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Verantwortung und Respekt: Intimacy Coordinator

Auf der Probebühne begegnen Darstellerinnen und Darstellern tagtäglich nicht nur musikalische Herausforderungen, sondern auch Situationen, die höchste Sensibilität verlangen. Beim Einstudieren diverser Szenen macht man sich verletzlich, öffnet sich und versucht, Emotionen so glaubhaft wie möglich darzustellen. Das Musical Spring Awakening, in dem es um die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens geht, bringt zahlreiche Themen auf die Bühne, die sehr persönlich und emotional sein können: erste Liebe, Sexualität, Grenzverletzungen, Gewalt, Schwangerschaft, Verzweiflung und Tod. Mit diesen Themen gehen Fragen nach Nähe, Einvernehmen und Sicherheit einher.

Respekt, Klarheit und gegenseitiges Einverständnis

Gerade in einem Ensemble wie jenem von Spring Awakening, das viele junge Darstellerinnen und Darsteller versammelt, die teilweise zum ersten Mal vor solchen szenischen Herausforderungen stehen, hat sich im künstlerischen Team eine besondere Funktion etabliert: der Intimacy Coordinator. Bei Spring Awakening übernimmt Bernadette Maria Leitner diese Rolle.

Ein Intimacy Coordinator bringt eine spezifische, fundierte Ausbildung in den Probenprozess ein, um intime, sensible oder besonders körperliche Szenen auf eine Weise umzusetzen, die von Respekt, Klarheit und gegenseitigem Einverständnis getragen wird. Im Austausch mit Regie und Ensemble werden Szenen identifiziert, die besondere Aufmerksamkeit erfordern.

Gerade bei der Erarbeitung dieser Szenen wird darauf geachtet, dass sich niemand im Ensemble auf Intuition verlassen oder „einfach improvisieren“ muss. Vielmehr werden Erwartungen, Grenzen und Bewegungsabläufe aller Beteiligten klar definiert und verständlich kommuniziert. Ein zentrales Element dabei ist das Thema Einverständnis (Consent). Jede Beteiligte, jeder Beteiligte kann artikulieren, was für sie oder ihn in Ordnung ist und wo persönliche Grenzen liegen. Diese Grenzen bilden die Grundlage für eine klare, sichere Planung der szenischen Abläufe. 

Szenen wie Choreografien

In den weiteren Proben werden intime Passagen wie Choreografien behandelt: Jede Bewegung ist bewusst gesetzt, jede Berührung präzise geplant. Wer berührt wen? Wie lange? In welcher Haltung? Dieses Vorgehen schafft nicht nur Sicherheit, es erlaubt den Darsteller:innen auch, ihre Rollen mit Intensität und künstlerischer Präsenz zu gestalten.

Ein Intimacy Coordinator schafft darüber hinaus einen Raum, in dem Fragen und Reaktionen offen angesprochen werden können – was gerade bei Stücken, in denen Themen wie Macht, Gewalt oder emotionale Nähe verhandelt werden, wesentlich ist. Diese professionelle Begleitung trägt nicht nur zum Schutz aller Beteiligten bei, sie stärkt auch die Kraft und die künstlerische Qualität der Aufführung. 

Ensemble