Die Volksoper trauert um Kammersänger Josef Luftensteiner
Mit schwerem Herzen und großer Trauer müssen wir bekannt geben, dass unser geliebter und hochgeschätzter Kollege KS Josef Luftensteiner am 24. August 2026 in Wien nach langer schwerer Krankheit verstorben ist. Er war Vorsitzender des Betriebsrats der Volksoper und Mitglied des Aufsichtsrats der Bundestheater-Holding und der Volksoper, vor allem aber war er das Herz der Volksoper und eine Seele von einem Menschen, der stets für das Wohl unseres Hauses gekämpft hat. Wir sind zutiefst erschüttert über diesen schweren Verlust.
Der am 23. Mai 1958 im niederösterreichischen Wallsee geborene Josef Luftensteiner wurde nach der Volksschule Mitglied bei den Wiener Sängerknaben. Er besucht in Linz das Konservatorium, wo er neben Gesang auch die Fächer Kontrabass und Violine belegte. 1984 wurde an das Grazer Opernhauses engagiert, wo der Bariton sich rasch ein breites Repertoire mit späteren Paraderollen wie Figaro in Der Barbier von Sevilla, Falke in Die Fledermaus und Leopold in Im Weißen Rössl erarbeitete.
Mit 28 Jahren wurde er von Eberhard Wächter an die Volksoper engagiert und debütierte als Figaro. Weitere Partien in seiner ersten Saison waren außerdem Dr. Falke in Die Fledermaus und Papageno in Die Zauberflöte. Für das Ensemble der Volksoper war Josef Luftensteiner ein Glücksfall. Direktor Eberhard Wächter, der viel Wert auf gute Stimmen und einen gesunden Ensemblegeist legte, schätzte ihn als Künstler und zeigte sich beeindruckt von Luftensteiners jovialen, fast vorlautem Temperament und seinem Teamgeist.
In seiner aktiven Zeit als Sänger stand Josef Luftensteiner in 20 Premieren auf der Bühne (davon eine Uraufführung). Über 1450 Abende sang er bis Ende Oktober 2021. In 45 verschiedene Rollen konnte man ihn in seiner aktiven Bühnenlaufbahn in 34 Jahren erleben. Wichtige Partien waren dabei Toni Schlumberger in Die Zirkusprinzessin, Benozzo in Gasparone, Gustl i Das Land des Lächelns, Pappacoda in Eine Nacht in Venedig, Graf Boni in Die Csárdásfürstin, Josef in Wiener Blut, Bill Calhoun in Kiss me, Kate, Dr. Falke und Gefängnisdirektor Frank Die Fledermaus und natürlich Papageno in Die Zauberflöte.
Die Volksoper im Ausland vertrat er unter anderem bei sechs Gastspielen in Japan, die nicht zuletzt dank seines Engagements, seiner Tatkraft und seinem Organisationstalent zustande kamen.
Josef Luftensteiners burschikoses Auftreten und seine offene Art, Probleme aufzuzeigen und anzugehen, prädestinierten ihn Jahre später, als Betriebsrat für die Volksoper und dann auch für die Gewerkschaft der Bundestheater zu arbeiten. Er sah sich aber immer als Partner für das Theater und als Kollege für die Mitarbeiter:innen. Neben seiner künstlerischen Arbeit wurde seine Tätigkeit als Aufsichtsrat der Bundestheaterholding (seit 2001) von immenser Wichtigkeit für das Haus. Vor allem sein Engagement als Betriebsrat seit 2001 und Mitglied des Aufsichtsrates der Volksoper seit 2020 ist nicht nur bemerkenswert, sondern auch bedeutsam für das Geschick der einzelnen Gruppen. Zudem führte er den Vorsitz der Sektion Bühnenangehöriger der Gewerkschaft younion.
Die Volksoper stand für ihn immer an erster Stelle – sein großartiger Kampf für das Wohl des Hauses um die Jahrtausendwende ist legendär – er und Kolleg:innen aus dem Betriebsrat sammelten vor den Vorstellungen Unterschriften für den Erhalt der Volksoper.
Mit den jeweiligen Direktoren nach Eberhard Wächters Tod verstand er sich bestens und konnte so in seiner Funktion als Betriebsrat oft helfend eingreifen. Klaus Bachler, Dominique Mentha, Rudolf Berger, Robert Meyer und Lotte de Beer schätzten seine Meinung und seine konstruktive, sportliche und konsensorientierte Herangehensweise an Probleme, mit der er immer wieder beide Seiten (Ensemble und Direktion) auf eine gemeinsame Linie für die Volksoper einschwören konnte.
Lotte de Beer und Christoph Ladstätter zum Tod von KS Josef Luftensteiner
„Nun ist KS Josef Luftensteiner nach langer, schwerer Krankheit verstorben. Wir können diesen schweren Verlust kaum fassen. Unsere Gedanken und die der ganzen Volksoper sind bei seiner Familie, besonders bei seiner liebevollen Frau KS Martina Dorak, die er über alles liebte und die stets an seiner Seite war und ihn mit Hingabe unterstützte. Wir verlieren mit unserem Lufti einen großen Menschen und lieben Freund.“ (Lotte de Beer und Christoph Ladstätter, Geschäftsführung der Volksoper Wien)
Sonja Hammerschmid zum Tod von KS Josef Luftensteiner
„Mit Josef Luftensteiner verlieren wir einen bedeutenden Künstler, einen leidenschaftlichen Vertreter der Interessen seiner Kolleg:innen und des Konzerns, einen geschätzten Weggefährten und einen außergewöhnlichen Menschen. Sein Wirken, seine Menschlichkeit und seine Verdienste um die Volksoper Wien und die Österreichischen Bundestheater werden unvergessen bleiben.
Neben seiner künstlerischen Arbeit engagierte sich Josef Luftensteiner mit großem Verantwortungsbewusstsein für die Anliegen der Mitarbeiter:innen. Als Mitglied des Zentralbetriebsrats der Österreichischen Bundestheater, Vorsitzender des Betriebsrats der Volksoper Wien sowie Aufsichtsratsmitglied der Bundestheater-Holding und der Volksoper Wien setzte er sich mit Nachdruck für Fairness, soziale Verantwortung und gute Arbeitsbedingungen ein. Seine enge Verbundenheit mit der Volksoper Wien und den Österreichischen Bundestheatern sowie sein unermüdlicher Einsatz für die Menschen vor, auf und hinter der Bühne machten ihn zu einer hochgeschätzten Persönlichkeit.
Mich persönlich trifft der Tod von Josef Luftensteiner zutiefst. Gerade in den vergangenen Monaten zu Beginn meiner Amtszeit war er für mich ein wichtiger Ansprechpartner, dessen Rat, Erfahrung und Einschätzungsvermögen ich sehr geschätzt habe. Josef Luftensteiner war nicht nur ein engagierter Interessenvertreter der Mitarbeiter:innen, sondern auch ein wesentlicher Mitgestalter unseres Konzerns. Mit großer Umsicht gelang es ihm stets, die Weiterentwicklung der Österreichischen Bundestheater voranzutreiben, ohne dabei die Anliegen und Bedürfnisse der Mitarbeiter:innen aus den Augen zu verlieren. Sein Engagement, seine Haltung und seine Menschlichkeit werden uns fehlen. Sein Andenken wird in unserem Konzern fortleben.
Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Angehörigen und allen, die ihm freundschaftlich und beruflich verbunden waren.“ (Statement Sonja Hammerschmid, Geschäftsführerin der Bundestheater)
Statement Andreas Babler zum Tod von KS Josef Luftensteiner
„Der langjährige Betriebsrat Josef Luftensteiner war ein echtes Urgestein unserer Bundestheater. Sein unermüdlicher Einsatz für die Kolleginnen und Kollegen auf und hinter den Bühnen werden uns stets in Erinnerung bleiben. Mein aufrichtiges Mitgefühl und meine Anteilnahme gelten seiner Familie.“ (Statement Vizekanzler und Bundesminister für Kunst und Kultur)