Diana Schnürpel
Was war dein musikalisches „Erweckungserlebnis“?
Es gab für mich wahrscheinlich nicht den einen Augenblick. Musik war in meiner Familie und in meiner Kindheit in Lipezk immer da. Mein erstes Instrument war das Klavier, und schon bevor ich daran dachte, Sängerin zu werden, habe ich Musik über das Spielen kennengelernt. Am Klavier habe ich verstanden, dass hinter den Noten eine eigene Sprache liegt – und dass man mit ihr etwas ausdrücken kann, wofür Worte manchmal nicht ausreichen. Der Gesang kam später immer stärker hinzu. Vielleicht war mein eigentliches Erweckungserlebnis deshalb die Erkenntnis, dass ich mich nicht zwischen Stimme und Musik entscheiden musste: Die Stimme wurde mein Instrument, aber das Klavier und das Denken von der Partitur her sind bis heute ein wichtiger Teil von mir.
Welchen Moment oder welche Phase im gesamten Produktionsprozess (vom Erlernen einer Rolle bis zur Aufführung) magst du am meisten?
Ich liebe den Moment, in dem eine Partie anfängt, mehr zu sein als Noten und Text. Am Anfang sitze ich sehr gern allein am Klavier und entdecke die musikalische Struktur einer Rolle. Dann kommen Sprache, Stimme, Figur und schließlich die Begegnung mit dem Dirigenten, der Regie, dem Orchester und den Kolleginnen und Kollegen hinzu. Plötzlich verändert sich etwas, das man zunächst allein erarbeitet hat, durch die anderen Menschen. Besonders spannend finde ich den Augenblick, in dem ich nicht mehr darüber nachdenken muss, wie ich etwas singe, sondern ganz in der Figur sein kann. Und dann kommt das Publikum hinzu – erst in diesem Moment ist der Prozess wirklich vollständig.
Warum singen die Charaktere eigentlich?
Vielleicht beginnen Menschen auf der Opernbühne genau dort zu singen, wo Sprechen nicht mehr genügt. Die großen Situationen der Oper sind selten alltäglich: Menschen lieben, verlieren, hoffen, verzweifeln, werden eifersüchtig oder geraten außer sich. Musik kann solche Gefühle größer und zugleich genauer machen, als Worte allein es könnten. Das Faszinierende ist für mich, dass ein gesungener Satz manchmal etwas ganz anderes erzählt als derselbe Satz gesprochen. Das Orchester weiß vielleicht schon etwas, was die Figur selbst noch nicht weiß. Deshalb empfinde ich Gesang in der Oper nicht als etwas Künstliches. Innerhalb dieser Welt ist er für mich die natürlichste Form, etwas auszusprechen, das zu groß geworden ist, um nur gesagt zu werden.
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Geboren in Lipezk, Russland
Ausbildung
- Klavier- und Gesangsunterricht an der Kindermusikschule in Lipezk
- Studium an der Fachschule für Musik und Kunst mit Abschluss im Fach Klavier
- Studium mit Bachelor-Abschluss im Fach Gesang an der Chorkunstakademie in Moskau bei Prof. Nina Rautio
- Vokalkorrepetitorin an der Chorkunstakademie in Moskau
- Studium mit Diplomabschluss im Fach Gesang an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig bei Prof. Regina Werner-Dietrich
- Gesangsunterricht beim Heldentenor Manfred Jung
Wichtige Engagements
Königin der Nacht in Die Zauberflöte
Maria Sturada in Maria Stuarda
Venus und Gepopo in Le Grand Macabre
Füchslein Schlaukopf in Das schlaue Füchslein
Eurydike in Orpheus in der Unterwelt
Schneekönigin in Schneekönigin
Musetta in La Bohème
Alice Ford in Falstaff
Zerlina in Don Giovanni
Euridice in Orfeo ed Euridice
Wanda in Großherzogin von Gerolstein
Rosina in Il Barbiere di Siviglia
Despina in Cosi fan tutte
u.v.m.
Engagements am Deutschen Oper am Rhein, Teatr Wielki Opera Narodowa (Warschau), Komische Oper Berlin, Ständetheater Prag, Norddeutsche Philharmonie, Theater Bremen, Hamburgische Staatsoper, Bühnen Bern, Deutsche Oper Berlin, Staatstheater Cottbus, Berner Symphonieorchester, u.v.m.
2021 Stipendiatin der Kulturstiftung Thüringen sowie weitere Stipendien mit Konzert in Gotha (Musikalischer Literaturzirkel)
2016-2021 Ensemblemitglied des Luzerner Theaters
2011-2012 Gastverträge für den Rundfunkchor des Mitteldeutschen Rundfunks
Konzert- und Liedsängerin mit Soloprogrammen wie Paul Hindemiths „Das Marienleben“, Konzerte mit Marienvesper von C. Monteverdi, Lieder von Krieg und Liebe von C. Monteverd, u.v.m.
Prägende Zusammenarbeit mit diesen Künstler:innen
Dirigenten: Thomas Rösner, Stefan Lano, William Kelley, Sasha Yankevych und Keren Kagarlitsky
Regisseure: Patrick Schlösser, Herbert Fritsch, Deboran Epstein, Frank Hilbrich, Tomo Sugao und Hinrich Horstkotte sowie Matthias Oldag
Lebende Komponisten: Oliver Gruhn
Bedeutende Preise und Ehrungen
- Absoluter 1. Preis Canadian International Music Competition (Voice & Clarinet), Kanada und Absolut Platin sowie Grand Champion 2022 Quebec Music Competition (Voice), Kaneda, Platin als Duo DiaMar mit Margarita Gritskova 2022 Quebec Music Competition sowie Platin beim Trinity International Music Competition
- 2021Grand Prix-Siegerin des „International Music Competition Melody” (Vocal), Grand Prix Siegerin VII. INTERNATIONAL ART COMPETITION, Türkei, VII International Art Competition „Art World “(Music), Türkei, Siegerin des Quebec Music Competition, Voice, Piano, Clarinet (Trio) sowie Grand Champion 2021 Quebec Music Competition (Voice), Kaneda, 2. Preis im Ensemble des King’s Peak International Music Competation; 1. Preis MAP International Music Competition (Voice & Chamber Duo), USA
- 2012, Finalistin des Grandi Voci Operngesangswettbewerbs, Salzburg, Österreich
- 2010/11, Finalistin des Lortzing-Wettbewerbs, Leipzig
- 2010/11, 3. Preis VII. NATIONALER II. INTERNATIONALER JÓZSEF SIMÁNDY GESANGSWETTBEWERB SZEGED, Ungarn
Sonstiges
Ich singe auch gerne Orchesterlieder u.a. zu hören auf der CD „Bezaubert“ von Oliver Gruhn (Herbst 2025)
Website
Diana Schnürpel
* Verwendung der Fotografie (© Olaf Schnürpel) nur für Zwecke der aktuellen Berichterstattung über die Volksoper Wien