"ICH FÜHLE ETWAS - ABER ICH WEISS NICHT, WAS."
Spring Awakening erzählt die Geschichte von Wendla, Moritz und Melchior – drei Jugendliche, die in einer strengen und leistungsorientierten Welt nach Liebe, Wahrheit und Selbstbestimmung suchen: Wendla tastet sich ahnungslos an ihre erwachende Sexualität heran und gerät in eine Situation, die sie nicht begreift. Moritz, sensibel und klug, zerbricht am Druck der Schule, am Zwang, zu funktionieren. Melchior stellt alles in Frage – die Autorität der Lehrer, die Moral der Eltern, die Regeln der Kirche – und bezahlt mit Einsamkeit.
Das Musical basiert auf Frank Wedekinds Drama Frühlings Erwachen von 1891 und verbindet den Geist der damaligen Zeit mit der Energie moderner Rockmusik. Seit Wedekinds Zeiten ist die Welt eine vollständig andere geworden, vermeintlich offener und selbstbestimmter. Aber warum ist es dann bis heute so schwer, über sich, den Körper und das Erwachsenwerden zu sprechen? Mehr als hundert Jahre nach der skandalumtosten Uraufführung würde Wedekind seine Figuren vielleicht Emilia, Paul und Elias nennen – doch ihre Fragen wären letztlich die gleichen: Wie leben, wie lieben, wie denken, wenn dir niemand wirklich zuhört?
In Spring Awakening fühlen die Jugendlichen alles, aber finden niemanden, der sie auf dem Weg zu sich selbst unterstützt. Musikalisch spiegelt sich das in einem Stilbruch wider: Rockmusik in einem historisch gesetzten Stoff. Wenn die Figuren singen, tritt ihr Inneres hervor, das, was sie in der äußeren Handlung nicht aussprechen dürfen, weil schulische Autorität, moralische Strenge oder religiöse Schuldgefühle sie daran hindern. Auch wenn die Welt sich verändert hat, das Bedürfnis gehört zu werden, das Bedürfnis zu erwachen, bleibt.