DER RISS IN DER TAPETE
Regisseur Moritz Franz Beichl belässt in seiner Inszenierung von Heubergers Klassiker den Opernball im Paris der Belle Époque und macht sich auf die Suche nach dem Riss in der Tapete des perfekten bürgerlichen Ehelebens.
Im Mittelpunkt: das Gastgeberpaar Georges und Marguérite. Um wieder einmal etwas Spannung in ihre Ehe zu bringen, laden sie das frisch verlobte Pärchen Angèle und Paul zur Karnevalszeit in ihre Pariser Wohnung ein. Marguérite gelingt es, die gutgläubige Angèle zu einem Treuetest mit Partnertausch zu überreden: Ihren beiden Männern schreiben die Damen zwei gleichlautende Einladungen zum Rendezvous mit einem geheimnisvollen „rosa Domino“ heute Nacht auf dem Opernball. Auf die gefälschten Briefe folgt prompt eine gefälschte Depesche, die Paul ein dienstliches Alibi verschafft. Und so landet das Gemischte Doppel auch schon – überkreuzt – in den berüchtigten „Chambres séparées“ der Pariser Oper. Dass neben Angèle und Marguérite noch ein weiterer „rosa Domino“ durch die Logen huscht, verkompliziert die Sache nicht unbedeutend.
Komponist und Kritiker in einer Person, was soll denn dabei schon herauskommen? Ein Loblied auf das gepflegte Doppelleben natürlich! Als Richard Heuberger im Gründungsjahr der Volksoper 1898 seine erste Operette Der Opernball uraufführt, ist er bereits 47 Jahre alt, will die Gattung aber unbedingt erneuern: graziös statt ordinär, mehr Musikdrama und weniger Schlager soll sie sein. In die duftige Musik seiner Konversationsoperette baut der alte Wagnerianer selbstverständlich Leitmotive ein: So zieht sich der verhängnisvolle „rosa Domino“ als indiskreter roter Faden durch die gesamte Partitur und verpfeift die handelnden Personen in ihren wahren Absichten mehr als einmal an das aufmerksame Publikum …