaufführung der Broadwayfassung von Chicago - VBWien, Londoner Westend, TdW Berlin 
Cherries Girl in Fosse – European Tour
Fanny Brice in Funny Girl - Nürnberg, Chemnitz, Graz 
Charity in Sweet Charity – Nürnberg
Stella in Stella, das blonde Gespenst vom Kurfürstendamm - Berlin
Edith Piaf in Piaf – Mannheim
Sally Durant in Follies – Dresden
Gräfin Charlotte Malcolm in Lächeln einer Sommernacht - Fürth
Gräfin Aurélia in Dear World - Bielefeld

Debüt und wichtige Arbeiten an der Volksoper / In dieser Saison an der Volksoper Wien zu sehen als
Sally Durant in Follies

Prägende Zusammenarbeit mit diesen Künstler:innen
Zweimalige Zusammenarbeit mit Ann Reinking bei Chicago & Fosse

Bedeutende Preise und Ehrungen 
Musical Theaterpreis 2016 für beste Hauptdarstellerin in Stella
Zweimalige Preisträgerin des Bundeswettbewerbs Gesang für Musical/Chanson

Website
www.frederikehaas.de

* Verwendung der Fotografie (© Bernd Brundert) für Zwecke der aktuellen Berichterstattung über die Volksoper Wien 

Porträt von Frederike Haas