Ein queerer Blick auf "Die Fledermaus" im Pride Monat
Text von Karl Haffner und Richard Genée
Pride Edition-Textfassung von Jürgen Bauer und Moritz Franz Beichl
In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Alljährlich im Juni wird im Pride Month die Sichtbarkeit queerer Kultur gefeiert, aber auch an den Kampf gegen Ausgrenzung und Diskriminierung erinnert. Pride ist Widerstand und Lebensfreude! Und welches Werk wäre besser geeignet, um anlässlich dieses Fests einen neuen Blick auf Erotik, Liebe und gesellschaftliche Erwartungen zu werfen als Johann Strauß’ Die Fledermaus?
Ausgerechnet Operette? Ja – kein Genre ist queerer! Von Beginn an subversiv und freizügig war sie stets auch ein Spiel mit Geschlechterrollen und Sehnsüchten. Mit Maskerade und Verwandlung erzählt sie von Menschen, die andere Identitäten annehmen – oder annehmen müssen. Was verändert sich nun, wenn Beziehungen nicht automatisch heterosexuell sind? Wenn gesellschaftliche Normen nicht nur vergnügliche Täuschungen, sondern existenzielle Lebenslügen hervorbringen?
Für diese Säule des Repertoires verfassen Jürgen Bauer und Moritz Franz Beichl eine neue Textfassung. Egal wie Sie lieben oder sich definieren – feiern Sie mit uns den Pride Month, die Operette und das befreiende Lachen über jene Masken, die die Gesellschaft uns aufzwingen will.
Außerhalb des Pride Monats steht selbstverständlich unsere gewohnte, beliebte Inszenierung der Fledermaus weiterhin auf dem Spielplan.
Ouvertüre vor der Vorstellung
Bei der Vorstellung am 24. Juni 2026 gibt es um 18:15 Uhr eine kostenlose Werkeinführung für die Besucher:innen der Vorstellung durch Dramaturg Jürgen Bauer.
Für alle Personen, die einen Screenreader nutzen, folgt an dieser Stelle eine allgemeine Beschreibung der visuellen Aspekte der Aufführung (Bühnenbild, Kostüme…) anstelle der Fotogalerie.
Die Pride Version der Operette spielt in einem historischen Bühnenbild, das in etwa in der Entstehungszeit des Stücks Ende des 19. Jahrhunderts angesiedelt ist. Im ersten Akt das Zuhause der Familie Eisenstein, ein klassischer Wiener Wohnsalon, detailgenau ausgestattet mit Möbeln und Textilien. Im zweiten Akt: Die Räumlichkeinten bei Prinz Orlofsky, in denen ein opulentes Fest gefeiert wird . Der dritte Akt spielt in einem Gefängnis, links ein Zugang zu den Zellen, in der Mitte ein Schreibtisch. Die Bühnenbilder sind alle detailreich und mit zahlreichen Requisiten und Möbelstücken ausgestattet und schaffen so realistisch anmutende Räume. Die Kostüme der Pride Version der Fledermaus sind opulent und zitieren queere Rollenvorbilder. Im zweiten Akt etwa tritt die Figur der Ida in einem riesengroßen Kostüm als Kaiserin Sisi auf, Orlofsky trägt ein Federkleid mit einem Mantel und einen Schnurrbart im Gesicht und verwischt so die Geschlechtergrenzen. Ivan trägt eine schwarze Lederhose und einen Lederharness. Rosalinde wiederum kommt als Mann verkleidet in einem Frack, mit einem schwarzen Fellmantel, zum Fest. Das Ballett trägt hautenge Trikots in Schwarz-Weiß und opulenten Kopfschmuck. Die Kostüme sind großteils schwarz und lila, mit einigen anderen Farbakzenten. Es entsteht der Eindruck eines queeren Balls, bei dem die Kostüme opulent, spielerisch und sexy sind.
Ö1 Klassik-Treffpunkt zu „Die Fledermaus – Pride Edition”
Anlässlich der Premiere „Die Fledermaus – Pride Edition” waren Regisseur Florian Hurler und Dramaturg Jürgen Bauer zu Gast bei Helmut Jasbar im Ö1-Klassik Treffpunkt. Sie sprechen über das Stück und haben eine Auswahl ihrer Lieblingsmusik mitgebracht. Die Sendung kann online nachgehört werden. Viel Spaß beim Zuhören.
Tom Neuwirth übernimmt die Rolle des Frosch in "Die Fledermaus – Pride Edition" der Volksoper Wien
Im Rahmen des Pride Month Juni präsentiert die Volksoper Wien heuer "Die Fledermaus – Pride Edition" als selbstbewusst queeren Blick auf die wohl berühmteste Operette der Welt. Tom Neuwirth, international bekannt als Conchita Wurst, bringt als Frosch erneut seine Vielseitigkeit zwischen Musik und Schauspiel auf die Bühne.
Auf die ‚Pride Edition‘ der ‚Fledermaus‘ kann die Volksoper stolz sein: Die gelungene queere Bearbeitung des Operettenklassikers mit Conchita Tom Neuwirth als Frosch ließ das volle Haus Kopf stehen.
Die Presse10. Juni 2026
Der Abend wird zum Triumph für das gesamte Ensemble, dem Neuwirth den richtigen Kick gibt.
ORF10. Juni 2026
So bunt war der Operetten-Klassiker noch nie: ein humorvolles, bissiges Spiel über Liebe, Identität und gesellschaftliche Normen. (5 von 5 Sternen)
Kronen Zeitung10. Juni 2026
Vom Ereignischarakter her hat der Dienstagabend an der Wiener Volksoper vielleicht das bisherige Opernhighlight des Jahres gebracht.
ORF10. Juni 2026
So findet zusammen, was zusammengehört. An der Volksoper wird die ‚Pride Edition‘ der Strauß-Operette zum stimmigen Gesamtkunstwerk. (…) Florian Hurler adaptierte dafür die luxuriöse Inszenierung von Robert Herzl, Jürgen Bauer und Moritz Franz Beichl kreierten eine herrlich unverschämte, anzügliche, wienerische Textfassung.
Der Standard11. Juni 2026
Gerade die Operette war noch nie eine reine Hetero- Angelegenheit. Und so passt der queere Dreh, den Jürgen Bauer und Moritz Franz Beichl dem Strauß'schen Fledermaus-Libretto für die Pride-Ausgabe geben, fugenlos.
Kurier10. Juni 2026
Die Fledermaus Pride Edition : Wenn das keine neue Tradition wird, ist die Volksoper schlecht beraten.
Die Presse10. Juni 2026
Ein Trubel wie im Taubenschlag. Bitte in Zukunft jeden Juni!