Aleksandra Dimić
Wann wurdest du zum ersten Mal in deinem Leben durch (Musik)Theater verzaubert
Schon sehr früh war ich von Kunst umgeben. Meine Eltern nahmen mich mit ins Theater und ins Ballett, und ich kam bereits als Kind intensiv mit klassischer Musik, Opern und Aufführungen in Berührung. Ich besuchte eine Kunstschule, tanzte und sang im Chor – meine gesamte Kindheit war geprägt von Musik, Bewegung und Bühne.
Vom Ballett war ich schon immer fasziniert, zur Oper kam ich jedoch fast zufällig. Der Moment, in dem ich mich wirklich in diese Kunstform verliebte und ihre Kraft verstand, war, als ich meine erste Rolle in der Oper Dido and Aeneas von Purcell sang. Das war an einer Musikschule in Serbien, im Rahmen der ersten Opernproduktion im Theater der Stadt Kragujevac, ich verkörperteo dort die Hexe.
Diese Erfahrung war für mich sehr intensiv. Plötzlich wurde mir bewusst, welche Kraft diese Musik besitzt und wie viel Bedeutung in jedem Wort und jeder Bewegung auf der Bühne liegt. Der gesamte Prozess – vom Lernen und Vorbereiten bis zur Aufführung – hat mich vollkommen erfüllt. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich genau das in meinem Leben machen möchte.
Welche Rolle kann/soll Musiktheater in der heutigen Gesellschaft einnehmen?
Ich denke, dass das Musiktheater heute eine sehr wichtige und bedeutende Rolle in unserer Gesellschaft spielt. Aus meiner Erfahrung und Beobachtung ist die Bühne ein wesentlicher Teil unseres Lebens und unseres Alltags. Besonders seit der Corona-Zeit, aber auch angesichts der aktuellen weltweiten Entwicklungen, erleben viele Menschen Unsicherheit, Angst und eine ständige Reizüberflutung durch Nachrichten und soziale Medien.
Gerade in dieser Realität suchen Menschen nach einem Ort, an dem sie dem Alltag entfliehen können. Ob Kino oder Theater, sie möchten für einige Stunden alles hinter sich lassen. Im Musiktheater erleben sie eine ganze Bandbreite an Emotionen: Lachen, Weinen, Berührung und manchmal auch Wut – aber in einem geschützten und bedeutungsvollen Raum.
Diese Erfahrung beginnt schon vor der Vorstellung: beim Kartenkauf, bei der Planung des Abends, beim Sich-schön-Machen und Hingehen. Es ist bereits ein bewusster Ausbruch aus dem Alltag. Und sie endet nicht mit dem Schlussapplaus – sie wirkt weiter, auf dem Heimweg, in Gesprächen mit Freund:innen oder Partner:innen und oft sogar noch am nächsten Tag.
Ich bin überzeugt, dass Theater die Kraft hat, Menschen tief zu berühren, etwas in ihnen zu hinterlassen und sie in gewisser Weise auch zu heilen. Es schenkt Momente der Ruhe, des Loslassens und der Verbindung zu Musik, Text und Emotion.
Deshalb hat das Musiktheater meiner Meinung nach nicht nur einen Platz in der heutigen Gesellschaft – es ist wichtiger denn je.
Warum singen die Leute und warum sprechen sie nicht?
In einem meiner Schauspielkurse an der Universität sagte meine Lehrerin einmal einen Satz, der mich sehr geprägt hat: Wir beginnen zu singen, wenn das Sprechen nicht mehr ausreicht.
Ich glaube, das erklärt genau, warum Menschen singen und nicht nur sprechen. Gesang aktiviert Bereiche im Gehirn, die mit Erinnerung und Emotion verbunden sind, und wirkt deshalb auf einer viel tieferen Ebene. Es geht nicht nur um den Text – auch die Musik, die Klänge und die Harmonie öffnen in jedem von uns etwas ganz Eigenes.
Durch das Singen fühlen und verstehen wir intensiver, und jeder erlebt es auf seine eigene Weise – sowohl durch die Sänger:innen als auch durch das Orchester. Genau das macht diese Kunstform so besonders: Nicht alle denken oder fühlen gleich, und gerade das macht uns als Menschen unterschiedlich und einzigartig.
Außerdem hat Musik die Fähigkeit, unsere Aufmerksamkeit stärker zu fesseln als reines Sprechen. Sie hilft uns, uns besser zu konzentrieren, zu verstehen und uns Dinge länger zu merken. Mit einer Melodie dringt eine Botschaft tiefer ein und bleibt länger bei uns.
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Geboren in
Israel, Beer-Sheva
Ausbildung
Bachelor of Arts an der Universität für Musik und Darstellung Kunst Wien
Studiert derzeit in der Klasse von Martin Vácha
Wichtige Engagements
Hexe in der Oper Dido und Aeneas von Henry Purcell (Erste Rolle im Alter von 15 Jahren)
Wichtige Arbeiten an der Volksoper
Annio in Titus
Sonstiges
Sie war eine erfolgreiche Karate-Sportlerin mit schwarzem Gürtel, doch die Musik gewann.
Nach der Grundschule in Israel zog sie mit ihrer Familie nach Serbien. 2015 beginnt sie dort Gitarre zu lernen, darauf folgt die Ausbildung der Stimme auf einer Musikschule.
* Verwendung der Fotografie (© Katarina Novčić) nur für Zwecke der aktuellen Berichterstattung über die Volksoper Wien